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26.08.2014

20:26 Uhr

Streik abgewendet

Lufthansa und Cockpit wollen wieder reden

Kurz vor dem letzten Ferienwochenende mehrerer Bundesländer gibt es Entwarnung: Die Pilotengewerkschaft Cockpit und Lufthansa werden wohl nochmal miteinander reden. Doch damit ist nur die akute Streikgefahr gebannt.

Sie fliegen zunächst einmal wie gewohnt weiter: Lufthansa-Piloten in einer Airbus-Maschine in Hamburg. dpa

Sie fliegen zunächst einmal wie gewohnt weiter: Lufthansa-Piloten in einer Airbus-Maschine in Hamburg.

FrankfurtLufthansa-Passagiere können zumindest für die nächsten Tage aufatmen: Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kehrt im Konflikt um die Frühverrentung der Flugkapitäne an den Verhandlungstisch zurück. Die Streikankündigung halten die Piloten aber grundsätzlich aufrecht.

„Die VC erwartet für die am kommenden Donnerstag anberaumten Verhandlungen, dass das Lufthansa-Management seine Forderungen korrigiert und endlich auf einen ernsthaften und ehrlichen Lösungskurs einschwenkt“, erklärte die VC. Bis zu einer Einigung halte die VC die Planungen für Arbeitskampfmaßnahmen aufrecht.

Eine Lufthansa-Sprecherin bestätigte den Termin. „Am Donnerstag werden Gespräche aufgenommen, um über den weiteren Prozess zum Verhandlungsverlauf zu sprechen“, sagte sie. Die Lufthansa freue sich über die positive Reaktion von Cockpit und darüber, dass die akute Streikgefahr nicht mehr besteht. Dieser Interpretation widersprach Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg indes. „Wir wollen eine Einigung“, sagte Handwerg der dpa. Allerdings seien Streiks am Donnerstag nicht ausgeschlossen, wenn sie rechtzeitig vorher angekündigt würden.

Spartengewerkschaften

Spartengewerkschaften – die mit der großen Macht

Klein, aber schlagkräftig: Im Luftverkehr, aber auch bei der Bahn und bei Medizinern gibt es einflussreiche Spartengewerkschaften, deren Arbeitskämpfe häufig weitreichende Folgen für die Bürger haben. Einige Beispiele.

Vereinigung Cockpit

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

Gewerkschaft der Flugsicherung

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10.000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115.000 Mitglieder in Kliniken.

Parallel brodelt es auch bei der Bahn. In dem festgefahrenen Bahn-Tarifkonflikt geht es zum einen um Entgeltsteigerungen für Beschäftigte, zum anderen um die künftige Form der Zusammenarbeit der beiden Gewerkschaften GDL und EVG. Die GDL hat ihre Mitglieder für diesen Mittwoch zu einer Protestversammlung in Fulda aufgerufen.

Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens hatte die VC am Vortag zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert und ein Schreiben an die Pilotengewerkschaft geschickt. Über den Inhalt wurde weiterhin nichts bekannt.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein Streit um die Übergangsrente für die Lufthansa-Kapitäne. Cockpit hatte die Verhandlungen in der vergangenen Woche für gescheitert erklärt und einen Streik angekündigt, Details aber offengelassen. VC betonte, die Verhandlungen seien nicht von der Gewerkschaft abgebrochen worden, „sondern sind an der nicht erfolgten Abgabe eines konkreten, kompromissfähigen Angebots des Lufthansa Managements gescheitert“.

VC-Sprecher Jörg Handwerg sagte laut Mitteilung, es gehe nicht um eine Verbesserung der Bedingungen. Die VC habe sich verpflichtet, dass gegenüber dem bisherigen Vertrag Kostensenkungen für Lufthansa erzielt werden. „Hierzu bedarf es aber eines grundsätzlichen Willens seitens des Managements zu einem Kompromiss, statt eines Kahlschlages“.

Zudem wirft Cockpit der Lufthansa vor, immer weitere Themen auf die Tagesordnung bei den Verhandlungen zu setzen. Das Management scheine auf Zeit spielen zu wollen. Inzwischen stünden 15 Themen auf der Agenda. „So werden wir nicht fertig“, sagte ein VC-Sprecher.

Von

dpa

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