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19.09.2013

08:07 Uhr

Streik

Amazon-Mitarbeiter wollen eine Tarifbindung

Der Kampf um einen Tarifvertrag geht weiter. Amazon-Mitarbeiter streiken an den Standorten Bad Hersfeld und Leipzig. Ihre Forderung: Mehr Geld statt niedrige Bezahlung in der Logistikbranche.

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Arbeitsniederlegungen in deutschen Amazon-Standorten, wie hier im Mai in Bad Hersfeld. dpa

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Arbeitsniederlegungen in deutschen Amazon-Standorten, wie hier im Mai in Bad Hersfeld.

Bad HersfeldIm Kampf um einen Tarifvertrag beim Internetkonzern Amazon sind an den Standorten Bad Hersfeld und Leipzig am Donnerstag hunderte Mitarbeiter in den Streik getreten. An den beiden Verteilzentren in Bad Hersfeld versammelten sich während der Frühschicht insgesamt zwischen 300 und 400 Beschäftigte, wie eine Vertreterin der Gewerkschaft Verdi, Mechthild Middeke, sagte.

Verdi hatte die Amazon-Mitarbeiter zu einem dreitägigen Streik aufgerufen, um erneut Druck auf das Unternehmen auszuüben. Am Freitag ist eine gemeinsame Kundgebung der Streikenden aus Bad Hersfeld und Leipzig in Leipzig geplant.

"Amazon muss mit weiteren Streiks rechnen, und das wird besonders im Weihnachtsgeschäft weh tun", erklärte Jörg Lauenroth-Mago, der für die Tarifverhandlungen im Leipziger Verhandlungszentrum zuständig ist, im Vorfeld des mehrtägigen Streiks. Verdi werde es nicht zulassen, "dass die Nummer eins unter den Versandhändlern sich an üblichen Tarifstandards vorbeimogelt".

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Bad Hersfeld und Leipzig sind die ältesten Versandzentren von Amazon in Deutschland. Inzwischen gibt es sechs weitere Standorte. Bad Hersfeld ist mit 3300 Mitarbeitern der größte deutsche Amazon-Standort.

Verdi fordert von Amazon eine Bezahlung, die dem Branchentarifvertrag des Einzel- und Versandhandels entspricht. Das Amazon-Management lehnt eine solche Tarifbindung bisher ab. Das US-Unternehmen orientiert sich an der niedrigeren Bezahlung in der Logistikbranche. Verdi hatte in den vergangenen Monaten immer wieder zu Warnstreiks aufgerufen.

Von

afp

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