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08.01.2010

11:30 Uhr

Spätfolgen der Krise

Kratzen und Beißen im weltweiten Einzelhandel

VonAstrid Dörner, Katharina Slodczyk , Christine Weissenborn

Die Handelskonzerne in Deutschland, den USA und Großbritannien konnten zuletzt solide Zahlen vermelden. Offenbar kehrt die Kauflust der Kunden langsam zurück. Doch die Rückkehr zu alter Umsatzglorie ist vorerst trotzdem nicht in Sicht. Denn die Spätfolgen der Krise sind eine Gefahr für die Bilanzen der Handelskonzerne.

Der Einzelhandel erholt sich langsam wieder. Reuters

Der Einzelhandel erholt sich langsam wieder.

NEW YORK/LONDON/DÜSSELDORF. Der deutsche Einzelhandel hat sich im Krisenjahr 2009 unerwartet gut gehalten. So sanken die Erlöse im Gesamtjahr zwar laut Schätzungen des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag um rund 2,5 Prozent, bereinigt um Preisschwankungen bedeutet das ein Minus von 1,9 bis 2,1 Prozent.

Verglichen mit anderen Branchen kam der Handel, der von stabilen Preisen und dem robusten Arbeitsmarkt profitierte, allerdings glimpflich davon. „Die Zahlen waren überraschend positiv“, sagt Klaus Rättig, Partner bei der Unternehmensberatung Alix Partners. Die Exporteure etwa rechnen mit einem Umsatzeinbruch von 18 Prozent. In Sicherheit wiegen sollten sich die Händler allerdings noch nicht.

Zwar scheint sich in den Industrienationen die Lage zu stabilisieren, nicht nur in Deutschland, auch in den USA und Großbritannien schloss der Einzelhandel das Jahr bei weitem nicht so lädiert ab wie befürchtet. Starke Impulse für die Weltkonjunktur erwarten die Volkswirte 2010 allerdings nicht. Neben der weiter unsicheren Lage gehen Volkswirte in Deutschland und Großbritannien von einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen aus, was den erhofften Aufschwung ebenfalls schwächen dürfte. „Es wird sicherlich ein schwieriges Jahr, wir werden noch mit den Folgen der Krise zu tun haben“, sagte eine Sprecherin des Handelsverbandes HDE am Donnerstag. „Sollte es mehr Arbeitslose geben, merken das die Einzelhändler sofort in den Kassen.“ Im November ging der Umsatz real bereits um 2,8 Prozent zurück.

Angekündigt sind deshalb in Deutschland Steuererleichterungen. Die meisten Experten allerdings bleiben skeptisch für den Konsum. „Im besten Fall wird der private Konsum stagnieren“, sagt Unicredit-Analyst Alexander Koch. Auch Citigroup-Ökonom Jürgen Michels unkt: „Es sieht insgesamt eher düster aus für den privaten Konsum.“ Zudem haben Studien gezeigt, dass jeder, der neu in die Arbeitslosigkeit rutscht, zwei bis drei Personen in seinem Umfeld die Konsumlaune verdirbt, weil diese dann selbst um ihre Arbeitsplätze bangen und sparen.

Ausgerechnet im rezessionsgeplagten Großbritannien will vom Sparen momentan kaum jemand etwas wissen: Champagner hat der Supermarktkette Sainsbury überraschend gute Umsätze beschert. Die Verkäufe der hauseigenen Champagnermarke hätten sich im abgelaufenen Quartal verdreifacht. Insgesamt haben die Umsätze um mehr als vier Prozent zugelegt, gab der britische Konzern gestern bekannt und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Sainsbury ist die Nummer drei unter den britischen Supermarktbetreibern mit einem Marktanteil von 15 Prozent.

Nach Angaben der Marktforscher von Nielson haben vor allem die britischen Lebensmittelhändler in den vier Wochen vor Weihnachten glänzende Geschäfte gemacht. Im Vergleich zum Vorjahr hätten sie aufgrund der niedrigeren Mehrwertsteuer 6,7 Prozent mehr umgesetzt als im vergangenen Jahr. Als Mittel gegen die Wirtschaftskrise hat die Regierung die Steuer auf 15 Prozent gesenkt. Seit Anfang dieses Jahres liegt sie wieder bei 17,5 Prozent.

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