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03.07.2015

13:16 Uhr

Sommereinbruch

Die Deutsche Bahn steckt in der Hitzefalle

VonAnnkathrin Frind

Die Klimaanlagen der Züge halten den hohen Temperaturen nicht mehr stand. Die Fahrgäste und das Unternehmen geraten ins Schwitzen. Die Bahn bekommt ihre Hitzeprobleme nicht in den Griff.

Bei Temperaturen über 30 Grad streiken die Klimaanlagen in modernen DB-Zügen ohne flexible Fenster häufiger, als es Kunden und Unternehmen lieb ist. dpa

Anfällige Systeme

Bei Temperaturen über 30 Grad streiken die Klimaanlagen in modernen DB-Zügen ohne flexible Fenster häufiger, als es Kunden und Unternehmen lieb ist.

DüsseldorfDie Temperatur steigt über die 30-Grad-Marke, brütende Hitze sucht Deutschland heim. Der Deutschen Bahn bringen die hohen Gradzahlen zusätzliches Ungemach: das Unternehmen muss sich schon wieder mit einer Strafanzeige herumschlagen. Fahrlässige Körperverletzung werfen Reisende dem Unternehmen vor – wegen ausgefallener Klimaanlagen. An einem besonders heißen Junitag ließ die Bahn hunderte Fahrgäste auf der bekannten Eifelstrecke in der Hitze schmoren. Über Kreislaufprobleme, Übelkeit und Schwindel klagten sie, als sie der Notarzt später auf dem Bahnsteig untersuchte. Einige waren dehydriert, ihrem Körper fehlte Wasser.

Der Grund des Klimaschocks in den Waggons: Erst war im Regionalexpress von Köln Richtung Trier die Klimaanlage ausgefallen, dann musste der Zug noch wegen eines anderen liegengebliebenen Zuges auf den Gleisen warten. Wie Anfang dieser Woche bekannt wurde, prüft die Staatsanwaltschaft nun, ob sie Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen das Unternehmen stellt. „Eine Ausnahme“, teilt eine Konzernsprecherin auf Nachfrage mit.

Doch das darf nach den nächsten Hitzerekorden in dieser Woche bezweifelt werden: In rund ein Dutzend Intercitys fiel am Donnerstag und Freitag die Kühlung aus - stark betroffen die Strecke von Berlin nach Amsterdam. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden fünf Regional- und Fernzüge aus dem Verkehr genommen, weil die Klimaanlagen heißliefen. Ebenso wie in drei Intercitys auf dem Weg nach Hamburg. Die Bahn stellte für die besonders betroffene Linie Berlin-Amsterdam zwei Ersatzzüge bereit. Sie sollen eingesetzt werden, wenn die Luftkühlung in anderen IC auf der Strecke versagt, wie ein Sprecher am Freitag mitteilte. Die Intercitys auf der Strecke sind zum Teil mehr als 30 Jahre alt. Nach einer kurzzeitigen Häufung von Ausfällen im Sommer 2010 wurden die Klimaanlagen in den vergangenen Jahren modernisiert. Dennoch waren einige jetzt auf der langen Fahrt durch die norddeutsche Tiefebene überlastet und schalteten sich vorübergehend selbst ab, wie der Sprecher erläuterte. Die Wagen auf der Amsterdam-Linie seien nicht ohne weiteres zu ersetzen, weil sie eine spezielle Zulassung für das niederländische Zugsicherungssystem hätten. Neben den Ersatzzügen auf dieser Strecke wurden außerdem in Osnabrück mehrere Busse stationiert.

Dort mussten am Donnerstag insgesamt mehrere Hundert Fahrgäste in nachfolgende Züge umsteigen, weil in ihren Zügen die Klimaanlage ausgefallen war. Es habe aber kein Fahrgast gesundheitliche Probleme bekommen, so der Sprecher.

Ein neuer Sommer, ein altes Problem. Seit vielen Jahren hat die Deutsche Bahn Probleme mit überhitzten Zügen. Sobald die Temperaturen auf mehr als 30 Grad Celsius steigen, fallen die Klima- und Heizungsanlagen aus – teils komplett, teils nur in einzelnen Wagen. „Die Klimaanlagen an Bord aller DB-Züge sind heute auf Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius ausgelegt“, teilt eine Bahn-Sprecherin mit. Das heiße aber nicht, dass sie bei höheren Werten ausfalle. Die Temperatur liege für den Fahrgast dann noch in der „Komfortzone“.

Doch obwohl die Kühltechnik - jedenfalls in der ICE-Flotte im Fernverkehr - regelmäßig gewartet und teilweise ausgetauscht wird, scheint das Unternehmen den Klima- und Heizungsanlage selbst nicht zu trauen. So lagern seit Kurzem zusätzliche Flaschen voll Mineralwasser - im Bahnjargon Notfallwasser genannt - in den Kühlschränken der Bord-Bistros.

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