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21.08.2013

09:42 Uhr

Sinkende Einnahmen

Deutsche Bahn spart an preisgünstigen Tickets

Die Deutsche Bahn hat das Angebot ihrer Sparpreis-Tickets zurückgefahren, sagt Fernverkehrschef Berthold Huber. Grund dafür seien sinkende Einnahmen durch die Folgen des Hochwassers für den Bahnverkehr – aber nicht nur.

Fahrkartenverkauf: Die Hochwasser-Schäden an Gleisen schrecken Bahnfahrer ab. ap

Fahrkartenverkauf: Die Hochwasser-Schäden an Gleisen schrecken Bahnfahrer ab.

BerlinDie Deutsche Bahn spart dieses Jahr an Sparpreis-Tickets. Die Zahl der vergünstigten Fahrkarten sei deutlich reduziert worden, sagte der DB-Fernverkehr-Chef Berthold Huber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Mittwoch. Normalerweise verkauft die Bahn rund 40 Prozent ihrer Fernverkehr-Tickets zu Sparpreisen. Diese kosten weniger als normale Fahrkarten, dafür sind sie an einen bestimmten Zug gebunden.

Als Gründe für die Reduzierung nannte Huber laut der „FAZ“ unter anderem die Folgen des Hochwassers: Seit Wochen ist ein Abschnitt der Bahnstrecke Berlin-Hannover gesperrt, rund ein Viertel aller Fernverkehr-Verbindungen in Deutschland ist von Umleitungen und deutlichen Fahrzeit-Verlängerungen betroffen. Bislang ist vollkommen unklar, wie lange die Strecke noch gesperrt bleiben muss; möglich ist eine Sperrung mindestens bis zum Jahresende.

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Hinzu kommen sinkende Einnahmen durch das aktuelle Bahnchaos rund um Mainz. Dort hat die Bahn aufgrund von Personalmangel in einem Stellwerk den Fahrplan zusammengestrichen.

Von

afp

Kommentare (10)

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Easy_Michael_O_Leary

21.08.2013, 10:19 Uhr

40% zu niedrig preisen: Fehlnutzung einer Marketing-tool.

Charly

21.08.2013, 10:25 Uhr

Viele Fernzüge sind eh nur wegen der Sparpreise halbwegs besetzt.
Die Fernzüge werden über das Nahverkehrssystem subventioniert.
Eine Reduzierung der Sparpreiskontingente wird nicht zu mehr Einnahmen führen sondern zu mehr leeren Plätzen.
Die Bahn rechnet sich einfach reich, aber mit Betrug läufts halt nicht so richtig.

UUpsderdritte

21.08.2013, 11:04 Uhr

Dann werde ich mal die Fernbusse testen oder den Flieger nutzen.

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