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19.02.2012

17:09 Uhr

Streik in Frankfurt

Vorfeld-Einweiser fordern mindestens 64 Prozernt mehr

Die Fronten im Streit um Gehaltserhöhungen der Vorfeld-Mitarbeiter am Frankfurter Flughafen sind verhärtet. Laut Arbeitgeber Fraport fordert die Einweiser-Truppe bis zu 73 Prozent mehr Lohn - das ist Fraport zu viel.

Auch am Montag Streik am Flughafen Frankfurt/Main

Video: Auch am Montag Streik am Flughafen Frankfurt/Main

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FrankfurtDer morgige Montag könnte entscheidend werden für die kleine Gruppe der Vorfeld-Einweiser. Zwar geht der Flughafen-Betreiber Fraport davon aus, dass insgesamt bis zu 70 Prozent aller rund 1250 geplanten Flugbewegungen stattfinden können. Alle interkontinentalen Verbindungen abgewickelt werden, somit beschränkt sich das Problem weitgehend auf europäische und inländische Flüge. Doch dieses Streik-Zeichen ist eindeutig - und lässt sich nicht einfach ignorieren.

Die Gewerkschaft will mit dem 24-Stunden-Ausstand in der Tarifauseinandersetzung mit Fraport den Druck erhöhen. „Die Betreibergesellschaft Fraport hat sich nicht bewegt, es gibt nicht einmal den Versuch einer Kontaktaufnahme“, sagt der Tarifvorstand der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), Markus Siebers.

Auf Seiten des Arbeitgebers hört sich das ganz anders an. Ein Fraport-Sprecher betont: „Wir sind jederzeit gesprächsbereit und fordern die GdF auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“ Er kritisiert die „überzogenen Forderungen und die starrsinnige Haltung der GdF“, die zu Lasten der Passagiere, Fluggesellschaften und der Fraport-Mitarbeiter gehe.

Bereits am vergangenen Donnerstag und Freitag hatten die rund 200 Vorfeldmitarbeiter die Arbeit niedergelegt. Allein am Freitag waren dadurch 301 Flüge ausgefallen. „Die eingesprungenen Kollegen auf dem Vorfeld haben sich hervorragend eingearbeitet und die bisherigen Aufgaben gut gemeistert“, erklärt der Sprecher. Er riet Passagieren, sich frühzeitig über ihre Verbindungen zu informieren. Der Lufthansa-Sprecher weist darauf hin, dass Betroffene kostenlos stornieren oder umbuchen könnten. Reisende innerhalb Deutschlands könnten auf die Bahn umsteigen.

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Hintergrund des Konflikts ist, dass Fraport die Forderung nach einem eigenen Tarifwerk mit hohen Gehaltssteigerungen für die rund 200 Vorfeldbeschäftigten nicht akzeptieren will. Der Betreiber hat auch einen Schlichterspruch Ole von Beusts abgelehnt, der ebenfalls deutliche Verbesserungen für die Beschäftigten vorgeschlagen hatte. Laut Fraport laufen die GdF-Forderungen auf Steigerungen zwischen 64 und 73 Prozent mehr Geld hinaus.

Der Fraport-Sprecher betont, dies sei überzogen. Und: „Wir sind bereits mehrfach auf Forderungen der GdF eingegangen.“ Die zwei Streiktage am vergangenen Donnerstag und Freitag haben den Flughafen-Betreiber nach eigenen Angaben bisher bis zu vier Millionen Euro gekostet - die Verluste der Fluggesellschaften seien darin nicht eingerechnet. Am Wochenende gab es keinen Streik. Der Betrieb lief laut Fraport normal.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Baier

19.02.2012, 17:25 Uhr

die Lohnsteigerung kann man dann wieder von den Professoren abzwacken.

wirtschaftsweiser

19.02.2012, 19:00 Uhr

damit können die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mit der Entwicklung der Vorstandsgehälter von Fraport mithalten, Fraport soll mal froh sein, dass die nur 64% fordern. Sinnvoller wäre es, die Lücke die sich in den letzten Jahren zu den Vorstandsbezügen aufgetan hat VOLLSTÄNDIG zu schließen und zukünftig ein Kopplung der Vergütung zu verlangen.
Alternativ: Vorstandsvergütung wieder runter.
Wenn der Vorstand streikt, steht der Flugbetrieb vermutlich nicht still. Da sieht man mal, wer wichtiger ist.

Koboldo

19.02.2012, 19:39 Uhr

Eine solch nassforsche Forderung nach Lohnerhöhung von über 60% hört sich natürlich als unmäßig an, ist aber angesichts der Steigerungen bei den Vorstandsbezügen so unmoralisch auch wieder nicht, zumal bei den Vorfeld-Einweisern von einer relativ geringen Bemessungsgrundlage auszugehen ist. Wenn allerdings jeder, der eine Schlüsselrolle in unserer Arbeitswelt einnimmt, unverhältnismäßie Entlohnung einfordert, wäre es schnell um unsere Republik geschehen. Da denke ich beispielsweise an die Fluglotsen, aber selbstverständlich sollten auch die Vorstandsmitglieder unserer Republik in diesem Punkt mehr Fingerspitzengefühl an den Tag legen. Anscheinend ist diesen Herrschaften nicht bewusst, welche Auswirkungen das auf die Arbeitsmoral und den sozialen Frieden hat.

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