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02.09.2014

14:33 Uhr

Start-Up

Luxus-Babytaschen für China

VonBastian Benrath

Eine Wickeltasche aus Deutschland für mehr als 200 Euro – zwei Düsseldorferinnen glauben, dass reiche Chinesen nur darauf gewartet haben und wagen mit ihrem Unternehmen den Sprung ins Reich der Mitte.

Therese Grabowski (links) mit Beraterin Jingwen Kuhn im heimischen Garten: Wickeltaschen für den chinesischen Markt. Bastian Benrath

Therese Grabowski (links) mit Beraterin Jingwen Kuhn im heimischen Garten: Wickeltaschen für den chinesischen Markt.

DüsseldorfDüsseldorf-Gerresheim ist ein Randbezirk mit ruhigen Straßen und ordentlichen Gärten. Gerade Hecken säumen die Grundstücksgrenzen. Genau von dort, wo Gästen der Kaffee mit aufgeschäumter Milch serviert wird, schicken sich zwei Frauen an, China zu erobern – mit Wickeltaschen.

Therese Grabowski ist eigentlich Juristin. Mehrere Jahre arbeitete sie halbtags in einer Anwaltskanzlei, dann zog sie mit ihrer Familie von Hessen nach Düsseldorf. Mit dem Ortswechsel ergriff sie die Gelegenheit, „mal was ganz Neues zu machen“, wie sie sagt. Vor drei Jahren sparte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann 200.000 Euro Startkapital zusammen, entwarf eine Serie von Wickeltaschen, zog ihren eigenen Onlineshop auf. Das Label „Therese Accessoires“ war geboren, ein großes türkisfarbenes Herz mit einer Schleife drumherum. „Wahrscheinlich hängt es vom Lebensmodell ab“, sagt die 51-Jährige. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, nur noch darauf zu warten, dass die Kinder aus dem Haus sind.“

Design mit Stoffen habe ihr schon immer Spaß gemacht, auch wenn sie es nie professionell gelernt habe, erzählt Grabowski. Ihre eigenen Kinder seien es gewesen, die sie dazu animiert hätten, Baby-Accessoires herzustellen. Denn Therese Accessoires stellt nicht nur Taschen her, sondern auch Wickelauflagen, Flaschenwärmer und  Strampelanzüge.

Warum Start-ups scheitern

Am Kunden vorbei geplant

Es klingt banal, aber: Manche Unternehmensgründer überprüfen nicht, ob ihre Idee tatsächlich so gut bei den Kunden ankommt, wie sie erwarten.

Den Markt nicht im Blick

Viele Ideen klingen toll – bis man feststellt, dass jemand anders auch schon darauf gekommen ist. Gründer sollten daher eine Marktanalyse vornehmen.

Kosten nicht im Griff

Viele Start-ups sind zu optimistisch. Die Kosten geraten schnell höher als erhofft, gerade wenn es kein Controlling gibt.

Zu viel Optimismus

Etliche Gründer gehen mit großen Ambitionen an ihr Projekt – um festzustellen, dass die Hoffnungen unrealistisch waren und die Einnahmen nicht so fließen wie erwartet.

Keine Ahnung von BWL

So mancher Gründer kennt sich mit Technologie aus, aber nicht mit den Abläufen im Betrieb. Ohne BWL-Kenntnisse, etwa in Sachen Buchführung, scheitern viele Firmen jedoch.

Faktor Familie

Eine Unternehmensgründung bedeutet eine hohe Belastung. Wenn die Familie diese nicht mitträgt, ist das für die Firma ebenso riskant wie für die Harmonie im Privaten.

Seit 2011 läuft das Geschäft jetzt, rund 1500 Taschen verkauft Grabowski im Jahr. 20.000 Euro jährlich setzt sie um, rund ein Fünftel davon bleiben ihr als Jahresgewinn. „Jetzt muss es dann mal laufen“, sagt sie. Deshalb steht Grabowskis kleiner Firma nun eine große Veränderung bevor: Es geht nach China. Klappt das Geschäft, so schätzt sie, würde es ihren Umsatz verfünffachen.

Als Grabowski im vergangenen Herbst auf einer Messe in Düsseldorf zu Gast war, sprachen zwei Damen des Messebetreibers sie an. Die Messe Düsseldorf organisiere gerade einen „Deutschen Pavillion“ in Peking, so ihre Botschaft, dafür seien sie auf der Suche nach neuen deutschen Labels. Ob sie nicht Interesse daran habe, ihre Produkte in Peking auszustellen. Unter dem Etikett „Deutscher Pavillion“ organisieren die Deutsche Außenhandelskammer und andere Wirtschaftsverbände Schaufenstermessen für deutsche Unternehmen weltweit.

Ende März 2014 stellte Therese Grabowski ihre Accessoires dann in Peking vor und führte erste Gespräche mit chinesischen Händlern. Die Resonanz war sehr positiv, doch viele neue Fragen tauchten auf. Vertrieb über verschiedene Händler oder Generalvertretung? Unabhängiges Label oder Exklusivvertrag mit einem großen Partner? „Die Chinesen erwarten, dass man alles schon ganz fertig geplant hat“, sagt Grabowski.

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