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13.03.2013

19:47 Uhr

Start auf dem deutschen Markt

Größeres Kindle Fire gibt's zum Kampfpreis

Der Online-Händler Amazon macht den nächsten Schritt auf dem deutschen Tablet-Markt: Ab sofort ist hierzulande auch das größere Modell des Kindle Fire HD verfügbar – und wieder zu einem Kampfpreis.

Kindler Fire mit 8,9 Zoll: Tablet zum Selbstkostenpreis. Reuters

Kindler Fire mit 8,9 Zoll: Tablet zum Selbstkostenpreis.

BerlinDer Online-Händler Amazon bringt auch die größere Version seines Tablet-Computers Kindle Fire HD nach Deutschland. Das Gerät mit einem 8,9-Zoll-Bildschirm (22,6 cm) sei ab sofort online sowie bei Handelspartnern wie Media-Markt, Saturn oder Expert verfügbar, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit.

Mit 269 Euro ist auch dieses Kindle Fire günstiger als die meisten anderen größeren Tablets. Es ist die erklärte Strategie von Amazon, die Geräte praktisch zum Selbstkostenpreis an die Kunden weiterzugeben und den Profit nachträglich mit dem Verkauf von Inhalten und Diensten zu machen. Das hält die Gewinne schmal, zumal der weltgrößte Online-Einzelhändler auch kräftig in den Ausbau der Infrastruktur und des Dienste-Angebots investiert.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Bei den Kindle-Tablets steht entsprechend die Nutzung von Amazon-Angeboten im Vordergrund. Neben den E-Books ist das in Deutschland vor allem das Video-Angebot Lovefilm. Sonst hat der Kindle Fire aber auch alle anderen üblichen Tablet-Funktionen.

Als sein erstes Tablet-Modell hatte Amazon im vergangenen Herbst die kleinere Variante des Kindle Fire HD mit 7-Zoll-Bildschirm in Deutschland gestartet - rund ein Jahr nach den USA kam hierzulande gleich die zweite Generation des Geräts auf den Markt. Absatzzahlen nennt Amazon traditionell nicht. Es heißt lediglich, die Fire-Tablets seien das bestverkaufte Produkt bei Amazon.

Das größere Kindle Fire HD habe jetzt noch einige Verbesserungen bekommen, unter anderem bei der Kamera, sagte Deutschlandchef Ralf Kleber zum Marktstart der dpa. Während Marktforscher durch die Ausbreitung der Tablets ein schwächeres Geschäft mit E-Book-Readern erwarten, will Amazon weiterhin beide Geräteklassen anbieten. „Wir glauben nicht, dass sich Tablets und E-Reader im Weg stehen“, betonte Kleber. Es gehe um verschiedene Geräte für unterschiedliche Nutzungs-Szenarien.

Amazon habe inzwischen 140.000 deutsche Buchtitel im Angebot. In der im Herbst auch in Deutschland gestarteten Kindle-Leihbücherei gebe es inzwischen 12 000 Bücher auf Deutsch und insgesamt 300.000 Titel.

Von

dpa

Kommentare (1)

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bfr

18.03.2013, 09:48 Uhr

Lesen Sie dazu auch die Ergebnisse der aktuellen MS&C Analyse zu Kindle Fire: Kindle Fire beschleunigt das Umsatzwachstum von Amazon. Besonders der stationäre Handel wird das spüren. http://goo.gl/eJU6W
Bianca Frömer
Mücke, Sturm & Company

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