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03.04.2014

12:33 Uhr

Streik bei der Lufthansa

Tage des Stillstands

Der Streik der Lufthansa-Piloten trifft nicht nur die Airline: Auch Restaurants, Geschäfte und Logistiker leiden unter dem Stillstand. Dagegen ist den Taxifahrern in Frankfurt der Ausstand egal – sie haben Ersatz.

Cockpit-Sprecher

„Lufthansa legt uns keine neuen Angebote vor“

Cockpit-Sprecher: „Lufthansa legt uns keine neuen Angebote vor“

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Leere Schalter, leere Parkhäuser, leere Geschäfte – die großen Flughäfen in München und Frankfurt leiden unter dem Streik der Lufthansa-Piloten. Bis einschließlich Freitag bleiben die Maschinen der größten deutschen Fluggesellschaft am Boden, 3.800 Flüge fallen aus, insgesamt 425.000 Passagiere bleiben weg. Auch die Logistik-Unternehmen, die ihre Fracht durch die Luft transportieren lassen, müssen ihre Pläne umwerfen. Wer betroffen ist, was sich die Unternehmen einfallen lassen – ein Überblick.

Dringende Medikamente, wichtige Ersatzteile, lebende Tiere: Rund 4.500 Tonnen Luftfracht, die Lufthansa Cargo transportieren sollte, müssen durch den Streik der Piloten nun einen neuen Weg finden, um ans Ziel zu kommen. 18 von 37 Transportflügen fallen in drei Tagen Streik aus. Doch internationale Lieferketten lassen sich durch den Streik offenbar nicht aus dem Takt bringen.

48 Stunden hatten die Logistikunternehmen Zeit, um sich auf den Streik einzustellen – so viel Spielraum ließ ihnen die Pilotengewerkschaft Cockpit. Im eng getakteten Frachtgeschäft reicht das, um auf andere Airlines umzusteigen, erklärt der größte deutsche Logistikkonzern DHL. Nennenswerte Ausfälle habe man nicht zu beklagen. Auch bei Konkurrent Hellmann kommen nahezu alle Waren pünktlich an. Allerdings sei zu Streikzeiten das eigene Personal besonders gefordert.

Das einzige Problem der Logistiker: Die Umbuchungen auf andere Anbieter sind meist teurer als die langfristigen Verträge mit der Lufthansa. „Keine Versicherung und auch nicht die Lufthansa Cargo sind in solchen Fällen schadenersatzpflichtig“, sagt Hellmann-Chef Jens Tarnowski.

Bei der Lufthansa versucht man, die Schäden in Grenzen zu halten. Damit keine Tiere und verderblichen Waren in den Lagern stranden, wurden entsprechende Anfragen schon im Vorfeld blockiert. Mehr als die Hälfte der Fracht, die das Unternehmen transportiert, wird in den Bäuchen der Passagierflieger untergebracht.

Problematisch bleibt der Pilotenstreik aber für Branchen, die eng mit der Lufthansa verbunden sind. Am Flughafen München ist der Pilotenstreik mehr als ein Ärgernis: An den drei Streiktagen heben deutlich weniger Flieger ab als bei normalem Betrieb, insgesamt ein Drittel. Den genauen Schaden kann Flughafensprecher Edgar Engert noch nicht beziffern. „Wir gehen aber von einem Schaden im siebenstelligen Bereich aus“, sagt er. Auch der Frankfurter Betreiber Fraport beklagt pro Streiktag einen Umsatzverlust im einstelligen Millionenbereich.

Neben den Start- und Landegebühren entgehen den Flughäfen an den Streiktagen auch viele Nebengeschäfte. Die Parkhäuser sind weniger ausgelastet, in den Restaurants bleiben die Tische frei und auch in den Boutiquen gibt es weniger Publikumsverkehr. 

