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03.01.2014

15:01 Uhr

Sportartikel

Schumacher-Unfall treibt Skihelm-Verkäufe

VonMartin Dowideit

ExklusivDie Schlagzeilen zum Skiunfall des Ex-Formel-1-Profis Michael Schumacher treiben Kunden in die Filialen: Die Verkäufe von Skihelmen verdoppeln sich fast. Der Branchen-Boom aus dem Jahr 2009 wird aber wohl nicht erreicht.

Skifahrer auf einer Piste in Sachsen (Archiv). dpa

Skifahrer auf einer Piste in Sachsen (Archiv).

DüsseldorfDie Sorge, in einen folgenschweren Skiunfall verwickelt zu werden, treibt die Deutschen in Sportgeschäfte und zu Online-Shops. Händler und Hersteller spüren eine stärkere Nachfrage nach Skihelmen, seit Ex-Rennfahrerprofi Michael Schumacher am Sonntag in Frankreich schwer gestürzt war. Schumacher kämpft am Freitag, seinem 45. Geburtstag, weiter ums Überleben.

„Im Vergleich zur Vorjahr sind die Verkaufszahlen von Skihelmen in der Woche rund um Silvester fast doppelt so hoch“, so ein Sprecher des Sporthandelverbunds Intersport zu Handelsblatt Online. Allerdings sei nicht zu erwarten, dass dieser Boom über Wochen anhalten dürfte. „Der Absatz von Skihelmen und Skibrillen ist seit Montag noch einmal signifikant gestiegen“, sagt auch Stefan Herzog, Geschäftsführer des Händlers Sport Scheck. „Da mittlerweile sehr viele Kunden einen Skihelm besitzen, sind die Zahlen mit 2009 aber nicht vergleichbar.“

Damals war der frühere thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus auf einer Skipiste in Österreich mit einer Frau kollidiert. Sie starb, Althaus erlitt schwere Verletzungen – und die Berichte führten zu einer Nachfrageexplosion bei Skihelm-Produzenten. In der Folge verdoppelte sich etwa beim Hersteller Uvex der Absatz von Skihelmen (hier ein ausführliches Uvex-Firmenporträt). Das fränkische Unternehmen steht auch hinter der Marke Alpina.

Fakten zu Uvex

Gründungsjahr

1926 wurde das Familienunternehmen in Fürth gegründet und hat immer noch dort seinen Sitz.

Geschichte

Schon zu Beginn konzentrierte sich Gründer Philipp M. Winter Firma auf optische Produkte. Der Augenschutz rückte in den Mittelpunkt und 1960 entstand daraus die Idee für die Marke „Uvex“ (Ultraviolet Excluded).
1980 erfolgte die Expansion nach Nordamerika, die Markenrechte für Arbeitsschutzprodukte auf dem amerikanischen Kontinent verkaufte Uvex allerdings im Jahr 1997.

Eigner und Führung

Rainer Winter ist offiziell Vorsitzender der Geschäftsführung, sein Sohn Michael Winter ist seit Jahren ebenfalls Geschäftsführer und repräsentiert die dritte Generation im Unternehmen.

Produkte

Uvex produziert Arbeitsschutzprodukte wie Schutzbrillen, Sicherheitshandschuhe, Arbeitsschuhe und Schutzkleidung. Das zweite Standbein sind Sportprodukte, vor allem Fahrrad-, Ski- und Reithelme. Neben der Marke Uvex werden Produkte unter anderem auch unter den Marken Alpina und Filtral vertrieben.

Geschäftsentwicklung

Uvex wächst langsam, aber beständig. Im Geschäftsjahr 2007/08 lag der Umsatz bei 311 Millionen Euro, 2012/13 waren es 343 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren hat sich der Anteil der Arbeitsschutzprodukte am Gesamtumsatz erhöht auf zuletzt 72 Prozent. Der Auslandsumsatz stagniert zumindest in den vergangenen sechs Jahren bei 50 Prozent.

