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21.08.2015

12:23 Uhr

Skurriles Viral-Video

Hellmuth Karasek „rezensiert“ Ikea-Katalog

Quelle:Meedia.de

Einst saß Hellmuth Karasek im „Literarischen Quartett“ und stritt sich über Werke der Hochkultur. Heute verdingt sich Karasek als Werbefigur für Ikea in einem Viralvideo. Der Spot hinterlässt zwiespältige Gefühle.

HamburgFür Ikea ist die Sache ein lupenreiner PR-Coup. Mit Hellmuth Karasek wurde eine bekannte Figur des Literaturbetriebs für ein Werbevideo gewonnen. Dass er sich für keinen Quatsch zu schade ist, hat der berüchtigte Witze-Erzähler Karasek schon in zahlreichen Talkshows unter Beweis gestellt. Und so ist sein Auftritt als Ikea-Werbeonkel gewiss auch mit dem berühmten „Augenzwinkern” zu verstehen.

Laut Ikea gab es für Karasek keinerlei Vorgaben bei der Rezension des Katalogs. Der komische Effekt soll dadurch eintreten, dass Karasek die Sprache und Mittel der klassischen Literaturkritik auf ein so durch und durch banales und hochkommerzielles Produkt wie den Ikea-Katalog anwendet.

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Das Erscheinen des Ikea-Katalogs wird ähnlich zelebriert, wie die Fortsetzung eines Bestseller-Romans. Eine deutsche Möbel-Sparte dürfte sich über den neuen Katalog allerdings nicht freuen, denn es droht Konkurrenz.

Dabei fallen dann Sätze wie: „Die Personen müssen sich zwischen die Möbel drängen, sie kommen selten zu Wort, sie reden kaum zusammenhängend – und trotzdem hat das Buch einen solchen Erfolg.” Oder: „Was fehlte dem Buch, wenn es ein schöngeistiger Roman wäre? Die Antwort muss heißen: alles.” Das ist dann leidlich lustig aber auch nicht sonderlich überraschend.

Bei Ikea scheuen sie keinen Vergleich. Der seit dem Jahr 1951 verschickte Katalog sei mit 220 Exemplaren weltweit noch vor der Bibel „das auflagenstärkste Druckerzeugnis der Gegenwart”.

Für Hellmuth Karasek ist die Werbung eine zweischneidige Sache. Er macht sich dank gebührend zur Schau gestellter Selbstironie nicht komplett zum Werbe-Affen. Aber so ein bisschen dann eben doch. Hilfreich für die Beurteilung des Werbe-Stunts ist vielleicht, wenn man sich fragt: Hätte sich Marcel Reich-Ranicki für solch einen Werbespot zur Verfügung gestellt? Die Antwort muss heißen: niemals. Das ist es dann vielleicht, was einen wirklich großen von einem leidlich lustigen Literaturkritiker unterscheidet.

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