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15.01.2013

12:48 Uhr

Sparprogramm „Turbine“

Air Berlin baut 900 Arbeitsplätze ab

Wolfgang Prock-Schauer ist erst eine Woche im Amt, schon hat der Nachfolger von Hartmut Mehdorn schlechte Nachrichten für die Belegschaft von Air Berlin. Betriebsbedingte Kündigungen werden nicht ausgeschlossen.

Boeing 737 von Air Berlin: Die Airline streicht 900 Stellen. dpa

Boeing 737 von Air Berlin: Die Airline streicht 900 Stellen.

BerlinSanierer Wolfgang Prock-Schauer macht ernst. Vor gut einer Woche hatte der Nachfolger von Hartmut Mehdorn das Steuer bei Air Berlin übernommen und gesagt: „Wir müssen unseren Veränderungsprozess schnell vorantreiben.“ Was das heißt, verriet die Fluggesellschaft am Dienstag. Air Berlin kündigte eine Verschärfung des Sparprogramms „Turbine“ an und will 900 Arbeitsplätze bis Ende 2014 abbauen. Derzeit beschäftigt Air Berlin etwa 9300 Menschen.

„Die Gespräche zum Umbauprogramm und den geplanten Personalmaßnahmen mit den Personalvertretungen sind bereits eingeleitet“, teilte Air Berlin mit. Betriebsbedingte Kündigungen, also Entlassungen, könnten allerdings „nicht ausgeschlossen werden“. Das Management werde das Sparprogramm im konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmervertretern umsetzen, hieß es weiter.

Passagierschwund: Immer weniger fliegen mit Air Berlin

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Immer weniger fliegen mit Air Berlin

Immer weniger Menschen fliegen mit Air Berlin.

Ziel sei es, in diesem und im nächsten Jahr insgesamt rund 400 Millionen Euro einzusparen. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft will dies auch erreichen, indem sie unter anderem Strecken streicht und Flugzeuge verkauft. Die Flotte soll nach den bereits vorgenommenen Kürzungen weiter auf 142 Maschinen schrumpfen.

Air Berlin will sich auf seine Kernmärkte Deutschland, Österreich und die Schweiz und profitable Strecken konzentrieren. Die Zahl der Flüge nach Palma de Mallorca soll hingegen weiter erhöht werden. Zudem sollen die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf ausgebaut werden. Wobei der Fluggesellschaft die wieder verschobene Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens große Probleme bereitet.

Das Leben des neuen Air-Berlin-Chefs

1956

Wolfgang Prock-Schauer wird am 12. November geboren. Später studiert er Wirtschaft an der Universität Wien.

1981

Seine Karriere startet er bei der Fluggesellschaft Austrian Airlines. Er arbeitet viele Jahre im Planungsstab, wo er schließlich zum Vice President der Konzernplanung aufsteigt.

1999

Prock-Schauer ist daran beteiligt, als Austrian Airlines dem Luftfahrtbündnis Star Alliance beitritt.

2000

Er wird Chef der Konzernplanung und des Managementteams für Marketing und Vertrieb von Austrian Airlines sowie Mitglied des Aufsichtsrats von Tyrolean Airways. Er wirkt an der Verschmelzung von Austrian Airlines, Lauda Air und Tyrolean mit.

2002

Er steigt an die Spitze des Managements der Star Alliance auf.

2003

Prock-Schauer wird Vorstandschef der indischen Fluglinie Jetairways. Er saniert sie, bringt sie an die Börse und baut das Auslandsgeschäft auf. In Indien ist er ein gefragter Manager. Ein Angebot des indischen Konkurrenten Kingfisher, über das die „Times of India“ groß berichtet hat, lehnt er 2008 ab.

2009

Wolfgang Prock-Schauer wird am 1. November 2009 Chief Executive Officer bei der damaligen Lufthansa-Tocher British Midland und soll die Sanierung vorantreiben.

2012

Wolfgang Prock-Schauer wechselt am 1. Oktober 2012 zu Air Berlin und leitet die Bereiche Netzwerkplanung, Allianzen und Revenue Management.

Air Berlin ist gezwungen, den Sanierungskurs weiter konsequent zu verfolgen, denn die Bedrohungen sind existenziell: Die Airline hat mittlerweile einen Schuldenberg von 853,2 Millionen Euro angehäuft. Zuletzt mussten die Berliner eine Anleihe über 50 Millionen Euro ausgeben. Der Zins: 11,5 Prozent.

Die Fluggesellschaft leidet wie viele Konkurrenten zudem unter dem harten Konkurrenzkampf in der europäischen Luftfahrt. Nach vier Jahren mit Nettoverlusten in Folge kam Air Berlin zwar 2012 voraussichtlich wieder in die Gewinnzone. Dies verdankte das Unternehmen nach bisherigen Angaben allerdings dem Verkauf von Flugzeugen und der Mehrheit am konzerneigenen Vielfliegerprogramm.

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Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Anstelle von Hartmut Mehdorn soll künftig der Airline-Manager Wolfgang Prock-Schauer die Geschicke der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft lenken.

Mitte Dezember hatte Großaktionär Etihad der finanziell angeschlagenen Airline eine Kapitalinfusion verpasst, um durch den traditionell umsatzschwachen Winter zu kommen: Die Araber hatten für 184 Millionen Euro die Mehrheit am Air-Berlin-Vielfliegerprogramm „Topbonus“ übernommen.

In den vergangenen 15 Monaten hatte Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn bei Air Berlin einen harten Spar- und Schrumpfkurs eingeleitet. Er holte die kapitalkräftige Golf-Fluglinie Etihad an Bord, um über die Runden zu kommen. Unter Mehdorns Vorgänger Joachim Hunold war die Airline rapide gewachsen und hatte Konkurrenten wie DBA, LTU und Niki geschluckt. Die Strategie ging nicht auf und Air Berlin schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

15.01.2013, 13:16 Uhr

Bei Air Berlin werden Mitarbeiter nicht gekündigt. Sie fliegen!

Account gelöscht!

15.01.2013, 13:41 Uhr

Es ist immer wieder das selbe Strickmuster!!! Jahre lang schaffte das Unfähige Management die Turn-around nicht. Flugzeuge Verkauft, Top Bonus veräußert und nun muss die Belegschaft für die fehlende Strategie der Air Berlin auf ihre Arbeitsplätze verzichten.

Was Hat Herr Mehdorn und Co. in den letzen 18 Monate gemacht..... Flugzeuge verkauft? Top Bonus Verkauft.... dafür braucht kein Unternehmen hoch bezahlten Manager.. Das wäre jetzt an der Zeit das Herrn Brock-Schauer das Management austauscht, die Jahre lang nicht geschafft haben Ihre einzige Aufgabe zu Erledigen. Weiterhin möchte ich dazu anmerken, das Herrn Brock-Schauer kein Sanierer ist, sonst hätte Er BMI nicht in der Pleite gefahren. Es bleibt also weiterhin interessant, ob Air Berlin überhaupt fähig ist eine neue Strategie einzuschlagen um überleben zu können.

Account gelöscht!

15.01.2013, 14:06 Uhr


na, dann kann man ja als Fluggast eine weitere Verschlechterung des ohnehin katastrophalen AirBerlin Servicees rechnen; entweder, weil genügend Mitarbeiter fehlen oder weil der verbleibende Rest völlig demotiviert zum Dienst kommt.

Das Tolle an "Sanierern" ist ja bekanntlich, dass sie radikal Kosten reduzieren und dann, kurz bevor die kaputt sanierte Firma den Bach runtergeht, sich aus der Verantwortung stehlen.

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