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29.06.2015

16:27 Uhr

Streik abgewendet?

Lufthansa und Flugbegleiter wollen wieder verhandeln

Kurz bevor das Ultimatum der Flugbegleiter abläuft, kommt Bewegung in den Tarifstreit bei der Lufthansa. Die Gewerkschaft Ufo und die Airline wollen wieder verhandeln. Ob der Streik abgewendet ist, ist noch unklar.

Kann der Streik der Flugbegleiter noch abgewendet werden? dpa

Lufthansa-Maschinen

Kann der Streik der Flugbegleiter noch abgewendet werden?

FrankfurtNur noch wenige Stunden trennen die Lufthansa von einer erneuten Streikserie. Nach den Piloten sind es jetzt die Flugbegleiter, die wegen geplanter Einschnitte bei ihren Betriebs- und Übergangsrenten mit einem Arbeitskampf drohen. Das Ultimatum der Kabinengewerkschaft Ufo läuft an diesem Dienstag um 9 Uhr aus. Eine harte Zeitgrenze, versichern beide Seiten.

Doch es kommt Bewegung in den Streit: Nach intensiven Sondierungen stehe Ufo einem Wiedereinstieg in die Tarifverhandlungen mit der Lufthansa grundsätzlich offen gegenüber, teilte die Gewerkschaft am Montag mit. „Ich bin vorsichtig optimistisch“, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies. Grundlage sei ein über das Wochenende mit Lufthansa-Experten erarbeiteter Fahrplan, erläuterte Baublies.

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Wenig später nahm die Lufthansa das Angebot über neue Tarifgespräche an. „Wir begrüßen den Schritt“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die Verhandlungen sollten unmittelbar beginnen. Ufo äußerte sich zunächst nicht dazu, ob eine Arbeitsniederlegung damit abgewendet ist. Zunächst müsse die Antwort der Lufthansa vorliegen und geprüft werden, sagte Baublies. Hinter den Kulissen liefen die Sondierungen über neue Verhandlungen am Montag auf Hochtouren, wobei sich auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr persönlich einschalten wollte.

Ufo hatte ursprünglich angekündigt, am 1. Juli und dann immer wieder mal bis zum 16. September zu streiken. Den genauen Umfang der Streiks ließ die Gewerkschaft aber absichtlich noch offen.

Das ist der Konflikt: Ufo kämpft um die Besitzstände von rund 19.000 Flugbegleitern bei der Kerngesellschaft Lufthansa. Ähnlich wie die Piloten, wenn auch auf einem deutlich niedrigeren Niveau, konnten sie sich bislang darauf verlassen, ihren Beruf auch vor Erreichen der gesetzlichen Rentengrenze aufgeben zu können und dafür von Lufthansa Übergangsrenten zu erhalten. Im Ruhestand ergänzten zudem Betriebsrenten die Einkünfte des fliegenden Personals.

Das will Lufthansa ändern: In der bisherigen Form sind die Lufthansa-Renten nicht mehr finanzierbar. Das liegt an dem in den vergangenen Jahren ständig gesunkenen Kapitalmarktzins, der es dem Konzern unmöglich macht, die 1994 zugrunde gelegten Renditen zu erwirtschaften. Um die Garantierenten darstellen zu können, muss Lufthansa in ihrer Bilanz milliardenschwere Rückstellungen bilden, die das Eigenkapital schrumpfen lassen.

Ende 2014 betrugen die Rückstellungen 14,6 Milliarden Euro, wobei ein gutes Viertel auf die Flugbegleiter entfällt. Die jährlichen Auszahlungen an die Betriebspensionäre drücken zudem den Gewinn. 2015 werden sie über 600 Millionen Euro betragen und rund acht Prozent des Personalaufwands verschlingen.

Kommentare (3)

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Herr Markus Gerle

29.06.2015, 10:48 Uhr

Diese komischen Gewerkschaften verlieren vielleicht das Vertrauen in die Führung der LH. Leider berücksichtigen sie nicht, dass die Kunden inzwischen das Vertrauen in die LH verloren haben. Da ich beruflich aufs Fliegen angewiesen bin, was ich schon häufig Streikopfer bei der LH. Besonders bitter was es beim letzten Streik von Ufo, wo man die Passagiere in Geiselhaft nahm. Damals kam ich mit der Quantas aus Singapur (LH war da schon zu unsicher) und wollte zum FMO umsteigen. Ich sagte der Dame beim Check-In, dass ich nicht böse wäre, wenn sie mir einfach ein Bahnticket gäben. Aber nein, man ließ mich knapp 4 Stunden warten, um meinen Flug 5 min vor Boarding zu annullieren. Ufo wollte damals möglichst viele Passagiere im Sicherheitsbereich für schöne Bilder in den Nachrichten haben.
Eine Freundin von mir fliegt morgen mit ihren Kindern nach Japan. Ich hatte ihr den Flug mit der LH empfohlen. Sie sagte mir aber schon vor Monaten, dass die LH wegen der vielen Streiks zu unsicher sei und wählte ANA. Tja, sie hatte mit ihrer Wahl wohl recht. Auf meinem letzten Projekt in Frankreich stiegen die meisten Kollegen auch auf Air France um. Da die LH immer mehr Kunden durch die vielen Streiks verliert, wird es wohl bald mal Zeit für betriebsbedingte Kündigungen. Das Mitleid gegenüber den Entlassenen wird sich in Grenzen halten.

Herr Falk Jahr

29.06.2015, 10:49 Uhr

für unsere diesjährige Urlaubsreise habe ich bereits den LHExit eingeleitet.

Die Gebaren unserer Luftfahrtmillionäre sind ja in etwa deckungsgleich mit dem Reformwillen Griechenlands… Wurde der Staatskranich in den 90ern nicht auch „gerettet“…

Herr Chris Thirst

29.06.2015, 11:04 Uhr

Ja das ist mitlerweile schon sehr krass. Letztens habe ich auch einen Flug nach Japan gebucht und die Lufthansa war 100€ billiger als der billigste Anbieter. Es hat richtig weh getan 100€ mehr zu bezahlen. Aber das war es mir wert, nicht ständig fürchten zu müssen, ob der Flug klappen wird oder nicht...Lufhansa würde ich vllt ab einen Abschlag von 400€ noch in Erwägung ziehen.

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