Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.04.2013

10:29 Uhr

Streiks

Amazon will Lieferengpässe vermeiden

Dicke Luft zwischen Amazon und seinen Mitarbeitern in Deutschland. Nach gescheiterten Tarifgesprächen droht die Belegschaft nun mit einem Streik. Die Kundschaft des Versandhändler soll davon nichts mitbekommen.

Mitarbeiter von Amazon drohen dem Versandhändler mit Streik. dpa

Mitarbeiter von Amazon drohen dem Versandhändler mit Streik.

BerlinDie angedrohten Streiks beim US-Versandhändler Amazon in Deutschland sollen für die Kunden möglichst ohne Auswirkungen bleiben: „Wir werden auch im Falle eines Streiks alles dafür tun, dass unsere Kunden zuverlässig beliefert werden“, sagte Deutschland-Chef Ralf Kleber der „Bild“-Zeitung vom Freitag. Streiken könnten Beschäftigte von Amazon an den Standorten Bad Hersfeld in Hessen und in Leipzig.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will für die Amazon-Beschäftigten eine höhere Bezahlung erreichen, die dem Branchen-Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels entspricht. Bisher gibt es in den deutschen Amazon-Standorten keine Tarifbindung. Amazon orientiert sich an der Bezahlung in der Logistikbranche.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Deutschland-Chef Kleber sagte der „Bild“, Amazon habe für die Forderung der Gewerkschaft „kein Verständnis“. Die Mitarbeiter leisteten „logistische Tätigkeiten und liegen mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Branche üblich ist“.
In Bad Hersfeld, dem größten Standort von Amazon in Deutschland, bereitet Verdi nach ergebnislosen Gesprächen mit der Geschäftsführung Urabstimmungen vor, bei denen sich die Gewerkschaftsmitglieder für Streiks entscheiden könnten. Im Leipziger Logistikzentrum haben sich bereits 97 Prozent der Verdi-Mitglieder für Arbeitsniederlegungen ausgesprochen.

Amazon-Mitarbeiter demonstrieren für Tarifvertrag

Video: Amazon-Mitarbeiter demonstrieren für Tarifvertrag

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

afp

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mobius

12.04.2013, 12:12 Uhr

Schade, dass Verdi hier auf den aktuell laufenden (und oftmals überzogenen) Amazon-Bashing-Zug aufspringt und abstruse Gehälter für die Logistikbranche fordert (~12,5 EUR/h). Vermutlich werden wir dann demnächst aus Polen mit Amazon-Ware beliefert - da bekommt man Arbeitskräfte für knapp die Hälfte der o.g. Summe. Anstatt Amazon&Co als Chance zu begreifen, massiv ungelernte und unqualifizierte Arbeitskräfte in den Arbeitsmkarkt zu integrieren, macht Verdi lieber auf Phantasialand...

Nachdenken

23.04.2013, 13:55 Uhr

Schnelste Lössung währe es garnicht über Amazon zu bestellen. Da dies die Grundursache auch ist das kleine Mittelständige z.B Buchunternehmen Pleite gehen. Nur ist das so einfach nein! Ich selbst habe ein Amazon account! Und habe gemerkt manches bekommt man nur noch über Amazon oder Ebay oder undsw. Auch da ich auf dem Land wohne müsste ich wegen jeder kleinigkeit 30Km in die Stadt fahren.Schlechte Arbeitsbedingungen ja schon! Da steht Amazon aber nich erleine als Schuldiger da. Dies machen leider schon viele Großkonzerne. Wie schon gesagt wir werden mit einem erleinigem Boykott, diese Wirtschaftliche ausbeutung nicht ändern können. Ein Mindestlohn würde dies Teilweise lössen können und auch wäre es notwendig Mittelständige Unternehmen vor Ort zu Fördern. Nur wie machen, wen man etwas spezielles haben möchte und dies beim Händler vor Ort nur sehr schwer bekommt. Aber eigentlich sollten wir ehrlich sein! Im grunde geht es ja nur um den Preis. Bei Amazon ist bein einem Bestellwert über 20 € dies versnadkostenfrei.Im Grunde genommen geht es uns zu gut. Wir wollen sparen aber könnten uns im endefekt ein Produkt auch für par Euro mehr Kaufen. Wir leben im Überfluss! Und wundern uns dass dies mit ausbeutung anderer geschieht.(z.B Harz4 empfänger, Filialien im Ausland mit Nidriegeren Löhnen undsw). Wir wollten es ja so.Reine Polemik & Blendung alles. Wir wundern uns auch noch darüber. Es ist leicht die Schuld nach aussen zu schieben. Vieleicht währe es angebracht seine Bedürfnisse ein wenig herunterzuschrauben.Wieviel Produkte werden in der ersten Welt weggeschmissen. Dies sieht man auf den Müllplätzen in Afrika!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×