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08.08.2011

16:53 Uhr

So fliegen Manager

Streik am Flughafen - na und?

VonCarina Kontio

John Travolta kommt im eigenen Jet überall hin - denkt er. Doch bei einem Streik am Flughafen könnte aber auch er in Schwierigkeiten kommen. Das Handelsblatt hat recherchiert, wie Sie ankommen, wenn nichts mehr geht.

US-Schauspieler John Travolta ist häufig im eigenen Jet unterwegs. Quelle: dapd

US-Schauspieler John Travolta ist häufig im eigenen Jet unterwegs.

DüsseldorfVor kurzem streikte das Bodenpersonal, davor die Fluglotsen, dann der öffentliche Dienst: Den deutschen Airports blüht immer öfter ein böses Erwachen wegen Ausständen. Und den Passagieren entsprechend auch. Während Tausenden Urlaubern bei Streiks immer wieder Verspätungen und Flugausfälle drohen, bleibt man in einigen deutschen Unternehmen gelassen: Sie haben für ihre wichtigsten Mitarbeiter eigene Flugzeuge und Hubschrauber.

Eines der größten deutschen Unternehmen, das nicht namentlich genannt werden möchte, verfügt über eine Werksflotte von zwei Businessjets, mit denen Top-Führungskräfte zu wichtigen Terminen und entlegenen Standorten geflogen werden können. „Das ist alles eine Frage der Flexibilität“, erklärt ein Mitarbeiter, der für den Flugbetrieb im Konzern verantwortlich ist. „Weil nicht jedes Werk in der Nähe eines Großflughafens liegt, spart man mit einem Geschäftsflugzeug sehr viel Zeit.“ Und weil Zeit in der Unternehmenswelt auch Geld ist, ergibt eine Geschäftsreise im Firmenflieger auch ökonomisch Sinn.

Ausgebremst: Auch mit dem Firmenjet droht der Ausnahmezustand

Ganz so einfach wie es klingt, lässt sich aber der Lotsenstreik nicht umgehen. „Wie alle anderen Teilnehmer des kontrollierten Luftraums sind auch wir betroffen, wenn am Boden nur noch halb so viele Lotsen arbeiten.“ Einen Joker hat der Konzern aber im Ärmel: Wenn es hart auf hart kommt, kann man auf einen Firmenhubschrauber ausweichen, der unter Sichtflugbedingungen auch kleinere Flugplätze ansteuern darf. Bei diesen Flügen kommt man ohne Lotsen aus. Hans-Henning Romberg, Geschäftsführer der German Business Aviation Association (GBAA), jedenfalls rechnet mit einer erhöhten Nachfrage, falls der Streik anhält: „Schließlich spielen bei manch wichtigen Geschäftsterminen die Transportkosten eine geringere Rolle“. Die GBAA hat etwa 70 Mitglieder, die mehrere hundert Firmenflugzeuge und Business-Charterflugzeuge betreiben.

Was tun, wenn der Flug ausfällt?

Wer hilft, wenn mein Flug vom Streik betroffen sein könnte?

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch die Flughäfen bieten auf ihren Internetseiten meist ausführliche Informationen über die aktuellen Flug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Was kann ich tun, wenn mein Flug ausfällt?

Wird ein Flug wegen eines Streiks gestrichen, kann man ihn entweder stornieren oder umbuchen. Bei einer Stornierung bekommt man das Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will und den Flug umbucht, hat Anspruch auf einen späteren Flug - das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist.

Was ist, wenn sich mein Flug verspätet?

Bei Flügen über eine Strecke von bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste laut EU-Verordnung ab einer Wartezeit von zwei Stunden Anspruch auf Betreuungsleistungen. Dazu gehören Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel.

Welche Wartezeiten gelten bei Langstreckenflügen?

Bei Langstreckenflügen müssen Passagiere länger warten, bis ihnen die sogenannten Betreuungsleistungen zustehen: Auf einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Muss ich trotzdem pünktlich am Flughafen sein?

Ja, auch bei einer absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugszeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Bekomme ich eine Entschädigung, wenn mein Flug wegen des Streiks ausfällt?

Nein, bei Streiks gibt es keine Entschädigung. Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen deshalb nichts.

Welche Regeln gelten bei Pauschalreisen?

„Reisende können bei einem Fluglotsenstreik keinen Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden einklagen“, sagt der Hannoveraner Rechtsanwalt und Reisespezialist Paul Degott. Allerdings haben Urlauber Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises für nicht erbrachte Leistungen. Beginnt der Urlaub also wegen des Fluglotsenstreiks erst drei Tage später, muss der Veranstalter beispielsweise auch die Kosten für die entgangenen Hotelübernachtungen zurückerstatten.

Kann ich komplett von einer Pauschalreise zurücktreten?

Reisende können komplett von einem Pauschalurlaub zurücktreten, wenn der Abflug durch den Fluglotsenstreik erheblich verzögert wird: „Wenn der Wert der Reise um 30 bis 50 Prozent, also erheblich gemindert ist, können Reisende nach Vorankündigung von der Reise zurücktreten. Sie bekommen den Reisepreis komplett zurückbezahlt“, sagt Reiserechts-Experte Degott.

Was passiert, wenn ich Hotel und Mietwagen selbst gebucht habe?

Wer Hotel oder Mietwagen selbst gebucht hat und wegen des Fluglotsenstreiks zu spät in den Urlaub startet, bleibt auf den Kosten sitzen: Beim Hotel oder der Mietwagenfirma kann man keine Leistungsminderung wegen des verspäteten Fluges geltend machen.

Ähnlich sind auch andere Konzerne ausgestattet: So fliegen Manager und sogar deren Geschäftspartner beim Heiztechnikspezialisten Viessmann überwiegend mit dem Firmenjet – einer 16 Meter langen Cessna. „Wir benötigen grundsätzlich unseren eigenen Flugverkehr, denn unser Standort hier im hessischen Allendorf lässt sich durchaus als entlegen bezeichnen“, erklärt Jürgen Hoffmann, der den Werksflugverkehr mit zwei eigenen Maschinen verantwortet. „Sind alle acht Plätze in einem Jet besetzt, rechnet es sich allemal, von hier aus in ein anderes entlegenes Gebiet zu reisen, denn so ist der Manager nicht nur schneller am Ziel, sondern kann auch schon im Flugzeug diskret und ungestört arbeiten.“

Kommentare (1)

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Revisor

27.03.2012, 17:35 Uhr

Das ist VERDI, oder besser gesagt, alte ÖTV - Machtpropaganda. Der alter Kluncker läßt grüßen....

Der Erpresser-Verein um den Populisten, Arbeiterverführer und 6-stellig-Verdiener Bsirske nimmt mal soeben 100.000 Passagiere (Leute wie Du und ich) als Geisel für die eigenen politischen und monetären Interessen.
Wohlgemerkt, es geht schon lange nicht mehr um Grundrechte, Streikrecht, Mitbestimmung, es geht um gewerkschaftliche Machtinteressen und Bares.

Das ganze unter schon strafrechtsrelevanter Nötigung und auf Kosten unschuldiger Flug-Kunden !!!

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