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11.04.2006

22:08 Uhr

Software verändert Krankenhäuser

Zauberwort Optimierung

VonPeter Thelen

Das Aachener Klinikum spart mit moderner Computertechnik viel Geld. Davon profitieren die Patienten. Auch kleinere Krankenhäuser hätten allen Grund, sich durch eine Optimierung ihrer Informationsabläufe fit zu machen.

BERLIN. Volker Lowitsch macht keinen Hehl daraus: Seine Klinik hat den Weg von einem intransparenten Koloss zu einem nach Effizienzkriterien gegliederten Dienstleister nicht ganz freiwillig eingeschlagen. „Als die Vergütungsreform im Krankenhaus beschlossen wurde, wussten wir, dass wir in Zukunft 15 bis 20 Prozent weniger an einem Behandlungsfall verdienen würden“, sagt der 53-jährige Diplommathematiker.

Seine Klinik ist das Universitätsklinikum Aachen (UKA), lange als menschenfeindliche Medizinfabrik verrufen. Was in anderen Großkliniken wie der Charité auf mehrere Gebäude verteilt ist, findet sich hier alles unter einem Dach: über 30 Kliniken, rund 20 wissenschaftliche Institute, 30 Operationssäle, 45 000 stationäre und 120 000 ambulante Patienten im Jahr, 6 300 Mitarbeiter, davon rund 70 Professoren und 1 200 wissenschaftliche Mitarbeiter.

Gigantisch, aber auch gigantisch träge und teuer. Als Lowitsch 2001 als IT-Direktor beim UKA einstieg, bestand sein Job unter anderem darin, die Umstrukturierung datentechnisch mit einem „Business-Intelligence-System“ zu unterstützen, das medizinische, administrative, logistische und kaufmännische Daten zusammenführt. Es war allerhöchste Eisenbahn. So kann sich das UKA spätestens ab 2009, wenn die neuen Vergütungen „scharf“ gestellt werden, nicht mehr leisten, bei der einfachen Blinddarm-OP teurer zu sein als jedes Landeskrankenhaus. Überall gelten dann die gleichen Preise. Gleichzeitig drohen aber die Kosten weiter zu steigen, so dass die „Produktivität“ bis 2009 um 25 bis 30 Prozent gesteigert werden muss.

Anderen Unikliniken geht es nicht besser. Auch die kleineren Krankenhäuser hätten allen Grund, sich durch eine Optimierung ihrer Informationsabläufe fit zu machen. Doch Experten schätzen den Investitionsstau der öffentlich finanzierten Krankenhäuser jetzt schon auf bis zu 50 Mrd. Euro. Daher haben es sich bislang vor allem private Klinikketten wie Helios leisten können, ihre Prozesse gestützt durch neue Informationstechnik zu optimieren. Im internationalen Vergleich tragen deutsche Krankenhäuser in Sachen IT die rote Laterne (siehe „Zukunftsmarkt mit Handicaps“). Das UKA gilt insofern als Vorzeigeprojekt für öffentlich finanzierte Kliniken.

Früher erhielt beim UKA jeder Chefarzt einer Fachklinik seine Ressourcen zugeteilt, ohne sich über die Kosten Gedanken machen zu müssen. Nun muss er den Bedarf seiner Abteilung im Voraus für ein Jahr planen und mit dem Vorstand einen Kredit aushandeln. Mit dem Geld kauft er die benötigten Leistungen zu internen Preisen ein. Außerdem wurden gleichartige Leistungen, die bisher in jeder Fachklinik separat erbracht wurden, zusammengefasst.

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