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15.04.2014

12:35 Uhr

Sparprogramm „Score“

Lufthansa-Sanierung wird weiterlaufen

Ende 2014 sollte das Lufthansa-Sparprogramm „Score“ auslaufen. Doch der Konzernumbau wird auch nach diesem Datum weitergehen, sagte der scheidende Konzernchef Christoph Franz – und klar sei nur noch der Name.

Lufthansa-Maschinen in Frankfurt: Die Score-Teams, die an Sparmaßnahmen und Verbesserungen arbeiten, werden nicht wie geplant zum Jahresende 2014 aufgelöst. dpa

Lufthansa-Maschinen in Frankfurt: Die Score-Teams, die an Sparmaßnahmen und Verbesserungen arbeiten, werden nicht wie geplant zum Jahresende 2014 aufgelöst.

FrankfurtDie Lufthansa will angesichts des harten Wettbewerbs den Konzernumbau auch nach Ende des derzeitigen Programms „Score“ vorantreiben. „Wir schauen uns an, was nach 2015 getan werden kann“, sagte der scheidende Konzernchef Christoph Franz am Montagabend vor Journalisten. Ob die Fortsetzung dann unter gleichem Namen weiterlaufe, werde sich zeigen.

Der 118.000 Mitarbeiter starke Konzern steckt derzeit im größten Umbau seiner Geschichte. Ziel ist, das operative Ergebnis kommendes Jahr auf 2,65 Milliarden Euro zu steigern. Der Weg ist weit: In diesem Jahr soll die Kennzahl zunächst auf bis zu 1,5 Milliarden Euro steigen.

Der Konzernumbau, mit dem die Kosten gedrückt und die Erlöse gesteigert werden sollen, besteht aus 4.000 einzelnen Projekten. Einer der größten Brocken ist die Umstellung eines Teils der innerdeutschen und Europa-Verbindungen auf den Billigflieger Germanwings. Bei anderen Ideen geht es auch darum, Langstrecken-Jets nach der Landung schneller wieder in die Luft zu kriegen.

Das sind die Konfliktfelder der Lufthansa

„Kriegserklärung der Lufthansa“

Die Lufthansa steuert auf den nächsten Streik zu. Seit zwei Jahren kann sich der Luftverkehrskonzern mit seinen Piloten nicht auf einen neuen Gehaltstarif einigen. Das Ergebnis der Urabstimmung wird am 21. März bekanntgegeben. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt der Umstand, dass Lufthansa zum Jahresende sowohl die betriebliche Altersversorgung als auch die sogenannte Übergangsversorgung für das fliegende Personal gekündigt hat. Die Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) sprach in diesem Zusammenhang von einer „Kriegserklärung“. Die Konfliktfelder im Einzelnen.

Pilotengehälter

Die Piloten gehören mit Spitzengehältern von bis zu 250.000 Euro im Jahr zu den Topverdienern im Konzern, erwarten aber auch regelmäßige Gehaltserhöhungen, die mindestens die Inflation ausgleichen und sie am Produktivitätszuwachs teilhaben lassen. Die Verhandlungspositionen sind weit voneinander entfernt: Aktuell hat die VC die Forderungen für zwei Jahre bis Mitte 2014 auf rund 10 Prozent addiert. Lufthansa will hingegen erst im Jahr 2016 eine Tabellensteigerung um 3 Prozent zahlen und bis dahin mit erfolgsabhängigen Einmalzahlungen arbeiten, die auch ganz wegfallen können, wenn die operative Marge im Passagiergeschäft nicht stimmt. Nach bislang vorliegenden Geschäftszahlen aus dem dritten Quartal hätte es bei der mitten in einem riesigen Sparprogramm steckenden Gesellschaft für 2013 schon mal keine Einmalzahlung gegeben.

