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08.12.2016

14:55 Uhr

Sparprogramm

Bahn will eine Milliarde Euro bei Reparatur und Werken sparen

Die Deutsche Bahn muss in den kommenden Jahren drastisch sparen. Laut einem Agenturbericht will der Staatskonzern auch bei Reparaturen und der Wartung von Netz und Loks ansetzen. Auch Arbeitsplätze sollen bedroht sein.

Winterfahrplan der Deutschen Bahn

Alle Jahre wieder: Das Bahnfahren wird teurer

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BerlinDie Deutsche Bahn will mit einem radikalen Sparkurs bei Reparatur und Wartung von Schienen und Loks in den nächsten Jahren mehr als eine Milliarde einsparen. Dauerhaft solle dies den Gewinn dann ab 2021 um knapp 800 Millionen Euro im Jahr heben, zeigen Konzernunterlagen, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlagen. Das Programm mit Namen „Operative Exzellenz“ (Opex) berücksichtigt auch über 100 Millionen Euro sogenannte Restrukturierungskosten. Im Allgemeinen verbergen sich dahinter Kosten für den Stellenabbau, etwa für Abfindungen.

Zahlen zum Arbeitsplatzabbau finden sich in den Dokumente nicht. Es heißt lediglich, die Personal-Produktivität werde um 15 Prozent erhöht. Bereits in anderen Dokumenten war die Rede davon, dass etwa ein Viertel der 100 Werke und Werkstätten für Fahrzeug-Instandhaltung auf eine Prüfliste gesetzt werden müssten.

Die Zukunft der Instandhaltung sollte eigentlich schon in diesem Jahr geklärt werden. Wegen des Streitpotenzials bei den Arbeitnehmern wurde dies nach Informationen aus Konzernkreisen aber vertagt. Derzeit läuft die heiße Phase der Tarifrunde. Konzernvertreter sagten weiter, voraussichtlich werde das Arbeitsplatzthema auch nicht mehr vor der Bundestagswahl im September entschieden, um nicht für Unruhe in der Politik und damit beim Eigentümer Bund zu sorgen.

Deutsche Bahn: Reinigung von Bahnhöfen kostet Millionen

Deutsche Bahn

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Ein Konzerns-Sprecher sagte zur Zukunft der Werke: „Die Deutsche Bahn ist zum Thema Werkestrategie 2030 in vertraulichen Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern. Es gibt keinerlei Beschlüsse zu einzelnen Werken oder Standorten.“ Zum Projekt Opex gab es keinen Kommentar. Man äußere sich nicht zu internen Unterlagen.

Opex zielt auch auf einen effizienteren Materialeinsatz ab, bei dem fünf Prozent gespart werden müsse. Mit drei Millionen Euro soll vor allem das Führungspersonal den Papieren zufolge nun für die Umsetzung geschult werden. Dabei sind auch „Opex-Boot-Camps“ vorgesehen. Der Begriff steht ursprünglich für die militärische Grundausbildung des US-Militärs.

An der Instandhaltung von Loks, Waggons und vor allem dem Schienennetz arbeiten Zehntausende Mitarbeiter. Allein in den Fahrzeugwerken sind knapp 10.000 Menschen beschäftigt. Allerdings übernehmen Fahrzeuglieferanten zunehmend auch die Wartung. Zudem gelingt es mittlerweile im Zuge der Digitalisierung, mittels Sensoren etwa den bevorstehenden Ausfall von Bauteilen vorherzusagen. Dadurch können Werkstatt-Aufenthalte im Voraus bestimmt, verkürzt und Folgeschäden vermieden werden.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Ziel von Opex ist es, die Pünktlichkeit sowohl im Personen- als auch Güterverkehr dauerhaft zu verbessern. In diesem Jahr wird es der Bahn voraussichtlich gelingen, die angepeilten 80 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr im Jahresschnitt zu erreichen. Dies ist allerdings vor allem Folge von Sofortmaßnahmen, die dauerhaft nicht aufrechterhalten werden können.

Bahnchef Rüdiger Grube will nach dem Milliarden-Verlust 2015 für 2016 wieder einen deutlichen Gewinn ausweisen. Den Kreisen zufolge wird das angepeilte Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) von 1,86 Milliarden Euro sogar übertroffen. Der Netto-Gewinn wird demnach deutlich über 500 Millionen Euro liegen. Grube macht damit auch Werbung für eine Verlängerung seines Ende 2017 auslaufenden Vertrags. Nach Angaben aus Konzern und Aufsichtsrat kann er mit einer Verlängerung um drei Jahre rechnen. Der Beschluss wird wohl im Frühjahr 2017 fallen.

Von

rtr

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