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Schadenersatzansprüche an die Lufthansa hat der Flughafen München aber nicht. Zu wichtig ist die größte deutsche Fluggesellschaft für den Flughafen. Terminal 2 betreibt der Flughafen sogar gemeinsam mit der Fluggesellschaft. Hier herrscht seit gestern weitgehend Stille. Flughafen und Airline bilden bei Streiks eine Schicksalsgemeinschaft. Streikt das Bodenpersonal des Flughafens, wird auch die Lufthansa geschädigt. Streikt wie derzeit das Personal der Lufthansa, verliert auch der Flughafen Geld.

Bei Taxi Frankfurt, dem größten Taxivermittler der Bankenhauptstadt, sind die Auswirkungen des Streiks beherrschbar. Durch die Fachmesse „Light and Building“, die noch bis Freitag in Frankfurt stattfindet, seien die Fahrzeuge ausgelastet. Ob sich der Streik am Ende negativ oder positiv auf die Bilanz auswirkt, kann das Unternehmen noch nicht abschätzen. Auf der einen Seite entfallen die Fahrten vom Flughafen in die Innenstadt, auf der anderen Seite steigen Kunden auch auf das Taxi um.

Kommentare (5)

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03.04.2014, 12:48 Uhr

Schon bemerkenswert, dass es nur "Cockpit"-Leute sein sollen, die zu dem Stillstand geführt haben sollen.
Der dafür verantwortliche LH-Vorstand ist daran allerdings nicht minder beteiligt.
LH-Personalpolitik: eine eigenartige Mischung klösterlich intendierter Bescheidenheitskultur (man werfe mal einen Blick auf NeuMA-Verträge) und Gutsherrenart im Umgang mit Altpersonal.
Dazu der Kunde als Resteverwerter in der Holz- oder der Rosenkavalierklasse.

Mag sein, dass man heutzutage so mit Personal umgeht.

Jedenfalls fliege ich inzwischen lieber via ausländischem Drehkreuz mit einem anderen Carrier, als mir ausgerechnet LH anzutun.
Als Vollzahler erlaube ich mir diesen Luxus nun schon seit geraumer Zeit und siehe: Fliegen kann auch angenehm sein.

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03.04.2014, 13:54 Uhr

Als Vielflieger (nicht als Pilot..) habe ich trotz anderer Meinungen vollstes Verständnis für den Streik der Lufthansa-Piloten. Auf den ersten Blick erscheint ihr Gehalt hoch, auf den zweiten Blick jedoch ist es hinsichtlich ihrer sehr großen Verantwortung für das Leben von sehr vielen Menschen zu niedrig. Die gilt übrigends für alle in der Personenbeförderung Beschäftigen (Lokführer, Busfahrer etc. )

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03.04.2014, 14:08 Uhr

Wenn man mal genauer hinter die Kulissen schaut, kommt man zu dem Schluß, dass einige LH-Piloten, die gegen die Pensionierung mit spätestens 60 geklagt und gewonnen haben, den Stein erst ins Rollen gebracht haben und sie ihn jetzt nicht mehr aufhalten können. Der LH-Führung blieb gar nichts anderes übrig als auf die höchstrichterliche Entscheidung des EuGH hin die Tarifverträge zu kündigen und neu zu verhandeln. Derweil ließen sich jene Piloten über 60, die geklagt haben, wieder aus dem Ruhestand holen, um bis 65 weiterzufliegen.
Damit wird nicht nur einer der Streikgründe ad absurdum geführt, sondern es werden sich die Berufs- und Einkommensaussichten für den jungen fliegerischen Nachwuchs drastisch verschlechtern. Damit werden sich wohl nur noch Migranten aus Rumänien oder Bulgarien zufrieden geben, aber bei uns niemand mehr. So haben es ein paar unersättliche GröFaZe* geschafft, nicht nur den guten Ruf der LH zu ruinieren, sondern bald den ganzen Laden. Notfalls werden sie ja noch bei den Ölaugen unterkommen, die dann den gesamten europäischen Flugverkehr unter ihren Fittichen haben. Bei Air Berlin geht`s schon los...

* Größte Flieger aller Zeiten

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