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15.06.2016

18:53 Uhr

Steinhoff

Poco-Mutter nimmt britische Billigkette ins Visier

Zuletzt war Steinhoff zweimal mit Übernahmeplänen gescheitert. Nun wagt der Möbelkonzern einen neuen Anlauf auf dem britischen Markt. Mit dem Management des Übernahmeziels hat aber offenbar noch keiner gesprochen..

Hierzulande ist Steinhoff vor allem für seine „Poco“-Märkte bekannt. PR

POCO-Einrichtungsmarkt

Hierzulande ist Steinhoff vor allem für seine „Poco“-Märkte bekannt.

Frankfurt/Johannesburg, Der Möbelkonzern Steinhoff nimmt einen neuen Anlauf auf dem britischen Markt. Das deutsch-südafrikanische Unternehmen hat die Billig-Ladenkette Poundland ins Visier genommen und erwägt eine Übernahmeofferte in bar, wie Steinhoff am Mittwoch mitteilte. Poundland, die in 900 Läden in Großbritannien, Irland und Spanien mehr als eine Milliarde Pfund umsetzt, ist an der Londoner Börse rund 530 Millionen Pfund (671 Millionen Euro) wert. Am Mittwoch schoss die Aktie zeitweise um mehr als sieben Prozent nach oben. Poundland verkauft in seinen britischen Läden alle Artikel für ein Pfund. Das Unternehmen kämpft mit sinkenden Gewinnen. Die Übernahme des Rivalen 99p im vergangenen Jahr brachte Poundland bislang kein Glück.

Mit dem Management des Übernahmeziels hat Steinhoff offenbar bisher nicht gesprochen. Die Ankündigung sei ohne Zustimmung von Poundland erfolgt, hieß es in einer Mitteilung. Allerdings hat Steinhoff nach eigenen Angaben bereits 22,8 Prozent an Poundland erworben. Der Finanzinvestor Warburg Pincus hatte Poundland vor gut zwei Jahren an die Börse gebracht. Seither hat die Aktie ein Drittel ihres Wertes verloren. Erst am Dienstag hatte der Investor seine verbliebene Beteiligung von 15 Prozent verkauft. Poundland rief die Anleger auf, zunächst stillzuhalten. Es sei ungewiss, ob es zu einer Übernahme komme. Steinhoff müsste eine formelle Offerte nach britischem Recht spätestens am 13. Juli vorlegen.

Zuletzt war Steinhoff zweimal mit Übernahmeplänen in Europa gescheitert. Beim drittgrößten europäischen Elektronik-Händler Darty war der Möbelriese ("Poco", "Conforama", "Leiner", "Kika") nach einem wochenlangen Bietergefecht von der französischen Groupe Fnac ausgestochen worden. Von dem britischen Katalog-Möbelhändler Home Retail ("Argos") ließ Steinhoff nach einer Prüfung der Bücher die Finger und ließ der britischen Supermarktkette Sainsbury den Vortritt.

Steinhoff-Verwaltungsratschef Christo Wiese, ein Milliardär aus Südafrika, stellte sich hinter die Übernahmepläne. Poundland passe gut zu Steinhoff. Der Konzern werde aber Disziplin walten lassen und könne sich auch wieder zurückziehen, wenn seine Bedingungen nicht erfüllt würden. Die jüngsten Niederlagen sieht er nicht als Problem: "Wir müssen nicht jedes Rennen gewinnen." Wiese ist auch der größte Aktionär von Steinhoff.

Der 20-Milliarden-Euro-Konzern, im Möbelhandel weltweit die Nummer zwei hinter Ikea, pirscht sich seit Jahren - zunächst in Südafrika, aber inzwischen auch in Europa - auch in verwandte Geschäftsfelder wie Haushaltswaren und Bekleidung vor. Analysten stellten die Strategie von Übernahmen außerhalb des angestammten Geschäfts mit Möbeln in Frage. Poundland passe nur insofern, als sich der Händler - wie Steinhoff auch - im Niedrigpreis-Segment tummele, sagte Sasha Naryshkine von Vestact in Johannesburg. Auch Richard Chamberlain von RBC Europa ist skeptisch: Steinhoff sei zwar gut darin, Firmen zu integrieren und sie profitabler zu machen, doch Poundland sei ein riskanterer Schritt als gewöhnlich, weil es in Großbritannien viele Billigketten gebe.

Von

rtr

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