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07.11.2015

15:26 Uhr

Streik bei der Lufthansa

Harte Geduldsprobe für 58.000 Passagiere

Zweiter Streiktag der Flugbegleiter: Lange Schlangen an Lufthansa-Schaltern – wer in Europa fliegen will, muss warten und Umwege in Kauf nehmen. Hunderte Flüge sind ausgefallen. Sonntag ist zunächst Durchatmen angesagt.

Am Flughafen Frankfurt bilden sich lange Schlangen. dpa

Streiks bei Lufthansa

Am Flughafen Frankfurt bilden sich lange Schlangen.

Frankfurt/DüsseldorfTag zwei des Marathon-Streiks bei der Lufthansa hat am Samstag zahlreiche Passagiere auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Nach Angaben der Lufthansa wurden rund 520 Flüge gestrichen. Schwerpunkt war das Drehkreuz Frankfurt, wo fast alle Kurz- und Mittelstreckenflüge ausfielen. In Düsseldorf wurden 18 Flüge abgesagt, darunter ein Langstreckenflug nach New York. Auswirkungen gab es auch an anderen Flughäfen, an denen etwa keine Inlandsflüge abhoben oder ankamen. Insgesamt waren laut Fluggesellschaft rund 58.000 Passagiere betroffen.

An den Lufthansa-Umbuchungsschaltern in Frankfurt bildeten sich lange Schlangen von Reisenden, deren Flüge zu deutschen oder europäischen Zielen annulliert worden waren. Die meisten waren über den Streik informiert und hofften, mit einer anderen Fluggesellschaft oder per Bahn an ihr Ziel zu kommen. Am Schalter mussten die Passagiere rund zwei Stunden warten, bis sie erfuhren, wie und wann sie ihr Ziel erreichen konnten. Betroffene mit Ziel Mailand etwa mussten einen Umweg über Wien machen. „Wir versuchen so viel wie möglich“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Viele hatten ihre Verbindungen schon online umgebucht.

Auch im Transit des Frankfurter Flughafens herrschte Gedränge an den Transfer-Schaltern. Der Check-In für Überseeflüge lief dagegen reibungslos. An den Sicherheitskontrollen zu den Abflug-Gates war kaum Betrieb.

Wegen des Streiks hatten mehr als 1600 Passagiere unfreiwillig die Nacht zu Samstag in Frankfurt verbracht. Die Lufthansa hatte für sie Hotelzimmer gebucht. Für die Reisenden im Transit, die nicht weiterkamen und kein Einreisevisum hatten, standen Hunderte Feldbetten bereit. Allerdings hätten lediglich 50 Passagiere diese Möglichkeit genutzt, sagte der Lufthansa-Sprecher.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Mitarbeiter des Flughafen-Betreibers Fraport und der Lufthansa waren seit dem frühen Morgen unterwegs, um Passagiere zu informieren. Auch Mitglieder der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo beantworteten Fragen. Ufo-Chef Nicoley Baublies äußerte Verständnis für die Enttäuschung vieler Reisender.

Die Deutsche Bahn rechnet während des Streiks, der noch bis Freitag dauern soll, mit besonders vielen Fahrgästen. Es würden zusätzliche Mitarbeiter in Frankfurt am Main und Düsseldorf eingesetzt, nicht aber mehr Züge, sagte ein Bahnsprecher am Samstag. An Wochenenden sei ohnehin „alles, was rollen kann“ unterwegs.

Fluggäste im innerdeutschen Verkehr könnten online oder an Lufthansa-Schaltern ihre Tickets in Gutscheine für die Bahn umwandeln lassen und damit in einen Zug steigen. Bei internationalen Verbindungen müssten die Reisegutscheine in einem Reisezentrum oder einer Agentur der Bahn gegen eine Fahrkarte eingetauscht werden.

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Der längste Streik in der Geschichte der Lufthansa läuft an: Er ist das gute Recht der Arbeitnehmer, doch ist er noch verhältnismäßig? Wenn sie so weitermachen, können die Flugbegleiter nur verlieren. Ein Kommentar.

Zum Auftakt des Streiks hatte die Lufthansa am Freitag 290 Flüge absagen müssen, darunter 15 Überseeverbindungen. Betroffen waren rund 37.500 Passagiere. Für Sonntag hat Ufo eine Streikpause angekündigt. Die Gewerkschaft will dann auch bekanntgeben, wie der Ausstand am Montag weitergeht. Bislang war etwa München mit Rücksicht auf das Ende der Herbstferien in Bayern verschont geblieben.

Von

dpa

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