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20.10.2014

15:59 Uhr

Streik bei der Bahn

Fernbuslinien haben die GDL ganz doll lieb

Bei der Bahn ging am Wochenende nicht viel – bei der Konkurrenz um so mehr: Fernbuslinien und Mietwagenverleiher profitierten vom Lokführerstreik. Wer die Gewinner sind und wie groß der Schaden für den Konzern ausfällt.

Schlangen vor dem Fernbus: Die Bahn-Konkurrenz erlebte dank des Lokführerstreiks einen Kundenansturm. dpa

Schlangen vor dem Fernbus: Die Bahn-Konkurrenz erlebte dank des Lokführerstreiks einen Kundenansturm.

DüsseldorfDer Lokführer-Streik hat viele verärgert – und einige erfreut. Zum Beispiel den Autovermieter Sixt: Dem bescherte der lange Ausstand bei der Deutschen Bahn an diesem Wochenende zusätzliche Kundschaft. Das Unternehmen, bekannt für freche Werbung, bedankte sich mit einer nicht ganz ernst gemeinten Liebeserklärung an die Gewerkschaft GDL: „HDGDL, GDL!“, witzelte es in einer Werbung, die durchs Netz kursierte. In Langform heißt diese SMS-Abkürzung: Hab dich ganz doll lieb, GDL!

Diesen Spruch hätten viele Bahn-Alternativen übernehmen können. Fernbusse, Mitfahrzentralen und Fluglinien profitierten mindestens genauso von einer streikbedingten Sonderkonjunktur, sofern sie die große Nachfrage bedienen konnten. Dagegen entstand dem Staatskonzern ein Millionenschaden. Die Folgen des Ausstands könnten sich aber über das laufende Quartal hinaus bemerkbar machen: Mein Fernbus, Flixbus und ADAC Postbus hoffen, ihm Reisende dauerhaft abspenstig zu machen.

Wie sich der 60-stündige Streik in der Bilanz auswirkt, kann die Deutsche Bahn noch nicht genau sagen. Sie beziffert den wirtschaftlichen Schaden am Montag auf eine „zweistellige Millionenhöhe“. Exakte Zahlen würden noch ermittelt, erklärte der Konzern. Zum einen brachen die Einnahmen ein, weil in den wenigen Zügen auch viel weniger Fahrgäste unterwegs waren. Zum anderen musste das Unternehmen Tickets erstatten sowie Hotels und Taxifahrten bezahlen. Zu allem Überfluss besprühten Sprayer zahlreiche S-Bahn-Waggons, allein in Berlin 69. Auch in Hamburg und Leipzig habe es solche Vorfälle gegeben.

Die Fernbusanbieter positionieren sich als billige Alternative zur Bahn. Der Streik der Lokführer spielt ihnen in die Karten: „Dank der GDL hatten wir das beste Fernbuswochenende seit der Öffnung des Marktes“, sagte Matthias Schröter, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). „Für uns ist das eine schöne Möglichkeit gewesen, zu zeigen, wie komfortable, sichere und saubere Fahrzeuge wir haben.“

Einige Details wollen die Unternehmen unter Verweis auf die Konkurrenz nicht preisgeben. Doch auch so wird deutlich, dass die GDL ihnen einen Boom beschert hat. Der Anbieter Mein Fernbus etwa verzeichnete von Freitag bis Sonntag mehr als drei Mal so viele Buchungen wie an einem durchschnittlichen Wochenende. Konkurrent Flixbus verdreifachte den Umsatz.

Die Unternehmen organisierten zahlreiche zusätzliche Busse – auf den wichtigsten Strecken pendelten teils zwei oder drei gleichzeitig. Ohne das Gedränge, das Bahnfahrer an Wochenenden oft erleben, ging es trotzdem nicht. Vielerorts war es rappelvoll an den Haltestellen, viele Fahrzeuge waren ausgebucht.

Das wirkte sich auch auf die Preise aus, denn die orientieren sich an der Nachfrage – je mehr Plätze in einem Bus ausgebucht sind, desto teurer wird es. Für eine Fahrt von Hamburg nach München verlangt MeinFernbus.de etwa bis zu 63 Euro. Bei der Bahn werden für diese Strecke ohne Bahncard 142 Euro fällig, allerdings dauert die Fahrt auch nur rund sechs statt zehn Stunden.

Kommentare (2)

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Herr Tom Schmidt

20.10.2014, 16:32 Uhr

Wann nimmt die Presse jetzt eigentlich mal den Bahn-Vorstand in die Zange? Wenn ich das mal grob überschlage, dann können doch in der GDL nur so ca. 5 % der Beschäftigten des Unternehmens organisiert sein... und von denen lassen die sich so auf der Nase rumtanzen? Was sind das den für Manager?

Es geht um Lokführer! (das die Lufthansa von den Piloten abhängt verstehe ich ja noch). Als Lokführer muss ich nur irgendeine Lehre haben und eine Art Führerschein für eine Lok. Und wenn sich der Bahn-Vorstand nicht s...d... anstellt, dann stellt er sicher, dass in Zukunft genügend Bahnmitarbeiter einen Zug fahren können! Dann ist das Thema GDL ganz schnell durch!!!

P.S.: In manchen Städten ist U-Bahn-Fahrer ein Studentenjob! Nur mal so zum erwähnen!

Herr Horst Meiller

20.10.2014, 20:08 Uhr

"...U-Bahn-Fahrer ein Studentenjob!"
Dann kann das ja nicht so furchtbar schwierig sein!
Man muß ja nicht mal lenken! (o:)

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