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14.01.2014

14:12 Uhr

Streiks abwenden

Bahn legt Angebot an Lokführer vor

Die Bahn will im Streit mit der Gewerkschaft GDL nun arbeitsunfähige Mitarbeiter besser absichern: Traumatisierte Angestellte sollen das bisherige Lohnniveau weiter erhalten. Die GDL prüft nun das Angebot.

Die Deutsche Bahn kommt der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) nun entgegen und legt einen neuen Mitarbeiterschutz vor. dpa

Die Deutsche Bahn kommt der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) nun entgegen und legt einen neuen Mitarbeiterschutz vor.

BerlinIm Streit mit der Lokführergewerkschaft GDL hat die Bahn ein neues Angebot mit einer besseren Absicherung für arbeitsunfähige Mitarbeiter vorgelegt. Wer aufgrund traumatischer Vorfälle, etwa Selbstmördern auf den Gleisen, seinen Beruf nicht mehr weiter ausüben könne, solle dennoch sein gesamtes Arbeitsleben das bisherige Lohnniveau weiter erhalten, teilte die Bahn am Dienstag in Berlin mit. Wer eine andere zumutbare Stelle innerhalb der Bahn ablehne, könne den Konzern mit einer Abfindung verlassen. Diese sichere dann drei Jahre lang 80 Prozent des bisherigen Nettolohnes. Obwohl die GDL darauf verzichtet habe, biete man weiter allen Eisenbahnern einen Schutz vor betriebs- und gesundheitsbedingten Kündigungen an.

„Einen solchen Mitarbeiterschutz gibt es nirgends auf der Welt“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. „Es gibt keinen Grund für Streiks. Ich fordere die GDL auf, noch im Januar wieder in Verhandlungen einzusteigen.“

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Die GDL hatte ultimativ bis Mittwoch ein neues Angebot gefordert und mit Streiks noch in diesem Monat gedroht. Sie verlangte in den Verhandlungen über einen sogenannten Zukunftsvertrag einen kompletten Schutz für Lokführer, die aus Gesundheitsgründen nicht mehr arbeiten können: Sie müssten ihr gesamtes Berufsleben weiter nicht nur 100 Prozent des Lohns bekommen, sondern auch von weiteren Tariferhöhungen profitieren. Dafür könne eine Lizenzverlust-Versicherung abgeschlossen werden, die die Bahn bezahlen müsse. Nach Angaben der Bahn existiert ein solche Police auf dem Markt aber nicht.

Die GDL erklärte, sie wolle das Angebot umfassend prüfen. Sie vertritt rund 20.000 Lokführer. Selbst mit punktuellen Streiks können sie wegen der Vernetzung des Bahn-Verkehrs bundesweit für erhebliche Störungen sorgen.

Von

rtr

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