Übergangsversorgung

Bis zum Jahreswechsel konnten Piloten mit frühestens 55 Jahren mit bis zu 60 Prozent ihrer Bezüge in den Vorruhestand gehen. Lufthansa sieht keine Rechtsgrundlage mehr für die Übergangsversorgung, weil Lufthansa-Kapitäne im September 2011 vor dem Europäischen Gerichtshof erstritten haben, bis zur internationalen luftfahrtrechtlichen Grenze von 65 fliegen zu dürfen. Aus Sicht der Gewerkschaft macht aber das bisherige Endalter von 60 Jahren nach deutscher Rechtsprechung auch tarifpolitisch Sinn, weil die Alten Platz für Jüngere machten und zudem das Unternehmen Teile der sehr hohen Gehälter der Alt-Kapitäne spare.

Lufthansa argumentiert mit den laufenden hohen Kosten: Im Schnitt müssten jährlich zusätzlich 8 Prozent des Pilotengehalts für die Übergangsrente zurückgelegt werden. Nach geltender Rechtslage könnten Kabinenmitarbeiter bis zum gesetzlichen Rentenalter fliegen, die Piloten bis 65, so dass eine Übergangsversorgung nicht mehr nötig sei. Für zwei Jahre will das Unternehmen die alten Regelungen noch anwenden, ohne sie juristisch anzuerkennen.

Lizenzverlustsicherung

In der Übergangsversorgung ist auch eine von der Lufthansa bezahlte Versicherung enthalten, die bei Verlust der Pilotenlizenz mit Zahlungen eintritt. Diese Regelung bleibt nach Lufthansa-Lesart trotz der Kündigung weiter in Kraft. Die Piloten müssen sich auch privat gegen den Lizenzverlust absichern, indem sie ganz am Anfang ihrer Laufbahn eine entsprechende private Versicherungspolice abschließen.

Betriebsrenten

Wie andere Unternehmen auch hat Lufthansa bislang ein Betriebsrentensystem, das den Beschäftigten im Voraus bestimmte monatliche Zahlungen garantiert. Im Schnitt erhalten die Kranich-Rentner monatlich 700 Euro Betriebsrente. Den Rentenansprüchen liegen allerdings Rendite-Erwartungen zwischen 6 und 7 Prozent zugrunde, die derzeit am von Niedrigzinsen geprägten Kapitalmarkt nicht zu erzielen sind. Das Unternehmen will künftig nur noch die Höhe seines Zuschusses garantieren, nicht aber die auszuzahlende Rente.

Verhandelt werden muss das mit allen Beschäftigtengruppen, die auf ihre bislang erworbenen Ansprüche pochen können. Wird keine Lösung gefunden, gelten für die Stammbeschäftigten die alten, von Lufthansa einseitig gekündigten Bestimmungen weiter. Eine schnelle Einigung mit allen Gewerkschaften scheint daher unwahrscheinlich. Nachteile erleiden zunächst nur Neueingestellte, die keinerlei Zusagen zu Betriebsrenten erhalten.

Um den Schwung dieser Projekte zu bewahren, sei beschlossen worden, die Score-Teams von konzernweit gut 30 Leuten nicht wie geplant Ende 2014 aufzulösen, sagte Franz. Es gebe auch über die mehreren tausend Maßnahmen hinaus noch viele Ecken, an denen die Lufthansa besser werden könne. „Ich glaube nicht, dass wir die Zitrone bereits ausgequetscht haben.“ Die Aufgabe fällt aber nicht mehr an Franz: Er geht zum Monatsende zum Pharmakonzern Roche. Sein Nachfolger wird Lufthansa-Topmanager Carsten Spohr.

Die Rosskur, der 3.500 Jobs zum Opfer fallen, ist aus Sicht von Franz notwendig, um dem Unternehmen größere Bewegungsspielraum zu verschaffen. Den benötige die Lufthansa zunächst, um sich den Kauf von neuen Jets leisten zu können, sagte Franz. „Es ist auch denkbar, dass wir die Freiheitsgrade nutzen, um weitere Konsolidierungsschritte zu gehen.“ Derzeit sei aber hier nichts auf dem Radar.

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Von

rtr

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