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09.01.2007

17:35 Uhr

Strecken von Air Madrid übernommen

LTU wagt den Schritt nach Spanien

Die Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU nutzt den Bankrott des spanischen Billiganbieters Air Madrid und dehnt sich auf die iberische Halbinsel aus. Doch statt die Spanier im Ganzen zu übernehmen, beschränken sich die Deutschen auf die Filetstücke. Denn ein zu hohes Risiko können sie sich nicht leisten, sind sie doch selbst noch ein „Sanierungsfall“.

Die Probleme bei LTU selbst hat Besitzer Wöhrl noch nicht gelöst, da engagiert er sich in Spanien. Foto: dpa dpa

Die Probleme bei LTU selbst hat Besitzer Wöhrl noch nicht gelöst, da engagiert er sich in Spanien. Foto: dpa

HB MADRID. LTU will einen großen Teil der Routen von Air Madrid übernehmen. Wie das spanische Verkehrsministerium am Dienstag mitteilte, kam das deutsche Unternehmen mit den Madrider Behörden außerdem überein, 568 Mitarbeiter von Air Madrid einzustellen. Das sind immerhin 52 Prozent der Belegschaft. Innerhalb von sechs Monaten wollten die Düsseldorfer eine spanische Tochterfirma namens LTU España gründen, hieß es weiter aus dem Ministerium.

Der geschäftsführende Gesellschafter Jürgen Marbach sagte am Dienstag in Düsseldorf: „Derzeit führen wir zusammen mit spanischen Co-Investoren sowie den zuständigen spanischen Behörden intensive Gespräche über die Gründung eines neuen Unternehmens, das kurzfristig in die Lage versetzt werden könnte, die Südamerika-Strecken der Air Madrid zu übernehmen.“ Eine Übernahme des spanischen Billigfliegers, der am 15.Dezember den Flugbetrieb eingestellt hatte, durch die LTU komme dagegen nicht in Betracht, betonte der Manager.

Air Madrid hatte am 15. Dezember 2006 den Flugbetrieb eingestellt, nachdem die spanischen Behörden auf Grund einer Reihe von Unregelmäßigkeiten mit einem Entzug der Fluglizenz gedroht hatten. Wenige Stunden später machte das Ministerium seine Drohung wahr und entzog die Lizenz.

Die Billiglinie hatte sich auf Flüge zwischen Spanien und Lateinamerika spezialisiert. Ihre Kunden waren vor allem lateinamerikanische Gastarbeiter, die in Europa leben. LTU will nach den Angaben die Air-Madrid-Routen zwischen Spanien und Argentinien, Chile, Costa Rica, Ecuador, Panama sowie Peru übernehmen, nicht aber die Routen nach Brasilien und Kolumbien.

LTU selbst ist ein „Sanierungsfall“

Die LTU – 1955 als „Lufttansportunternehmen“ gegründet – hat 2 900 Mitarbeiter und fliegt vorrangig Ferienziele an. In jüngster Vergangenheit hat die LTU aber auch Strecken für Geschäftsreisende mit ins Programm aufgenommen, etwa von Düsseldorf nach München. Denn die Feriendomizile alleine rechneten sich nicht; die Gesellschaft schreibt seit Jahren Verluste. Die LTU hat 15 Kurz- und Mittelstrecken-Flugzeuge sowie 11 Langstrecken-Jets.

Bei der Düsseldorfer Gesellschaft hat seit Frühjahr der Nürnberger Kaufmann Hans Rudolf Wöhrl über seine Gesellschaft Intro als Mehrheitsgesellschafter das Sagen, nachdem er zuvor die Airline DBA an Air Berlin verkauft hatte. Weitere Anteile hält Geschäftsführer Jürgen Marbach. Bis zur Übernahme durch Wöhrl war der Handelskonzern Rewe tonangebend bei der LTU.

Nach Aussagen von Wöhrl ist die LTU noch ein Sanierungsfall. Ende Dezember hatte er prognostiziert, dass 2006 rund 25 Mill. Euro Verlust anfallen werden. 2007 soll aber operativ Gewinn erwirtschaftet werden. Der Umsatz der LTU lag 2005 bei rund 900 Mill. Euro.

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