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10.05.2012

14:24 Uhr

Sportbranche schlägt Alarm

Wenn Firmen ihre VIP-Tickets nicht mehr los werden

VonJoachim Hofer, Hans-Peter Siebenhaar

Logen-Tickets gefällig für das Pokalfinale Dortmund gegen Bayern oder auch das Champions-League-Endspiel in München? Lange Zeit konnten Unternehmen damit ihre Kunden umschmeicheln - und sorgen seitdem in der Sportbranche damit für ein einträgliches Geschäft. Doch das ist längst in Gefahr - denn Firmeneinladungen können gefährlich sein.

Die Loge in der Schalke-Arena in Gelsenkirchen. dpa

Die Loge in der Schalke-Arena in Gelsenkirchen.

München/DüsseldorfDie Fußball-Saison neigt sich dem Ende entgegen - und das wartet mit den ganz großen Knallern auf: Meister Borussia Dortmund gegen Vize-Meister FC Bayern München im Finale des DFB-Pokals in Berlin, und noch einmal die Bayern nur eine Woche später ausgerechnet in der heimischen Allianz-Arena im Endspiel der europäischen Königsklasse Champions League gegen den FC Chelsea London - wo keine 150.000 Zuschauer Platz finden, hätte man alleine in Deutschland gut und gerne 1,5 Millionen Tickets verkaufen können. Und so bleibt vielen Fußballfans nur die Chance, ihr Vitamin B zu nutzen und auf ein Einladungsticket eines mit einem mehr oder weniger ansehnlichen Kartenkontingent ausgestatteten Sponsors zu hoffen, um doch live dabei sein zu können, wenn die Saison ihre spektakulären Höhepunkte zelebriert.

Doch immer strenger werdende Compliance-Regeln in den Unternehmen versperren auch den Weg zu dieser Eintrittskartenquelle - und sorgen damit nicht nur bei den zum Nein gezwungenen Fußball-Fans, sondern auch der Sportbranche für Frust. Denn die muss um ihr lukratives Geschäft fürchten: Exklusive Plätze im Stadion waren für Firmen lange Zeit attraktiv. Besonders hoch im Kurs: die Logen. Doch inzwischen halten sich immer mehr Firmen hierzulande mit Engagements im Sport zurück - und das aus gutem Grund: Für so manchen Sponsor lohnt es sich gar nicht mehr: Die Zeiten sind vorbei, in denen die Geldgeber der Vereine ihre Geschäftspartner in die Stadien einladen und in noblen Logen oder üppig ausgestatteten VIP-Bereichen verköstigen konnten. In zahllosen Konzernen verbieten strenge Verhaltensregeln sämtliche Geschenke. „Manchen Mandanten darf ich gerade noch einen Kaffee anbieten“, sagt der Compliance-Experte Joachim Breithaupt von der Kanzlei Osborne Clarke in Köln.

Ein Milliardenmarkt

Die Erlöse

Die Fußball-Bundesliga erzielte in der Saison 2010/11 einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro. Davon stammen knapp 27 Prozent aus Werbung, darunter fällt auch Sponsoring. Die Einnahmen aus Werbung stiegen zuletzt stark an. In der vergangenen Spielzeit betrugen sie 523 Millionen Euro. Zum Vergleich: Vor vier Jahren waren es lediglich 403 Millionen Euro.

Die Bewirtung

Ein Teil des Sponsorings ist Hospitality, also die Bewirtung von Firmenkunden in eigens dafür eingerichteten Bereichen. Dieses Geschäft ist im Zug der Modernisierung der Stadien jahrelang stark gewachsen und wurde für die Vereine immer wichtiger. Dies gilt nicht nur für den Fußball, sondern auch für andere Sportarten.

Seit zwölf Jahren ist Thomas Pröckl Vorstand von Eintracht Frankfurt. Der Fußballmanager hat schon viele Höhen und Tiefen miterlebt. Dass sich sein Club aber einmal so schwertun würde, Sponsoren zu finden, das hätte der Wirtschaftsingenieur nicht gedacht. Da steigt der traditionsreiche Verein aus den Niederungen der Zweiten Liga wieder in die Eliteklasse auf - und trotzdem muss Pröckl um Geldgeber kämpfen.

Die Sportbranche ist aufgebracht. „Wir brauchen mehr Augenmaß beim Thema Hospitality“, sagt Pröckl, der stellvertretende Vorstandschef der Eintracht. Als Hospitality bezeichnet die Sportbranche all jene Annehmlichkeiten, die sie in ihren Arenen den Firmenkunden bietet: dick gepolsterte Business-Sitze, individuell ausgestattete Logen, mehrgängige Menüs in VIP-Räumen, reservierte Parkplätze direkt unter den Tribünen.

Doch immer weniger Angestellte dürfen solche Einladungen überhaupt annehmen. Für die Clubs ist das eine bedrohliche Entwicklung. „Einnahmen aus Hospitality-Aktivitäten sind wesentlicher Bestandteil des Umsatzes“, sagt der Strafrechtsprofessor Stefan Braum von der Universität Luxemburg. Nur mit ihrer Hilfe gelänge es, die Eintrittspreise in den Stadien für Normalbesucher stabil zu halten. Laut einer neuen Studie von Braum, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, erzielt die Erste Liga auf diesem Feld pro Spielzeit Erlöse von knapp 161 Millionen Euro. Die Zweite Bundesliga kommt auf einen Umsatz von fast 43 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Fußball-Bundesliga erzielte in der Saison 2010/11 insgesamt einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro. Es geht also um viel Geld.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

10.05.2012, 15:11 Uhr

Bei Eintracht Frankfurt dürften es eher nicht die Compliance-Regeln sein, die das finden von Sponsoren erschwert. Der wahre Grund, warum Sponsoren sich mit Frankfurt schwer tun sind vermutlich die Negativschlagzeilen die die Eintracht-Fans mit schöner Regelmässigkeit produzieren!

herbergersepp

10.05.2012, 15:34 Uhr

na wenn die schmiermichs nur umsonst ins stadion latschen,is doch alles gesagt

wenn dann noch den politikern der kostenlose eintritt gestrichen wird, um so besser.

dann müssen nur noch die zig millionen für den polizeischutz von den vereinen eingefordert werden und schon haben wir wieder vernünftige verhältnisse im berufssport fußball

es kann doch nicht sein,daß die bürger unsres vaterlandes durch verzicht und mit steuergelder diesen millionenzirkus subventionieren.

hat eigentlich der müchner menschenfreund und oberbauchdenker und präside ne meinung zu dieser himmelschreienden ungerechtigkeit

Melanie

10.05.2012, 18:25 Uhr

Wenn Frankfurt mal etwas anderes auffallen würde, als durch permanente Randale, würde man dort auch Sponsoren finden. Aber nicht jedes Unternehmen findet es schick, wenn sich die sogenannten Hooltras als Randalemeister feiern, den Platz stürmen, mehrere tausend Grad heiße bengalische Feuer abbrennen, Böller werfen usw. usf. Und das alles mehrmals pro Saison.

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