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05.11.2015

10:11 Uhr

Streiks am Freitag

Ufo lehnt Lufthansa-Angebot ab

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hält auch nach dem jüngsten Tarifangebot der Lufthansa an den Streikplänen für Freitag fest. „Ein Streik ist nicht mehr abzuwenden“, sagt Ufo-Chef Nicoley Baublies.

Die Gewerkschaft Ufo will ab Freitag in den Ausstand treten. dpa

Lufthansa-Flugbegleiter im Streik

Die Gewerkschaft Ufo will ab Freitag in den Ausstand treten.

FrankfurtDer Lufthansa steht der nächste Streik ins Haus: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo lehnt die jüngste Offerte des Konzerns in dem Tarifstreit um die Altersversorgung ab und will ab Freitag die Arbeit niederlegen. „Bei dem unveränderten Angebot der Lufthansa ist ein Streik nicht mehr abzuwenden“, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Tarifexperten der Gewerkschaft hätten die am Vortag vorgelegte Offerte unter die Lupe genommen. „Da steht nichts Neues drin.“

Baublies hatte bereits zuvor betonte, dass es sich bei dem Tarifangebot um alten Wein in neuen Schläuchen handle. Die Lufthansa will nach Aussagen eines Sprechers alles daran setzen, um den Streik noch abzuwenden. Die Lufthansa-Aktien verloren am Morgen knapp ein Prozent.

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Die Gewerkschaft hatte der Lufthansa eine Frist bis Donnerstag, 17 Uhr gesetzt. Sollte bis dahin kein verbessertes Angebot für die Alters- und Übergangsversorgung der 19.000 Stewardessen und Stewards der Lufthansa vorliegen, werde ab Freitag für eine Woche gestreikt. Wann und wo die Lufthansa-Flugzeuge am Boden bleiben, will die Gewerkschaft erst kurz vorher verraten. Die Lufthansa-Töchter Germanwings, Eurowings, Swiss und Austrian Airlines wären von dem Ausstand nicht betroffen. Der jüngste Streik war im September, als die Lufthansa-Piloten die Arbeit niederlegten.

Die Lufthansa versuchte, den drohenden Streik mit einer Runderneuerung des bisherigen Tarifangebots abzuwenden. Auf Basis dieses Vorschlags ist Ufo zu einem Gespräch am Nachmittag eingeladen. Ob die Gewerkschaft daran teilnehme, sei derzeit nicht klar, sagte Baublies. "Es ist nicht davon auszugehen, dass die Lufthansa zu dem Gespräch etwas Neues mitbringt." Falls Ufo den Termin wahrnehme, werde sich die Gewerkschaft danach nicht äußern.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Die Tarifverhandlungen zwischen Ufo und der Lufthansa ziehen sich seit zwei Jahren hin. Die Arbeitnehmerorganisation kämpft in erster Linie gegen geplante Einschnitte bei der Rente und der sogenannten Übergangsversorgung. Diese betriebsinterne Frührente wird gezahlt, damit Stewards und Stewardessen wegen der körperlichen Belastungen in dem Job schon vor dem offiziellen Rentenbeginn mit 65 Jahren in Ruhestand gehen können. Im Schnitt scheiden die Flugbegleiter derzeit mit 56 Jahren aus.

Nach Aussagen der Lufthansa ist die bisherige Finanzierung der Frührente wegen der niedrigen Zinsen und der im Branchenvergleich hohen Kosten der Lufthansa nicht mehr machbar. In seinem jüngsten Kompromissvorschlag bot der Konzern unter anderem für neu eingestellte Flugbegleiter unter bestimmten Voraussetzungen Verbesserungen an. Grundlegend neu sei die Offerte allerdings nicht, hatte die Lufthansa eingeräumt.

Im Hintergrund köchelt bei dem Tarifclinch noch ein zweiter Konflikt um den Ausbau der früheren Lufthansa-Regionalflugline Eurowings zur Billig-Airline. Dagegen ging auch die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit auf die Barrikaden und bestreikte die Lufthansa seit Frühjahr 2014 insgesamt 13 Mal. Auch mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ringt der Konzern derzeit um einen Tarifabschluss für 33.000 Angestellte. Den Streik der Piloten hatte im Sommer das Landesarbeitsgericht Hessen überraschend gestoppt.

Von

rtr

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