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17.05.2013

15:48 Uhr

Stewardess klagt Billigflieger an

Arbeiten für Ryanair ein „kompletter Albtraum“

VonTobias Döring

Eine ehemalige Stewardess wirft Ryanair vor, im Arbeitsvertrag eine Beschäftigungspause von drei Monaten vorgesehen zu haben – unbezahlt. Die Airline weist das zurück. Der Fall beschäftigt bereits die britische Politik.

Ryanair-Maschinen in Girona: „Schlicht und einfach Ausbeutung“. dpa

Ryanair-Maschinen in Girona: „Schlicht und einfach Ausbeutung“.

DüsseldorfDie Billigfluggesellschaft Ryanair sieht sich erneut massiver Kritik an ihren Arbeitsbedingungen ausgesetzt. In der Vergangenheit stand die irische Airline vor allem wegen ihres offenbar rüden Umgangs mit Piloten im Fokus. Jetzt greift eine ehemalige Mitarbeiterin der Kabinenbesatzung Ryanair an.

Die Britin Sophie Growcoot wirft dem Billigflieger vor, dass in ihrem Arbeitsvertrag beim Ryanair-Dienstleister Crewlink eine dreimonatige Zwangspause in den Wintermonaten vorgesehen war. Die Pause sollte unbezahlt bleiben: In den drei Monaten hätte sie kein Gehalt bekommen. Zudem sei es ihr laut dem Anstellungsvertrag in der Zeit nicht erlaubt gewesen, einen anderen Job anzunehmen und anderweitig Geld zu verdienen.

Ryanair wehrt sich gegen die Vorwürfe. Growcoot sei nicht Mitarbeiterin des Unternehmens, sondern des Personaldienstleisters Crewlink gewesen und habe das Arbeitsverhältnis zudem nach nur zwei Monaten offenbar wieder aufgelöst.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Die Vorwürfe der Stewardess aus Liverpool beschäftigen aber inzwischen sogar die britische Politik, berichtet die Zeitung „The Independent“. Growcoot legte demnach den Vertrag ihrer zuständigen Parlamentsabgeordneten vor. Die Labour-Politikerin Luciana Berger brachte den Fall im britischen Unterhaus zur Sprache. „Das ist schlicht und einfach Ausbeutung durch Ryanair“, zitiert die Zeitung Berger. Es sei ungeheuerlich, dass eine Airline, die im vergangenen Jahr Rekordgewinne gemacht habe, ihre Mitarbeiter nicht für das ganze Jahr bezahle, sagte die Parlamentarierin.

Die Liverpooler Abgeordnete warf Ryanair-Chef Michael O’Leary vor, Profite auf dem Rücken der schlecht behandelten Belegschaft zu machen. Weitere Inhalte des Arbeitsvertrags, der dem „Independent“ vorliegt, sollen ebenfalls Anlass zur Kritik geben. So soll Growcoot in dem Papier vorgeschrieben worden sein, für 360 Pfund ihre Ryanair-Kabinenkleidung selbst zu bezahlen und 1800 Pfund für eine verpflichtende Sicherheitsschulung aufzubringen.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

17.05.2013, 16:58 Uhr

Das ist im deutschen Gastronomiebereich ähnlich, was soll die Aufregung?
Auf Sylt, nur um ein einziges Beispiel zu nennen, werden im Winter viele Hotel- und Restaurantmitarbeiter freigesetzt. Dann werden sie natürlich nicht von den Hoteliers bezahlt, obwohl die über den Sommer klotzig verdient haben, sondern von der Arbeitslosenversicherung, also von der Allgemeinheit, von jenen, die sich möglicherweise noch nicht mal einen Urlaub auf Sylt leisten könnten.
Die zentrale Frage im obigen Artikel wäre also: Bekommen Mitarbeiter in UK, wie z.B. die zitierte Stewardess, Arbeitslosengeld oder nicht? Man könnte die aufgeworfene Frage z.B. auf andere typische Sommer- resp. Winterberufe ausdehnen, Bauhilfsarbeiter, Sennerin, Tretbootverleiher, Schneeräumer, Gärtnergehilfe...
Fazit: HB-Artikel mit wenig Tiefgang.

Account gelöscht!

17.05.2013, 17:57 Uhr

[...]Bauhilfsarbeiter[...] Der kann nur "stempeln gehen", wenn er im Sommer ordentlich Gleitzeit aufgebaut und bei schlechtem Wetter wieder abgebaut hat.

Aber eigentlich sollte der Artikel auch beleuchten, wer jetzt Recht hat. Da kann was dran sein, es könnte aber auch sein dass sich eine enttäuschte Ex-Mitarbeiterin rächen will.

Ingo

17.05.2013, 20:41 Uhr

Wer es noch nicht kapiert hat: diese Geschäftsmodelle basieren auf Ausbeutung der Beschäftigten. Ihr denkt, dass geht mich nichts an? Irrtum: heute sind die Anderen dran, aber morgen schon bist Du an der Reihe!

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