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01.10.2014

10:42 Uhr

Standardbrief kostet künftig 62 Cent

Jetzt geht die Post ab

VonCarina Kontio

Die Deutsche Post will das Porto für den Standardbrief im kommenden Jahr erneut um zwei Cent erhöhen. Der Preis soll ab Januar von jetzt 60 Cent auf 62 Cent steigen. Dafür wird der Kompaktbrief günstiger.

Die Deutsche Post dreht erneut an der Preisschraube. Den Aufschlag muss sich der Ex-Monopolist wegen seiner Marktmacht aber noch genehmigen lassen. dpa

Die Deutsche Post dreht erneut an der Preisschraube. Den Aufschlag muss sich der Ex-Monopolist wegen seiner Marktmacht aber noch genehmigen lassen.

DüsseldorfAlle Jahre wieder – kommt nicht nur das Christkind und irgendeine Preiserhöhung bei der Deutschen Bahn, sondern neuerdings wird auch ein Aufschlag bei der Deutschen Post fällig. So dreht das Unternehmen zum Jahreswechsel erneut an der Preisschraube.

Der Bonner Logistikkonzern hatte erst Anfang 2014 die Preise um zwei Cent auf 60 Cent erhöht, nachdem Anfang 2013 zum ersten Mal seit zehn Jahren das Porto um drei Cent angehoben wurde. Die Bonner stehen in der Sparte ordentlich unter Druck, weil das Briefaufkommen Jahr für Jahr schrumpft: Die klassische Zustellung wird immer stärker durch E-Mail und Internet verdrängt.

Stärken und Schwächen Deutsche Post

Stärke: Profitabilität

Alle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte.

Stärke: Monopol-Stellung im Briefmarkt

Die Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen.

Stärke: Paket-Geschäft

Die Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online – und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück.

Schwäche: E-Postbrief

Um der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft.
Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten.

Schwäche: Cashflow

Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch.
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen.

Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen

14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt.

Schwäche: Hohe Konzernkosten

Rund 400 Millionen Euro kosten den Konzern sein Headquarter jährlich. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich mit Verwaltungsaufwendungen von rund 110 Millionen Euro.

Chance: Einstieg im Fernreise-Markt

Zusammen mit dem ADAC startete die Post am 1. November 2013 den ADAC Postbus. Das neue Fernbusangebot soll schrittweise zu einem deutschlandweiten Netz ausgebaut werden. Bis zum Frühjahr 2014 will die gemeinsame Betreibergesellschaft rund 60 Fernbusse einsetzen und 30 deutsche Städte anfahren. Tickets gibt es über das Internet und in 5000 Postfilialen und ADAC-Geschäftsstellen.

Quelle: WiWo.de

An Neujahr soll nun also das Porto für einen Standardbrief innerhalb Deutschlands erneut um zwei Cent auf 62 Cent steigen, wie der Konzern am Mittwoch in Bonn mitteilte. Billiger wird allerdings der Kompaktbrief: Er soll mit 85 Cent 5 Cent weniger kosten als bisher. Keine Änderungen plant das Management bei Groß-, Maxibrief und Postkarte.

Sendungen ins Ausland sollen hingegen teurer werden. Für den internationalen Standardbrief und die Postkarte ins Ausland würden statt 75 Cent künftig 80 Cent fällig, hieß es. Einigen der Änderungen, die der Ex-Monopolist plant, muss allerdings die Bundesnetzagentur zustimmen.

„Mit dieser Anpassung des Preisgefüges will die Deutsche Post unter anderem deutlich gestiegene Personalkosten auffangen“, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Außerdem investiere man mehrere hundert Millionen Euro in Logistik und Infrastruktur, um für seine Kunden auf Dauer „eine auch im internationalen Vergleich herausragende Qualität der Dienstleistungen aufrecht zu erhalten.“

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

01.10.2014, 10:50 Uhr

Die Post soll einfach mal ordentlich arbeiten; mehr Porto für nicht zugestellte Briefe? Toll.

Herr Manfred Carter

01.10.2014, 11:20 Uhr

Mir wird doch jeden Tag erzählt, wir hätten keine Inflation und es bestünde eher die Gefahr der Deflation, also sinkende Preise. Was ist dann mit dieser Meldung über die Portoerhöhung, mit der deutlichen Erhöhung der Tarife beim Münchner MVV, bei der Bahn, von den Mieten und Baupreisen gar nicht zur reden ??? Und im Konsumgüterbereich bleiben zwar die Preise noch konstant, dafür ist in den Packungen weniger drin! Meine private KK wird ohnehin jedes Jahr deutlich teurer ? Deflation ? Dass ich nicht lache.

Herr Paul Müller

01.10.2014, 11:28 Uhr

"...um zwei Cent erhöhen..."

Hilfe! Deflation allerorten! Wir erinnern uns an den erschütternden Artikel zur Deflation kürzlich...

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