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29.08.2013

20:45 Uhr

Stellwerkchaos

Bahnchef kündigt Entschädigungen für Kunden an

Der Personalmangel im Mainzer Stellwerk traf viele Zugreisende hart. Ein Sonderfahrplan konnte die fehlenden Fahrdienstleiter kaum ersetzen. Bahnchef Grube will sich bei Betroffenen nun finanziell entschuldigen.

Reisende an einem Bahnsteig am Mainzer Hauptbahnhof: Entschädigungen für die Betroffenen. dpa

Reisende an einem Bahnsteig am Mainzer Hauptbahnhof: Entschädigungen für die Betroffenen.

FrankfurtNach dem Stellwerkchaos von Mainz hat Bahnchef Rüdiger Grube Entschädigungen für Fahrgäste angekündigt. „Wir wollen uns auch in finanzieller Form bei unseren Kunden für die Unannehmlichkeiten entschuldigen“, sagte Grube am Donnerstag in Frankfurt. Details könne er noch nicht nennen. Über die Einzelheiten sei man noch in Verhandlungen mit den regionalen Verkehrsverbünden. Damit blieb unklar, ob möglicherweise auch Gäste des Fernverkehrs in den Genuss der „kleinen Wiedergutmachung“ (Grube) kommen sollen.

Seit Anfang August waren am Mainzer Hauptbahnhof zahlreiche Züge ausgefallen, weil nicht genügend Fahrdienstleiter im Stellwerk zur Verfügung standen. Von diesem Freitagabend an soll wieder der normale Fahrplan gelten.

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Er habe sich „tierisch“ über die Pannen geärgert, zumal er vorher vor Engpässen gewarnt habe, sagte Grube bei einer Fachtagung in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. Verantwortliche im mittleren Management hätten die Hilferufe der Fahrdienstleiter nicht ernst genommen, so dass zum Höhepunkt der Krise 9 von 18 Fahrdienstleitern nicht zur Verfügung standen. Bei den Leuten habe sich aus verschiedenen Gründen Frust aufgebaut, in dessen Folge auch der Krankenstand angestiegen sei. Die Beschäftigten treffe aber keine Schuld. Personelle Konsequenzen habe man vor allem an der Spitze der DB Netz AG gezogen.

Von

dpa

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