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07.09.2012

19:32 Uhr

Starttermin verschoben

Hauptstadtflughafen kostet 1,2 Milliarden Euro mehr

Noch einmal muss die Eröffnung des Hauptstadtflughafens vertagt werden. Als nun schon vierter Termin ist der Oktober 2013 geplant. Das Kontrollgremium beschloss zugleich ein neues Finanzierungskonzept.

Das Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg: Der Hauptstadtflughafen wird frühestens im Oktober 2013 in Betrieb gehen. dpa

Das Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg: Der Hauptstadtflughafen wird frühestens im Oktober 2013 in Betrieb gehen.

BerlinDer neue Hauptstadtflughafen lässt noch länger auf sich warten. Als neuen Eröffnungstermin hat der Flughafen-Aufsichtsrat den 27. Oktober 2013 festgelegt. Das ist gut sieben Monate nach dem zuletzt genannten Datum 17. März. Es ist bereits die dritte Verschiebung. Der Oktober-Termin sei das Ergebnis einer kompletten Neuplanung der Schlussphase des Projekts, sagte der neue Technikchef Horst Amann nach der Aufsichtsratssitzung. Flughafenchef Rainer Schwarz bleibt im Amt. Der Aufsichtsrat habe nach der Trennung von Amanns Vorgänger Manfred Körtgen keinen Anlass zu weiteren personellen Konsequenzen gesehen, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

Das Kontrollgremium beschloss zugleich ein neues Finanzierungskonzept. Die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund als Gesellschafter teilen sich die errechneten Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro. Dabei müssen noch besprochen werden, ob das Geld als Darlehen oder Eigenkapital gegeben werde, sagte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba. Die EU prüfe die Finanzspritze in einem Beihilfeverfahren. Man müsse die einzelnen Schritte deshalb genau abstimmen. Die ursprünglichen Kosten für den neuen Flughafen lagen bei 2,4 Milliarden Euro. Nun sind es 4,3 Milliarden Euro.

Zahlen und Fakten zum Hauptstadtflughafen BER

Gesamtkosten

voraussichtlich 4,3 Milliarden Euro (2012)

Gesamtmehrbelastung

1,2 Milliarden Euro

Verschiebungsbedingte Baumehrkosten

67 Millionen Euro

Bisherige Baumehrkosten

276 Millionen Euro

Mindereinnahmen durch Verschiebung der Eröffnung

230 Millionen Euro

Risikovorsorge

322 Millionen Euro

Lärmschutz

305 Millionen Euro

Startkapazität des neuen Flughafens

27 Millionen Passagiere

Fläche

1.470 Hektar (etwa 2.000 Fußballfelder)

Finanzierung

Bislang sind 3,36 Milliarden Euro gesichert, davon rund 2,4 Milliarden Euro aus Krediten, 430 Millionen Euro vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg, 531 Millionen Euro aus Eigenmitteln der Betreiber.

Nach der von Amann vorgelegten Neuplanung sollen die Bauarbeiten bis Ende Mai beendet sein. Danach beginnt einer fünfmonatige Probephase, in der alle Abläufe im Abfertigungsgebäude getestet werden. „Am 27. Oktober geht der BER ans Netz“, versicherte Amann. Bis dann bleiben die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld in Betrieb.

Der Verband der Luftverkehrswirtschaft (BDL) begrüßte die Entscheidung, dem Technikchef Amann genügend Zeit zu geben. Nun endlich könnten die Beteiligten verlässlich planen, sagte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch. „Der neue Hauptstadtflughafen ist und bleibt ein entscheidendes Zukunftsprojekt für Berlin, die Region und Deutschland insgesamt.“

Die Starttermine für den Flughafen BER

30. Oktober 2011

Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

3. Juni 2012

Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

17. März 2013

Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

27. Oktober 2013

Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.

Frühestens 2014

Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.

Der technische Leiter, der den ursprünglichen Planungschef Manfred Körtgen ersetzte und bereits den Ausbau am Frankfurter Flughafen koordinierte, beschrieb chaotische Zustände - sowohl beim Zusammenspiel mit den Genehmigungsbehörden als auch bei der Bauplanung und der Überwachung der Arbeiten. Beim Versuch, den ursprünglichen Termin vom 3. Juni 2012 zu halten, sei "der Blick auf Qualität und Kosten etwas in den Hintergrund geraten". Es habe eine "valide, abgestimmte und übergreifende Planung" gefehlt.

Grund für die nochmalige Verschiebung ist die mangelhafte Brandschutzanlage des Terminals. Bei seiner Analyse stieß Amann auf eine Fülle von Schwachstellen. So seien die Ausführungspläne des im Mai gekündigten Generalplaners lücken- und fehlerhaft gewesen. Die Beschleunigung der Abläufe vor dem Eröffnungstermin 3. Juni habe zu unsachgemäßen Arbeiten etwa an den Kabeltrassen geführt. Insgesamt habe die Flughafengesellschaft als Bauherr nicht ausreichend gesteuert.

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Auch politisch sorgt das Desaster um den Berliner Großflughafen für Wirbel. Immer wieder werden Forderungen nach personellen Konsequenzen laut. Aufsichtsratchef des Flughafens ist der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit. Die Länder Brandenburg und Berlin sind mit jeweils 37 Prozent, der Bund mit 26 Prozent an der Flughafengesellschaft beteiligt.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

07.09.2012, 20:32 Uhr

Macht nichts. Es wird sich dafür schon wieder einer Steuer - CD finden...

bobi

07.09.2012, 20:58 Uhr

Irgendwie vermisse ich die Berlin 21 Proteste.

Account gelöscht!

07.09.2012, 22:37 Uhr

Verkauft doch den Schrott gleich an Goldman Sachs

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