Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.10.2013

16:38 Uhr

Streikankündigung

Am Freitag bleibt der Karstadt dicht

Die Gewerkschaft Verdi kündigt für Freitag bundesweite Streiks bei Karstadt an. Hintergrund ist die unklare Lage bei der Warenhauskette. Die Gewerkschaft fürchtet nach wie vor die Zerschlagung und fordert klare Konzepte.

Karstadt-Filiale in Hannover: Bundesweit werden am Freitag Warenhäuser geschlossen bleiben. dpa

Karstadt-Filiale in Hannover: Bundesweit werden am Freitag Warenhäuser geschlossen bleiben.

Mit Streikaktionen im gesamten Bundesgebiet machen die Karstadt-Beschäftigten an diesem Freitag mobil. An zahlreichen Standorten des Unternehmens seien Arbeitsniederlegungen und Betriebsversammlungen geplant, sagte eine Verdi-Sprecherin am Donnerstag in Berlin. Schwerpunkte gebe es in Nordrhein-Westfalen, wo Karstadt-Beschäftigte an fünf Standorten zu Aktionen aufgerufen wurden, und in Norddeutschland - unter anderem in Hamburg und Hannover. In Berlin soll es ganztägige Warnstreiks in allen Karstadt-Häusern und Karstadt-Feinkostläden geben. Details zu den geplanten Maßnahmen und Standorten wollte Verdi erst am frühen Freitagmorgen mitteilen.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Hintergrund der Aktionen ist die bei Karstadt anstehende dritte Tarifrunde Mitte November. Die Unternehmensführung müsse erklären, wohin die Reise mit Karstadt gehe, sagte eine Verdi-Sprecherin. Vor allem fordert die Gewerkschaft einen Tarifvertrag über Standort- und Beschäftigungssicherung sowie eine Rückkehr in die Tarifbindung. Die Eigentümer Nicolas Berggruen und René Benko müssten ein klares Zukunftskonzept vorlegen. Bei den 20.000 Beschäftigen des Unternehmens herrsche große Unsicherheit.

Erst Mitte September hatte der österreichische Immobilieninvestor Benko mit gut 75 Prozent die Mehrheit der Premiumhäuser (Alsterhaus, KaDeWe, Oberpollinger) und Sporthäuser bei Karstadt übernommen. Im Gegenzug sollen 300 Millionen Euro in die Stärkung der Gruppe investiert werden. Karstadt braucht Geld für die Modernisierung der Warenhäuser.

Die Gewerkschaft Verdi sieht die Entwicklung äußerst kritisch. Gerade vor dem Hintergrund des Verkaufs sei der Abschluss eines Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag dringender denn je. Welche Auswirkungen die Trennung der Premium- und Sporthäuser vom Karstadt-Konzern habe, sei noch völlig unklar. Deshalb pocht Verdi auf mehr Transparenz und Klarheit über die zukünftige Ausrichtung der Häuser.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

24.10.2013, 17:48 Uhr

Ein Pleitekonzern streikt
-----
"An diesem Freitag macht Ver.di mobil. An zahlreichen Standorten des Unternehmens seien Arbeitsniederlegungen und Betriebsversammlungen geplant, sagte eine Verdi-Sprecherin am Donnerstag in Berlin."

Glauben sie, mit diesen Maßnahmen Arbeitsplätze "retten" zu können? Wie war das bei Quelle, Neckermann, Schlecker? Alle sind Geschichte. Und so wird es auch bei Karstadt sein.

Wie sagte schon Münte:
"SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering hat es auf seine Weise erklärt. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, sagte er von Katharina Schuler".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×