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06.03.2013

08:18 Uhr

Stahlhändler

Klöckner & Co schreibt Verlust

Die Stahlkrise trifft Klöckner & Co. Im Jahr 2012 hat das Unternehmen einen Verlust von 195 Millionen Euro eingefahren. Unterdessen gehen die Gespräche mit Baustoffunternehmer Albrecht Knauf weiter.

Zuletzt hatte KlöCo einen Gewinn von zwölf Millionen Euro erzielt. dpa

Zuletzt hatte KlöCo einen Gewinn von zwölf Millionen Euro erzielt.

DüsseldorfDer vom Baustoff-Unternehmer Albrecht Knauf ins Visier genommene Stahlhändler Klöckner & Co hat 2012 einen Verlust eingefahren und mit dem neuen Aktionär inzwischen Kontakt aufgenommen. Vor allem wegen der schwachen Stahlnachfrage in Europa und wegen des Preisdrucks habe der Konzern nach Anteilen Dritter einen Fehlbetrag von 195 Millionen Euro verbucht, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Im Vorjahr hatte KlöCo einen Gewinn von zwölf Millionen Euro erzielt.

Von Reuters befragte Analysten hatten jetzt im Durchschnitt mit einem Verlust von 140 Millionen Euro gerechnet. 2013 will KlöCo vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 200 Millionen Euro verdienen nach 62 Millionen Euro 2012. Mit Knaufs Interfer Holding habe es am vergangenen Freitag ein Gespräch gegeben. Die Holding unterstütze die Strategie von KlöCo-Chef Gisbert Rühl.

Karbon, schwarze Magie im Autobau?

Was ist Karbon?

Mit Karbon bezeichnet man in der Automobilherstellung Bauteile, die aus industriell hergestellten Fasern kohlenstoffhaltiger Ausgangsmaterialien stammen. Dabei ist die einzelne Faser zehnmal dünner als ein menschliches Haar. Karbonfasern haben dennoch eine hohe Zugfestigkeit. Um sie für den Einsatz im Fahrzeugbau zu veredeln, müssen die Stränge erst oxidiert und dann bei 1.500 Grad Celsius karbonisiert werden. Für den automobilen Einsatz werden sie anschließend mit Siliciumcarbid kombiniert. Aus den Fasern werden maschinell Gewebe geflochten, rund 500.000 Fasern können dabei pro Quadratzoll ineinander verflochten sein. Diese Gewebematten werden in mehreren Lagen übereinander zu Bauteilen z.B. im Autoklav-Verfahren bei ca. 150 Grad gebacken. Zur Anwendung kommt im Autobau auch verstärkt CFK, das ist kohlefaserverstärkter Kunststoff.

Was sind die Vorteile?

Karbon ist hochfest und sehr leicht. Im BMW M3 spart ein Karbondach fünf Kilo Gewicht an einer für den Fahrzeug-Schwerpunkt relevanten Stelle ein. Beim getunten Mini Cooper S bringt eine Karbon-Motohauben-Diät schon 20 Kilo. Karbon absorbiert außerdem z.B. bei einem Auffahrunfall als Bauteil extrem viel Energie, deswegen wird es bevorzugt im Rennsport eingesetzt. Das Material kann in fast jede beliebige Form gepresst bzw. gebacken werden und es rostet nicht. Bei künftigen Elektroautos ist es wichtig, die Karosserien leichter zu machen, da die Batterien sehr schwer sind.

Warum ist die Herstellung so teuer?

Ein Beispiel: McLaren und Mercedes haben extra für die Produktion des Kofferraumdeckels des SLR Roadsters ein Pressverfahren entwickelt, bei dem die Herstellung von Karbonteilen kaum noch länger dauert als die von Stahlelementen. Doch müssen andere Komponenten mit dem Skalpell ausgeschnitten und aus bis zu 20 Schichten modelliert werden, bevor sie im so genannten Autoklaven bei bis zu 150 Grad unter hohem Druck wie im Schnellkochtopf gebacken werden. Bis zu 20 Stunden für ein Bauteil sind dabei keine Seltenheit. Daher würde eine A-Klasse aus Karbon mindestens doppelt so viel kosten wie eine herkömmliche - und hätte trotzdem keine Chance auf eine Serienfertigung: Die erforderlichen Stückzahlen sind bislang in der Karbon-Fertigung einfach nicht möglich.

Nachteile im Fahrzeugbau

Karbon ist durch die aufwendige Herstellung sehr teuer. Ein Nachteil für den Einsatz im Straßenverkehr ist die Eigenschaft des Materials, bei einem Unfall unkontrolliert zu zersplittern. Die teils sehr scharfen Kanten können zu schweren Verletzungen bzw. Beschädigungen führen. Außerdem kann Karbon nicht einfach repariert werden, - etwa durch schweißen, spachteln, schrauben -, was in jedem Fall einen (teuren) Austausch eines beschädigten Bauteils nötig macht. Dazu kommt die noch ungelöste Frage des Recyclings.

Knauf hatte im Februar überraschend eine Beteiligung von fast acht Prozent an KlöCo gemeldet. KlöCo fürchtet eine Übernahme durch den Gips-Milliardär, der selbst mit Knauf Interfer im Stahlhandel aktiv ist. Knauf hatte für gut 70 Millionen Euro 7,82 Prozent an KlöCo gekauft. Er hatte sein Engagement als „strategisch“ bezeichnet.

Nun gingen die Unternehmen aufeinander zu. „Das Gespräch verlief in guter Atmosphäre“, berichtete KlöCo. Die Interfer Holding habe ihr „strategisches und langfristiges Interesse sowie ihre konstruktive Haltung“ bestätigt. „Eine Einbringung von Knauf Interfer oder anderweitige Verbindung mit Klöckner & Co war nicht Gegenstand des Gesprächs.“ Weitere Gespräche seien derzeit nicht geplant. Der Einstieg von Knauf hatte Spekulationen genährt, dieser könne Interfer mit KlöCo fusionieren.

KlöCo ist von der Stahlkrise hart getroffen worden. Vorstandschef Rühl hat deshalb zum Rotstift gegriffen. Ein Großteil der Maßnahmen sei bereits umgesetzt worden, erklärte der Manager. Seit September 2011 hat KlöCo 40 Standorte geschlossen und mehr als 1200 Stellen gestrichen. Auch den geplanten Rückzug aus Osteuropa hat das Unternehmen weitgehend abgeschlossen.

Von

rtr

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