Beschäftigte und Standorte

Uvex hat fast 2000 Mitarbeiter, davon arbeiten zwei Drittel in Deutschland. Produziert wird an fünf Standorten in Deutschland sowie in der Slowakei, in Tschechien, in Italien, Schweden und den USA. Eine Produktionsstätte in China soll im Juni 2014 offiziell in Betrieb genommen werden.

Zwei Geschäftsjahre zehrte die Firma vom Althaus-Boom. Die Sportsparte, die auch Radhelme und Sportbrillen fertigte, legte von 100 auf über 120 Millionen Euro Umsatz zu – doch danach brach das Geschäft weg. Der Helmbedarf war zunächst gesättigt und der Umsatz sackte auf unter 100 Millionen Euro. Er berappelte sich erst im Ende Juni geendeten Geschäftsjahr wieder etwas. Der Markt habe sich mittlerweile auf auf einem deutlich höherem Niveau als vor dem Althaus-Unfall stabilisiert, so Alexander Selch, Geschäftsführer von Uvex Sports zu Handelsblatt Online.

„Einen kleinen Anstieg des Absatzes können die Händler höchstwahrscheinlich erwarten“, sagt der Manager jetzt mit Hinblick auf den Schumacher-Unfall. „Aber es wird keinen Hype wie nach dem Althaus-Unfall geben.“ Denn mittlerweile tragen laut Selch mindestens drei von vier Skifahrern einen Helm, sodass das Geschäft hauptsächlich aus Ersatzkäufen bestehe. Das war 2009 noch anders, viele Skifahrer schafften sich den ersten Helm überhaupt an. Lieferengpässe seien jetzt nicht zu befürchten, verspricht Selch: „Die Sportfachhändler sind mit ausreichend Lagerbestand versorgt.“ Zum Unfall Michael Schumachers gibt Selch keinen Kommentar ab: „Das wäre rein spekulativ.“

Ex-Politiker Althaus zeigt derweil großes Mitgefühl für den verunglückten Schumacher. Er sei in diesen Stunden selbstverständlich gedanklich bei ihm und bete für ihn, sagte Althaus Welt Online. „Meine besonderen Gedanken gelten jetzt der Familie, weil ich weiß, unter welch großer Sorge und Belastung sie in diesen Stunden lebt“, betonte er.

Die Grafik zeigt die Suche nach dem Begriff „Skihelm“ bei der Suchmaschine Google im Zeitverlauf. Die linke Spitze stammt aus der Zeit nach dem Althaus-Unfall, die rechte ist die nach dem Schumacher-Unfall.

Die Grafik zeigt die Suche nach dem Begriff „Skihelm“ bei der Suchmaschine Google im Zeitverlauf. Die linke Spitze stammt aus der Zeit nach dem Althaus-Unfall, die rechte ist die nach dem Schumacher-Unfall.

Kommentare (3)

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Tulipmania

03.01.2014, 13:26 Uhr

Im n-tv-Ticker stand vor wenigen Tagen, dass der Unfall bei rd. 10 km/h passiert sein soll. Wenn ein Helm bereits bei flotter Gehgeschwindigkeit in drei Teile zerbröselt, spricht das allerdings nicht für die Qualität der Helmhersteller. Wann kommt die Helmpflicht für Wanderer?

HofmannM

03.01.2014, 13:31 Uhr

Verstehe einer diese Menschen!?
Schumacher hat doch der Skihelm auch nichts genutzt! Der Skihelm wurde gespalten und Schuhmacher liegt jetzt trotzdem mit schwersten Kopfverletzungen im "Genesungs-oder auch Sterbebett". Bleibende langzeitschäden sind nicht auszuschließen. Und das trotz eines Helms.
Vorsichtig und vorausschauendes Fahren sollte man beherzigcn, dann braucht es keiner Angst bzw. vermeintlicher Sicherheit durch einen Helm!

Account gelöscht!

03.01.2014, 13:34 Uhr

Quatsch. Sicher ist, dass Schumacher ohne Helm sofort tot gewesen wäre. Es war sicher unglücklich. Aber der Helm hat ihn nicht gleich ableben lassen.

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