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17.01.2007

09:55 Uhr

Streik wird wahrscheinlich

Belegschaft von British Airways rebelliert

VonDirk Heilmann

Die Beziehungen zwischen Management und Mitarbeitern von British Airways (BA) sind zerrüttet. Nur wenige Tage nach einer mühsamen Einigung mit den Gewerkschaftsspitzen über eine neue Pensionsregelung droht eine große Mehrheit des Kabinenpersonals mit Streik. Vorstandschef Willie Walsh ist damit der erhoffte Befreiungsschlag misslungen.

LONDON. Außer neuerlichen zähen Verhandlungen drohen ihm Umsatzeinbußen und ein Verlust an Kundenvertrauen. Vor wenigen Tagen hatte es noch so ausgesehen, als ob Walsh nun die finanzielle Zukunft des Unternehmens geklärt hätte. Am 5. Januar stimmten Management und die Spitzen der vier Gewerkschaften einem Abkommen zu, das die Lücke in der Pensionskasse innerhalb von zehn Jahren schließen soll. Mit 2,1 Mrd. Pfund (rund 3,2 Mrd. Euro) hat BA gemessen am Börsenwert das größte Defizit unter den 100 führenden britischen Aktiengesellschaften.

Der Kompromiss sieht vor, dass das Unternehmen einmalig 800 Mill. Pfund zahlt und die Mitarbeiter auf Leistungen im Wert von 400 Mill. Pfund verzichten, um das Defizit sofort auf 900 Mill. Pfund zu senken. Mit jährlichen Einzahlungen von 280 Mill. Pfund über die nächsten zehn Jahre wollte BA dann die Lücke ganz schließen. Die Angestellten müssen allerdings deutlich länger arbeiten, um die Pensionskasse zahlungsfähig zu halten: Die Altersgrenze steigt für Piloten und Kabinenpersonal von 55 auf 65 und für das Bodenpersonal von 60 auf 65 Jahre.

Doch die nächsten Tage zeigten, dass die Gewerkschaftsführer die Stimmung an der Basis falsch eingeschätzt haben: Während der Rat der Pilotengewerkschaft Balpa die Vereinbarung einhellig befürwortete, lehnten ihn die Vertrauensleute der GMB ab, die vor allem Check-in-Personal vertritt. Die GMB beginnt am morgigen Donnerstag mit einer Urabstimmung über einen Streik. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Pensionsvereinbarung die am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter gegenüber den Piloten klar benachteilige.

Das von der Transport & General Workers Union (T&G) vertretene Kabinenpersonal hat sich am Montag bereits mit 96-prozentiger Zustimmung für den Streik entschieden. Ihm geht es nicht nur um das Pensionsthema, sondern unter anderem um das Vorgehen des Managements zur Reduzierung von Fehlzeiten, das sie als einschüchternd kritisieren.

Angesichts der verhärteten Fronten fürchten Flugreisende nun ein neuerliches Chaos am BA-Drehkreuz London-Heathrow. Die Streiks würden in die Zeit der Ferien zwischen den Schulhalbjahren fallen. Diese nutzen die Briten gerne, um vor dem kalten Schmuddelwetter in den Süden zu fliehen. BA-Passagiere litten zuletzt 2005 monatelang unter einem wilden Streik bei Cateringfirmen. Im Sommer legten Terrordrohungen Heathrow lahm, vor Weihnachten brachte Nebel Verspätungen.

BA versuchte deshalb am gestrigen Dienstag, in hektischen Verhandlungen noch eine gütliche Einigung zu erreichen. „Wir sind sehr enttäuscht“, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft. „Unsere erste Sorge gilt unseren Kunden. Wir hoffen, dass wir Streiks noch abwenden können.“ Auch Gewerkschaftsvertreter zeigten sich an einer Verhandlungslösung interessiert. Analysten sagten, schon die Streikdrohung werde den Umsatz von BA belasten. Viele Reisende buchten in so einem Fall lieber bei der Konkurrenz.

Walsh braucht rasch Klarheit über kommende Zahlungen in die Pensionskasse. Ihm steht eine teure Erneuerung der Flugzeugflotte ins Haus. Die BA-Aktie sank seit Wochenbeginn um drei Prozent.

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