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29.08.2014

12:42 Uhr

Streik der Piloten

Wie die Lufthansa sich spaltet

VonLukas Bay

Der Streit der Lufthansa mit den eigenen Piloten setzt sich auch unter dem neuen Chef Spohr fort. Statt Diplomatie droht offener Konflikt, unter dem vor allem die Passagiere leiden müssen.

Verspätungen und Flugausfälle

15.000 Passagiere von Germanwings-Streik betroffen

Verspätungen und Flugausfälle: 15.000 Passagiere von Germanwings-Streik betroffen

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DüsseldorfDie Hoffnungen waren groß als Carsten Spohr im Mai den Chefsessel bei der Lufthansa übernahm. Sein Vorgänger Christoph Franz hatte tiefe Gräben hinterlassen. Statt des kühlen Rechners Franz übernahm mit Spohr ein Eigengewächs. Einer, der die Fluggesellschaft von der Pike auf kennt, der selber einen Pilotenschein besitzt, dem man zutraute die Empfindlichkeiten in der Belegschaft zu kennen.

Ein halbes Jahr später zeigt sich: Auch Spohr ist ein Hardliner. Unter dem neuen Chef spitzt sich der Konflikt mit den Piloten weiter zu. „Leider hat sich auch unter dem neuen Chef in der Sache wenig verändert“, sagt Sprecher Markus Wahle von der Vereinigung Cockpit (VC), die etwa 5.400 Piloten der Lufthansa vertritt. Das Angebot der Lufthansa gleiche einem Forderungskatalog, seit April habe es kaum Bewegung in den Verhandlungen gegeben. Das Verhältnis sei seit längerem angespannt.

Wichtigster Streitpunkt: die betriebsinterne Frührente. Im Schnitt gehen Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das durchschnittliche Eintrittsalter schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Für Kollegen, die ab 2014 eingestellt werden, soll die Übergangsversorgung ganz gestrichen werden. „Eine Spaltung der Belegschaft ist mit uns nicht zu machen“, sagt VC-Sprecher Wahle.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Die Seiten geben sich unversöhnlich – und am Ende leiden die Passagiere. Zuerst wird dort gestreikt, wo der Konflikt besonders schwelt: bei der Germanwings. Zwischen 6 und 12 Uhr bleiben heute alle Flieger der Billigtochter an allen deutschen Flughäfen am Boden. 116 von 164 Flügen fallen nach Angaben der Lufthansa aus, damit trifft der Streik rund 15.000 Passagiere. Auch am Nachmittag dürfte sich die Situation nicht entspannen, denn etliche Flüge sind durch den Streik verspätet oder müssen verschoben werden.

„Wir bedauern mögliche Unannehmlichkeiten für die Kunden der Germanwings“, teilte die Gewerkschaft mit. Man habe bewusst die Germanwings gewählt, weil sich dort einige Strecken auch per Bahn zurücklegen lassen. Man behalte sich aber vor, die Streiks in den nächsten Wochen auch auf die Lufthansa Passage auszuweiten, wenn die Lufthansa den Piloten nicht entgegenkommt.

Dass der Streik tatsächlich Erfolg hat, scheint unwahrscheinlich. Denn der Streit der Lufthansa mit den eigenen Piloten schwelt schon mehrere Monate. Schon im April wurde gestreikt: Damals musste die Kranich-Linie 3800 Flüge annullieren, und insgesamt waren 425.000 Passagiere betroffen.

Kommentare (5)

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Herr Jürgen Dannenberg

29.08.2014, 13:33 Uhr

Wie so leiden. Ich fliege halt mit denen nicht mehr. So einfach ist das.
"unter dem vor allem die Passagiere leiden müssen".

J. G.

29.08.2014, 13:44 Uhr

Bei der Lufthansa sitzen wohl ein paar Flaschen im Vorstand? Welche erfolgreiche Firma tritt eigentlich ihre Kernkompetenz mit Füßen?
Wird wohl an dem neudenglischen Begriff "Human Ressources" liegen! Unter uns, für Firmen, die ihre Personalabteilung so nennen, kann man nicht arbeiten, ohne sich als Sklave oder Technigger zu sehen...

Egal wo man (ehemalige) Politiker einsetzt, es funktioniert nicht!

Die paar Milliraden, die man in BER versenkt hat, wären bei den Gehältern und der Absicherung der Piloten, die ja schon mit 55 in Rente gehen MÜSSEN besser aufgehoben gewesen...


J. G.

29.08.2014, 14:00 Uhr

I-Tüpfeles: "Denn die Airline hat derzeit mit massiver Konkurrenz zu kämpfen hat."

Wer findet den Fehler in der Grammatik?

Die denglischen Rechtschreibprogramme, programmiert in China und Indien taugen einfach nix...

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