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21.10.2015

17:32 Uhr

„Staubsauger-Affäre“

Dyson verklagt Bosch

VonYvonne Esterházy
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Der britische Staubsaugerhersteller Dyson wirft seinem deutschen Rivalen die Manipulation von Energieeffizienz-Werten vor. Bahnt sich nach VW der nächste Skandal an?

Bosch war bereits im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal in die Schlagzeilen geraten. dpa

Dyson vs. Bosch

Bosch war bereits im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal in die Schlagzeilen geraten.

Der britische Erfinder und Staubsaugerhersteller Sir James Dyson wirft Bosch die Manipulation von Energie-Effizienzwerten bei seinen Staubsaugern vor und geht deshalb juristisch gegen den deutschen Konkurrenten vor. Dyson verklage Bosch in Deutschland, Belgien und den Niederlanden teilte das britische Unternehmen mit.

Bosch war bereits im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal in die Schlagzeilen geraten. Das Unternehmen liefert Teile des Abgassystems für Dieselfahrzeuge von Volkswagen. Sir James, der durch die Erfindung der beutellosen Staubsauger weltberühmt wurde, behauptet, Bosch habe bei einigen seiner Staubsaugermodellen – genannt wird das Modell GL80, das in einigen Ländern auch unter der Marke Siemens vertrieben wird - einen elektronischen Mechanismus installiert, der den Anschein erweckt, als seien die Geräte energieeffizienter als es tatsächlich der Fall ist.

James Dyson und Dyson Ltd. auf einen Blick

Der Gründer: James Dyson

* 2. Mai1947. Schon als Kind ärgerte sich Dyson über den ineffizienten, aber umso fieser fiependen Staubsauger seiner Mutter. Er studiert Möbeldesign und Innenarchitektur am Royal College of Art. End der 70er Jahre entwirft er die ersten Skizzen für einen beutellosen Staubsauger. Sein Modell "G force" wird 1990 von einer japanischen Firma lizenziert. Mit den Lizenzeinahmen gründet Dyson seine eigene Firma in Malmesbury, 40 Autominuten nordöstlich von Bristol, und bringt verbesserte Nachfolgemodelle selbst auf den Markt.

Vom Ingenieur zum Ritter

2007 erhebt Queen Elizabeth II James Dyson in den Rang eines Knight Bachelor. Dyson wird damit für seine Verdienste als einer der größten britischen Erfinder geehrt. Das Unternehmen engagiert sich mit der James Dyson Stiftung für den akademischen Nachwuchs und fördert Studenten und Lehrer durch Stipendien, Ausbildungsprogramme und Unterrichtsmaterial

Die größten Erfindungen

Die Erfindung des beutellosen Staubsaugers machte Dyson berühmt. Es folgten Ventilatoren ohne Rotorblätter und Handtrockner mit Luftdüsen, die das Wasser vom Handrücken abstreifen, statt sie mit heißer Luft zu trocknen.
Zu seinen ersten Erfindungen zählte in den 70er Jahren eine Schubkarre mit Ball statt eines Rades (ballbarrow) sowie das wheelboat, ein Fahrzeug, das an Land und auf dem Wasser fahren konnte.
Seine Waschmaschine mit zwei gegenläufigen rotierenden Trommeln funktionierte zwar, war aber zu teuer. Das Gerät floppte am Markt, die Produktion wurde eingestellt.

Schräges Hobby

2002 arbeitete Dyson mit seinem Kollegen Derek Philipps an der dreidimensionalen Umsetzung von Werken des niederländischen Künstlers M.C. Escher, der optische Täuschungen wie aufwärtslaufendes Wasser zu Papier brachte. Die beiden kreierten eine Installation aus Plexiglas und Wasserpumpen.

Die Dyson Ltd.

Dyson verkauft seine Produkte in 65 Länder weltweit. Von den 4500 Mitarbeitern sind über 1000 Ingenieure. Stammsitz ist Malmesbury in England, dort befindet sich das Forschungs- und Entwicklungszentrum. Produziert werden die Geräte seit 2002 in Malaysia.

Umsatz und Gewinn

Das Unternehmen weist offiziell keinen Zahlen aus. 2013 soll es rund zwei Milliarden britische Pfund umgesetzt und 600 Millionen Pfund Gewinn gemacht haben. Ein Drittel des operativen Gewinns wird jährlich in Forschung und Entwicklung investiert.

Dyson in Deutschland

In Deutschland liegt Dyson im Staubsaugersegment mit einem Umsatz von rund 75 Millionen Euro und einem Marktanteil von 18,4 Prozent vor dem Konkurrenten Miele auf Platz eins.

Auf diese Weise erzielten sie ein besseres EU-Prüfsiegel als eigentlich gerechtfertigt wäre und die Verbraucher würden hinters Licht geführt. „Bosch machte sich EU-Regelungen zunutze, die es erlaubten, dass eine Maschine getestet wird, wenn der Beutel leer ist“, so Dyson. Demnach wurden die guten Testergebnisse der betroffenen Bosch-Staubsauger unter Laborbedingungen mit leeren Staubsauberbeuteln erzielt. In der Praxis würde der Energieverbrauch der Geräte jedoch von 750 Watt auf 1600 Watt steigen, wenn Sensoren meldeten, dass der Beutel voller sei. Auf diese Weise solle weiterhin eine gute Saugleistung gewährleistet werden.

Sollte das stimmen, wäre es fraglich, ob die Staubsauger in der Realität im Hinblick auf ihre Energieeffizienz wirklich die Bestnote AAAA verdienten. „Verbraucher, die Staubsauger aufgrund dieser Bewertung kaufen, werden hereingelegt“, so Dyson. Der Brite meint, in der Praxis sei eher eine Note „E“ oder „F“ gerechtfertigt.

Boschs Verhalten ähnle den Manipulationen im VW-Skandal. „In der Wirtschaft scheint es weitverbreitet zu sein, dass Hersteller Methoden entwickeln, die es ihnen erlauben, Tests zu bestehen, statt zu versuchen bessere Technologien zu erfinden, die wirklich effizienter sind. Ein derartiges Verhalten bewirkt, dass die Konsumenten in die Irre geleitet werden.“

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Bosch allerdings behauptet, es verstehe die Dyson-Vorwürfe nicht und weist sie kategorisch zurück. Denkbar, dass sich das Unternehmen ganz legal Schlupflöcher in den EU-Bestimmungen zunutze machte. Dennoch erinnert der Fall an den VW-Abgasskandal, wo die Testergebnisse im Labor deutlich besser ausfielen als in der Realität.

Die Rivalität von Dyson und Bosch ist nicht neu: 2012 verklagte Firmengründer Dyson den deutschen Konzern bereits, weil dieser angeblich einen Dyson-Mitarbeiter bestochen haben soll, um in Großbritannien Industriespionage zu betreiben. Sir James Dyson ist ein schillernder britischer Vorzeigeunternehmer, der in seiner Heimat Kultstatus genießt, weil der zu den wenigen prominenten Ingenieuren gehört, die innovativ und erfolgreich sind. Seine größte Erfindung waren die beutellosen Staubsauger. 2006 wurde der Multimillionär von Königin Elisabeth in den Adelsstand erhoben.

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