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01.08.2016

14:04 Uhr

Signa Retail übernimmt dress-for-less

Karstadt-Eigentümer stärkt das Online-Geschäft

Das österreichische Unternehmen Signa Retail übernimmt das insolvente Internet-Mode-Outlet dress-for-less. Der Handelskonzern will künftig mit seinen Warenhäusern und im Internet bei Kunden punkten.

Erst im vergangenen Monat hatte Signa-Retail-Geschäftsführer Fanderl auch bei Karstadt angekündigt, nach den von Filialschließungen und Stellenabbau geprägten Sanierungsbemühungen der vergangenen Jahre wieder auf Expansionskurs gehen zu wollen. dpa

Karstadt-Eigentümer stellt sich neu auf

Erst im vergangenen Monat hatte Signa-Retail-Geschäftsführer Fanderl auch bei Karstadt angekündigt, nach den von Filialschließungen und Stellenabbau geprägten Sanierungsbemühungen der vergangenen Jahre wieder auf Expansionskurs gehen zu wollen.

Essen/WienDer Karstadt-Eigentümer Signa Retail will künftig auch im Online-Handel mit Textilien eine größere Rolle spielen. Das österreichische Unternehmen übernimmt deshalb das insolvente Internet-Mode-Outlet dress-for-less, wie es am Montag mitteilte. Die 260 Arbeitsplätze bei dem Online-Portal seien damit „weitestgehend gesichert“, teilte Signa mit. Der „Spiegel“ hatte am Wochenende zuerst über die Übernahme berichtet.

Der Karstadt-Chef und Signa-Retail-Geschäftsführer Stephan Fanderl betonte, für Signa sei die Übernahme „ein wichtiger Schritt hin zu einer Einzelhandelsgruppe, die sowohl stationär, als auch online stark aufgestellt ist“. Bislang dominiert bei den Österreichern noch das von den Karstadt-Warenhäusern geprägte stationäre Geschäft. Mit dem Zukauf gewinne Signa nicht nur zusätzliche Kompetenz im Internet-Handel, sondern auch eine maßgeschneiderte Logistik mit einem modernen Lager-Standort, erklärte der Manager.

Karstadt: Neues Warenhaus in Berlin geplant

Karstadt

Neues Warenhaus in Berlin geplant

Jahrelang wurden in Deutschland nur Warenhäuser geschlossen. Doch nun gibt es eine Überraschung: Karstadt will in Berlin ein neuen Standort aufmachen. Das würde auch zugleich ein weiteres Problem lösen.

Es ist bereits der zweite Zukauf innerhalb weniger Monate, mit dem die Österreicher ihr Online-Standbein stärken. Erst im April hatte Signa die Mehrheit am Sportartikelportal Outfitter erworben. Zum Unternehmen gehört auch der Online-Shop karstadt.de. „Wir planen, zukünftig das Online-Geschäft strategisch zu erweitern“, betonte Fanderl. Schon im laufenden Jahr soll der Umsatz im Internet rund 140 Millionen Euro erreichen.

Die Neuerwerbung dress-for-less soll auch künftig als eigenständiges Unternehmen agieren und weiter vom bisherigen Chef Antonio Gonzalo geführt werden. Dennoch sieht Signa ein hohes Potenzial für Synergien bei Logistik und Modekompetenz im Internet. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Dress-for-less wurde 1999 im hessischen Kelsterbach gegründet. Den größten Teil seines Geschäfts macht das Unternehmen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, sowie den Niederlanden. Insgesamt ist es in 13 Ländern präsent. Nach mehreren Eigentümerwechseln war Dress-for-less im Frühjahr in eine finanzielle Schieflage geraten und hatte im Juni Insolvenz anmelden müssen. Insolvenzverwalter Markus Plathner zeigte sich zufrieden, dass das Unternehmen schnell habe stabilisiert werden können. Damit sei die Grundlage für eine zügige Sanierung gelegt. Die Kartellbehörden und die Gläubigerversammlung müssen allerdings noch grünes Licht für die Transaktion geben.

Erst im vergangenen Monat hatte Signa-Retail-Geschäftsführer Fanderl auch bei Karstadt angekündigt, nach den von Filialschließungen und Stellenabbau geprägten Sanierungsbemühungen der vergangenen Jahre wieder auf Expansionskurs gehen zu wollen. Erstmals seit über 30 Jahren plant das Unternehmen die Eröffnung einer neuen Filiale. Das Warenhaus in einem Einkaufszentrum in Berlin-Tegel soll allerdings erst 2018 seine Tore öffnen.

Von

dpa

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