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30.11.2014

16:10 Uhr

Streik bei Kik

Textildiscounter kontert mit Zeitarbeitern

Hunderte Kik-Mitarbeiter eines Zentrallagers haben die Arbeit niedergelegt. Ihr Streik droht allerdings zu verpuffen, weil der Textildiscounter die Arbeiter einfach ersetzt. Der Ärger bei der Gewerkschaft Verdi ist groß.

Der Discounter Kik gehört zum Einzelhandelskonzern Tengelmann. dpa

Der Discounter Kik gehört zum Einzelhandelskonzern Tengelmann.

Der Textildiscounter Kik unterläuft einem Medienbericht zufolge den seit knapp zwei Wochen andauernden Streik der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in seinem Zentrallager im westfälischen Bönen. Die Tengelmann-Tochter nutze Zeitarbeiter, um die Auswirkungen des Arbeitskampfes möglichst gering zu halten, berichtete die „Welt am Sonntag“. „Wir greifen auf die Hilfe von Personaldienstleistern zurück, um die Mitarbeiter zu entlasten und breiter aufgestellt zu sein“, zitierte die Zeitung Burkhard Schültken, Geschäftsführer von Kik Logistik.

In den Saisonspitzen passiere das ohnehin schon, sagte Schültken. „Wir haben also etablierte Partner. Und die haben uns nun Leute geschickt.“ Eine Zahl wollte er nicht nennen, dem Vernehmen nach gehe es aber um bis zu 140 Zeitarbeiter. Kik greift demnach auf die Hilfe von insgesamt drei Zeitarbeitsfirmen zurück, die allesamt nicht tarifgebunden sind, davon eines aus Hamburg, eines aus Potsdam und eines aus der Schweiz.

Der Ärger bei Verdi sei groß, schreibt die „WamS“. Gegen Gesetze verstoße Kik allerdings nicht. Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz erlaubt den Einsatz von Zeitarbeitern als Streikbrecher – wenn diese darüber informiert werden, dass in dem Betrieb gestreikt wird und dass es ihr Recht ist, einen Einsatz dort zu verweigern.

„Unsere Erfahrung ist aber, dass die Leiharbeiter von ihrem Recht, den Einsatz zu verweigern, in den meisten Fällen gar nicht Gebrauch machen können“, sagte ein Verdi-Sprecher. Mit mehr oder weniger sanftem Druck würde ihnen vermittelt, dass sie in dem Fall eben gar nicht mehr eingesetzt werden. „Diese Menschen befinden sich häufig in einer Notlage, und das nutzen die Arbeitgeber aus“, zitierte die Zeitung einen Verdi-Sprecher.

Das Kik-Zentrallager in Bönen beliefert nach Gewerkschaftsangaben Geschäfte des Billiganbieters in ganz Deutschland und in Osteuropa. Verdi fordert, dass die Mitarbeiter nach Tarif bezahlt werden. Ein Lagerarbeiter in Nordrhein-Westfalen bekomme nach dem dort geltenden Einzelhandelstarifvertrag 2106 Euro brutto im Monat. Kik zahle seinen Lagerarbeitern dagegen nur 1650 Euro brutto.

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