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04.04.2016

20:43 Uhr

Sinkende Fleischpreise

Umsatz des Schlachtbetriebs Tönnies stagniert

Deutschlands führender Schlachtbetrieb tritt beim Umsatz auf der Stelle. Das Familienunternehmen Tönnies legt auf dem Schweinemarkt nur durch Übernahmen zu. Der Grund: Die Preise fallen.

18,2 Millionen Schweine wurden 2015 im Schlachtbetrieb Tönnies geschlachtet. Das ist ein Plus von mehr als sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. dpa

Schlachtbetrieb Tönnies

18,2 Millionen Schweine wurden 2015 im Schlachtbetrieb Tönnies geschlachtet. Das ist ein Plus von mehr als sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Rheda-WiedenbrückSinkende Schweinepreise lassen den Umsatz bei Deutschlands größtem Fleischunternehmen Tönnies stagnieren. Im Geschäftsjahr 2015 verbuchte das Familienunternehmen einen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro und blieb damit auf dem Niveau von 2014.

Die Zahl der geschlachteten Schweine stieg um mehr als sieben Prozent auf 18,2 Millionen. Den Gewinn bezifferte Tönnies nicht. Firmenchef Clemens Tönnies sprach bei der Vorstellung der Jahreszahlen am Montag in Rheda-Wiedenbrück aber von einem leichten Rückgang.

Insgesamt wurden nach Branchenangaben im vergangenen Jahr in Deutschland etwas über 59 Millionen Schweine geschlachtet - im Jahr zuvor waren es 58,85 Millionen Tiere.

Für Tönnies arbeiten weltweit 10 500 Mitarbeiter. Nach der Übernahme des dänischen Schlachtbetriebs Tican rückwirkend zum 1. Oktober 2015 rechnet das Unternehmen für das laufende Jahr mit einem Umsatz von 6,3 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiter steigt durch die größte Übernahme der Firmengeschichte auf 12 500.

Der Streit bei Tönnies

Zwist der Generationen

Beim größten deutschen Fleischhersteller Tönnies herrscht eine Familienfehde. Zwei Generationen streiten um das Erbe des Gründers Bernd Tönnies.

Erbe von Bernd Tönnies

Bernd Tönnies baute das Unternehmen auf. 1971 gründete der Metzgersohn eine Fleischfirma, die auf Effizienz getrimmt war: Er ließ die Schweine im Schlachthof zerlegen und verwertete so viele Einzelteile wie möglich selbst.

Gemeinsamer Aufbau

Clemens Tönnies stieg in den 1980er-Jahren ins Unternehmen ein und baute gemeinsam mit seinem Bruder ein florierendes Unternehmen auf. Bernd Tönnies starb 1994.

Bruder gegen Sohn

Nun streitet sich Clemens Tönnies mit Robert Tönnies, einem der Söhne des Unternehmensgründers. Sie stehen sich in mehreren Gerichtsverfahren gegenüber.

Parität oder nicht?

Die wichtigste Frage dreht sich um die Mehrheitsverhältnisse. Beide halten je 50 Prozent der Anteile – allerdings erst, nachdem Robert und sein Bruder dem Onkel 2008 insgesamt zehn Prozent schenkten in „Anerkennung der Leistung seit dem Tod“ des Vaters.

Streit um „groben Undank“

Robert wirft Clemens „groben Undank“ vor – die Grundlage dafür, eine Schenkung zu widerrufen. Der Vorwurf: Sein Onkel habe ihn öffentlich schlecht geredet, wirtschaftlich übervorteilt und ihm Rechte als Gesellschafter vorenthalten.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) befürchtet angesichts von Überkapazitäten und Preisverfall einen beschleunigten Strukturwandel bei Höfen und Schlachtbetrieben. Trotz der Trends zu mehr Regionalität und Tierwohl sei die Zahlungsbereitschaft dafür begrenzt, kritisierte der Marktexperte der ISN, Matthias Quaing, in dem am Montag in Damme veröffentlichten Schlachthofranking der Branchenorganisation.

Die Betriebe müssten mit immer höheren Auflagen zurechtkommen, häufig mit der Folge steigender Kosten, die der Markt jedoch nur unzureichend honoriere. „Das zieht zwangsläufig einen beschleunigten Strukturwandel hin zu immer größeren Unternehmen nach sich, sowohl auf der Stufe der Landwirtschaft als auch bei Schlacht- und Verarbeitungsunternehmen“, sagte Quaing.

Von

dpa

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