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10.03.2011

09:47 Uhr

Stillstand im Personen- und Güterverkehr

Lokführer drohen mit Eskalation des Bahnstreiks

Die Lokführer erhöhen den Druck im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn und ihren Wettbewerbern. Im Güter- und Personenverkehr fielen durch den Streik Hunderte Züge aus. Die Rückkehr zur Normalität wird dauern.

Lokführer streiken - Züge stehen still

Video: Lokführer streiken - Züge stehen still

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Berlin/FrankfurtDer Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL hat damit gedroht, den Streik im Bahnverkehr weiter zu eskalieren. „Wer uns kennt, weiß, dass wir sehr weit gehen können. Aber das wollen wir eigentlich nicht, denn wir wollen Verhandlungen“, sagte Claus Weselsky am Donnerstag in Mannheim. Die Arbeitgeber müssten sich bewegen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. Andernfalls werde die Gewerkschaft weiter streiken; der Schwerpunkt werde dabei weiter im Güterverkehr liegen.

Das private Bahnunternehmen Veolia Verkehr hat jetzt angekündigt sich im Tarifstreit direkt mit den Lokführern zu einigen. „Es kommt keiner zu uns an den Verhandlungstisch. Wir wollen jetzt einen anderen Weg gehen, wir sprechen die Mitarbeiter direkt an“, sagte Veolia-Geschäftsführer Markus Resch am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Er glaube an ein vernünftiges Ergebnis und kündigte ein Angebot für die seit Mittwochabend streikenden Lokführer des Unternehmens an. „Dieser Kompromiss wird natürlich viele Bestandteile haben, auch einen finanziellen Teil.“

Nach Ansicht des Deutsche-Bahn-Personalvorstands Ulrich Weber scheiterten die Verhandlungen mit den privaten Bahnunternehmen bisher am Verhalten der GDL. Weber verlangte am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. von der Gewerkschaft, „dass sie sich auf Sache einlässt, dass sie an den Verhandlungstisch zurückkehrt.“

Weber kritisierte zudem die Informationspolitik der GDL zu den Streiks. „Die Vorbereitungen leiden darunter, dass die GDL uns immer recht spät über ihre Absichten informiert.“ Das mache es besonders schwer, auf die Beeinträchtigungen zu reagieren. „Wir sind enttäuscht darüber, dass entgegen der Ankündigungen der GDL, sie die Pendler wieder schwer getroffen hat.“ Ein Flächentarifvertrag könne nicht „per Streik, per Diktat“ durchgesetzt werden.

Am Donnerstagmorgen steht der Bahnverkehr zum überwiegenden Teil still. Den Arbeitsniederlegungen im Güterbereich folgten umfassende Streiks im Personenverkehr. Die auf sechs Stunden angelegten Ausstände erstrecken sich über ganz Deutschland. Vor allem in den Metropolen fahren nur wenige Züge, mehrere hundert fielen am Morgen schon aus.

Der Streik bundesweit für massive Beeinträchtigungen im gesamten Zugverkehr gesorgt. „Wir haben im Güterverkehr teilweise 90 Prozent zum Stehen gebracht, im Personenverkehr über 80 Prozent. Die Wirkung ist enorm“, sagte der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, am Morgen in Mannheim. Er könne den Ärger von Reisenden verstehen, erlebe aber auch Verständnis. „Die GDL wird nun eine Pause machen, damit sich die Arbeitgeber besinnen können.“

Kommentare (5)

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Thomas-Melber-Stuttgart

10.03.2011, 08:56 Uhr

Und weshalb wird die DB bestreikt? Dort gelten doch schon die Tarifbedingungen, diese brauchen / können daher auch nicht mehr durchgesetzt werden. Daß die DB bstreikt wird ist somit m.E. rechtsmißbräuchlich.

Account gelöscht!

10.03.2011, 09:03 Uhr

genau die Frage stell ich mir auch. Und die Aussage des stellv. Leiters der Gewerkschaft, ich glaube vor dem Stgtt Bahnhof war´s, dass sie so ein unverschämtes Angebot bekommen haben, kann ich auch nicht nachvollziehen. Was soll dies mit der DB zu tun haben?

Vorallem seh ich den Sinn auch nicht ganz. Sie streiken für gleiche Löhne in unterschiedlichen Betrieben. Machen wir das jetzt ab sofort in jeder Branche so, dass wenn ein Unternehmen mehr zahlt, alle Unternehmen der Branche bestreikt werden, bis alle das vom Besten bekommen? Da regiert auch mehr der Neid wie alles andere.

Sorry, aber für diesen Streik habe ich null verständnis, zumindenst dann, wenn die DB bestreikt wird.

FoCS

10.03.2011, 09:52 Uhr

Die Lokführer machen einen Knochenjob und streiken zu recht. Man denke nur an die zahlreichen Bahnhöfe, die plötzlich wie aus dem Nichts auftauchen und an denen der Zug rechtzeitig zum Halten gebracht werden muss. Dazu kommen die vielen rätselhaften Lichtzeichen am Wegesrand, und an jeder Weiche muss der Lokführer die Richtung wissen, in jeder Kurve muss er den Zug mühsam auf den Schienen halten.

Ganz anders beim LKW- oder Bus-Fahrer. Der Fahrzeug findet von allein seinen Weg, auf hunderten von Kilometern passiert nichts, was den Fahrer irgendwie fordern könnte. Im Vergleich dazu ist der Lokführer gewaltig im Nachteil, 5% Lohnerhöhung ist eigentlich nichts, zumal in 2008 auch nur lächerliche 11% (statt der geforderten 30%) herausgesprungen sind. Nun streikt mal schön.

Und wenn Ihr fertig seid, sollen die Stellwerkbediensteten und Zugbegleiter ebensfall eigene Gewerkschaften gründen, damit sie ihre Interessen durchsetzen. Mit etwas Glück kommen wir auf 12 Monate Streik im Jahr.

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