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10.01.2014

16:23 Uhr

Sondierungsgesprächen

Lokführergewerkschaft droht weiter mit Streik

Bei ihrem Arbeitstreffen haben Lokführergewerkschaft GDL und Deutsche Bahn keinen Durchbruch erzielt. Die Bahn will die Forderung erst prüfen. Die Zeit drängt: Schon kommende Woche drohen Streiks im Bahnverkehr.

Auf einem Bahnsteig des Miniatur Wunderlands ist ein Streik der Eisenbahner nachgebaut. Die Gespräche zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft waren nicht zielführend. dpa

Auf einem Bahnsteig des Miniatur Wunderlands ist ein Streik der Eisenbahner nachgebaut. Die Gespräche zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft waren nicht zielführend.

FrankfurtBahnfahrer in Deutschland können noch nicht aufatmen. Bei einem Arbeitstreffen am Freitag in Frankfurt tauschten Deutsche Bahn und Lokführergewerkschaft GDL ihre Positionen aus - zunächst aber ohne durchschlagenden Erfolg. Die Bahn habe sich die jüngste Forderung der GDL erläutern lassen, werde „nun alles bewerten“ und dann Stellung nehmen, sagte eine Sprecherin anschließend. Das Unternehmen werde sich Anfang kommender Woche zum weiteren Vorgehen im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) äußern.

Der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky wetterte nach dem Sondierungsgespräch: „Erwartungsgemäß ging es wie das Hornberger Schießen aus.“ Er begrüßte zwar, dass das Management der Deutschen Bahn nun verstanden habe, was die Lokführer dringend brauchten. Sie habe jedoch nur zugesagt, sich bis zum 15. Januar schriftlich zu positionieren: „Der Arbeitgeber ist am Zuge.“

Die GDL hat mit einem Streik nach dem 15. Januar gedroht, sollte sie sich nicht mit der Bahn einigen. Die Gewerkschaft verlangt für jeden Lokführer eine Versicherung gegen Lohneinbußen, falls er aus Gesundheitsgründen auf eine schlechter bezahlte Stelle wechseln muss.

Antworten zu den neuen Bahnpreisen

Wann wird die Erhöhung wirksam?

Die neuen Preise gelten für alle Fahrten seit dem 15. Dezember 2013. Für etwa 80 Prozent aller Fahrten des Nahverkehrs gelten jedoch die Tarife eines Verkehrsverbundes. Nur für die übrigen 20 Prozent ist ein Bahn-Regionalticket zu lösen.

Wie viel müssen Bahnfahrer mehr zahlen?

Das kommt darauf an, auf welcher Strecke man unterwegs ist. Mit dem ICE kann es ein bis vier Prozent teurer werden, im Durchschnitt steigt der Normalpreis im Fernverkehr um 2,5 Prozent. Von Stuttgart nach München sind demnächst regulär 57 Euro zu zahlen, 2 Euro mehr als bisher (plus 3,6 Prozent). Im Nahverkehr beträgt die Anhebung für Standardtickets und Zeitkarten um 3,2 Prozent.

Welche Ausnahmen gibt es?

Im Fernverkehr sind etwa die Hälfte aller 360 Millionen jährlichen Fahrten nicht von der Preiserhöhung betroffen. Die Gründe: Zeitkarten werden nicht teurer, auch nicht die auf allen Strecken gültige Jahreskarte Bahncard 100, von der zurzeit rund 40 000 genutzt werden. Außerdem bleiben sämtliche Teilstrecken auf der Linie Düsseldorf-Berlin von einer Anhebung verschont. Das soll ein kleines Dankeschön sein für die vielen Verspätungen, die die Fahrgäste auf dieser Verbindung erdulden müssen. Ein Hochwasserschaden zwischen Hannover und Berlin macht seit Juni Umleitungen nötig. Das bleibt noch bis 4. November so.

Was ist mit den Bahncards und Reservierungsgebühr?

Teurer werden die Bahncard 25 (62 statt 61 Euro) und die Bahncard 50 (255 statt 249 Euro). Bei der Bahncard 100 und allen ermäßigten Bahncards bleibt der alte Preis. Für die Reservierung eines Sitzplatzes sind künftig 4,50 Euro statt 4 Euro zu zahlen. Begründung der Bahn: Sie will weniger „Luftbuchungen“ haben. Gerade Geschäftsreisende buchen gern für mehrere Züge hintereinander Plätze, weil sie nicht genau wissen, wann sie abfahren. Die Quote der Doppelbuchungen liegt bei mehr als 20 Prozent, so die Bahn.

Wie begründet die Bahn die Preiserhöhung?

Die Bahn begründet den Aufschlag vor allem mit höheren Personalkosten. Sie seien wegen der Tariferhöhungen im ersten Halbjahr um vier Prozent gestiegen. Auch der höhere Strompreis habe eine Rolle gespielt. Dabei sei die Bahn an langfristige Verträge gebunden und könne nicht von günstigeren Großmarktpreisen profitieren.

Was sagen die Kritiker?

Der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland gefällt die Erhöhung nicht. Noch sei die Leistung der Bahn angesichts vieler Verspätungen und anderer Schwächen nicht gut genug, um sie zu rechtfertigen.

Die GDL hatte Ende November die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung für gescheitert erklärt. Sie verwarf mit der Bahn erzielte Zwischenergebnisse und fordert seitdem stattdessen eine Lizenzverlust-Versicherung für Lokomotivführer. Diese soll finanzielle Einbußen ausgleichen, wenn ein Lokführer seinen Beruf aus Gesundheitsgründen nicht mehr ausüben kann.

Die Bahn hält den von ihr angebotenen Mitarbeiterschutz für besser. Er garantiere den Lokführern ein Berufsleben lang einen Arbeitsplatz.

Von

dpa

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