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26.03.2011

16:02 Uhr

Steiff-Biografie

Ein Teddy als Geschäftsidee

VonPetra Schäfer

Eine neue Biografie beschreibt den Weg von Margarete Steiff zur erfolgreichen Unternehmerin. Wie eine Frau im 19. Jahrhundert Karriere machte, trotz Männergesellschaft und Körperbehinderung.

Aus der Idee von Margarete Steiff wurde ein weltbekanntes Stofftier-Imperium. Quelle: ap

Aus der Idee von Margarete Steiff wurde ein weltbekanntes Stofftier-Imperium.

DüsseldorfWas macht man, wenn man 1847 am Rand der schwäbischen Ostalb geboren wird, als Kleinkind an unheilbarer Kinderlähmung erkrankt und schließlich als Krüppel, auf den Rollstuhl angewiesen, groß wird? Noch dazu als Mädchen, dessen Aufgaben sich damals auf Hausarbeit und Heiraten beschränken? Man resigniert, vereinsamt und verarmt - oder man bricht alle Konventionen und legt schließlich den Grundstein für ein Erfolgsunternehmen.

Gabriele Katz beschreibt diese Ausnahmegeschichte der Margarete Steiff, der Schöpferin der weltbekannten Bären und anderer Plüsch-Tiere. Die Tochter eines Bauunternehmers und einer ultra-konservativen, strenggläubigen Mutter schafft Ende des 19. Jahrhunderts in Giengen an der Brenz, was sich selbst Frauen ohne Behinderung nie getraut hätten: Sie legt mit einer Näherei den Grundstein für eine Weltmarke.

Stofftiere für Kinder mit der Marke "Steiff Knopf im Ohr" erobern noch zu Margarete Steiffs Lebzeiten Europa und die USA. Der braune "Teddy" mit der roten Schleife, benannt nach dem amerikanischen Präsidenten Theodore "Teddy" Roosevelt, wird fortan zum Wahrzeichen der ersten, globalen Konsumgesellschaft. Zwar ist die 327 Seiten starke Biografie nicht das erste Werk über die verschlossene Gründerin der Steiff-Gruppe. Bereits zwei Biografien und ein Fernsehfilm mit Heike Makatsch als Margarete haben in den vergangenen zehn Jahren der Motivation der Unternehmerin nachgespürt.

Doch die Historikerin Gabriele Katz, die auch schon den Weg der Puppenherstellerin Käthe Kruse nachgezeichnet hat, versucht in zwölf Kapiteln, die den Lebensabschnitten entsprechen, erstmals alle Facetten der Powerfrau darzustellen. Natürlich blieben bei der Recherche Schwierigkeiten nicht aus: "Wie nähert man sich einer Frau an, die in einem sozialen Milieu aufwuchs, in dem man möglichst nicht über sich sprach?" schreibt Katz.

Die Autorin greift auf das Tagebuch über die Jugendjahre der Margarete zurück, aber auch auf die unzähligen Briefe an Verwandte und Freunde, Prospekte, Bauanträge und Bilanzen. Nicht zuletzt liefert Katz den zeitgeschichtlichen Rahmen, um das Außergewöhnliche dieser Frau überhaupt begreifen zu können: Zahlreiche Details zu zeitgenössischen Erziehungsmethoden, Frauenrechten sowie den raren Beispielen weiblichen Unternehmertums wie der Firmen-Erbin Bertha Krupp geben dem Leser Orientierung.

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