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03.07.2012

15:27 Uhr

Streit um Elbphilharmonie

Zweites Ultimatum für Hochtief läuft aus

Seit acht Monaten ruhen die Arbeiten auf der Baustelle der Elbphilharmonie. Am Mittwoch endet ein zweites Ultimatum der Stadt Hamburg an Hochtief. Dort will man fristgerecht eine Antwort einreichen.

Die Baustelle der Elbphilharmonie in Hamburg. dpa

Die Baustelle der Elbphilharmonie in Hamburg.

HamburgMit Spannung wird am Mittwoch die Entscheidung im Streit um die Hamburger Elbphilharmonie erwartet. Nachdem ein erstes Ultimatum zum Weiterbau an Hochtief ergebnislos verstrichen war, hatte die Stadt Hamburg den Baukonzern aufgefordert, bis zum 4. Juli schriftlich zu bestätigen, die Arbeiten an dem Dach des Konzertsaales wieder aufzunehmen. Ansonsten droht die Stadt mit der Kündigung „aller Verträge“. Die Arbeiten auf der Baustelle ruhen seit November 2011, weil sich die Stadt und Hochtief über die Sicherheit des Daches streiten. Mehrere städtische Gutachten hatten die Sicherheit bestätigt, während Hochtief weiter Bedenken hegt.

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In dem Schreiben der städtischen Realisierungsgesellschaft (Rege) vom 21. Juni wurde deutlich, dass die Stadt ernsthafte Zweifel daran hat, ob Hochtief „eine für beide Seiten akzeptable, einvernehmliche Regelung“ finden möchte. Der Baukonzern wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, „differenziert Stellung beziehen“ und „Lösungsvorschläge“ machen zu wollen. „Wir werden der Stadt morgen fristgerecht antworten“, sagte Hochtief-Sprecher Bernd Pütter am Dienstag der dpa. „Wir erwarten morgen in irgendeiner Form eine Reaktion von Hochtief“, bestätigte der Sprecher der Kulturbehörde, Enno Isermann.

Die wichtigsten Etappen des Projekts Elbphilharmonie

Oktober 2001

Der Architekt Alexander Gérard tritt an den Hamburger Senat mit der Idee heran, eine neue Konzerthalle auf dem Kaispeicher A zu realisieren.

Juni 2003

Die Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron präsentieren den ersten Entwurf der Elbphilharmonie.

Juli 2005

Die erste Machbarkeitsstudie geht von Gesamtkosten in Höhe von 186 Millionen Euro aus. Der Anteil der öffentlichen Hand soll bei 77 Millionen Euro liegen.

November 2006

Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gibt bekannt, dass die Elbphilharmonie teurer wird als geplant. Die Kosten steigen auf 241,3 Millionen Euro, der Anteil der Stadt auf 114,3 Millionen Euro.

April 2007

Grundsteinlegung Elbphilharmonie.

Juni 2008

Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) gibt bekannt, dass die Eröffnung der Elbphilharmonie um ein Jahr auf Herbst 2011 verschoben wird.

September 2008

Nach Spekulationen über Mehrkosten in Höhe von bis zu 140 Millionen Euro muss Projektleiter Hartmut Wegener gehen. Sein Nachfolger wird Heribert Leutner.

November 2008

Senatorin von Welck räumt ein, dass sich die Kosten für den Steuerzahler um 209 Millionen Euro auf 323 Millionen Euro erhöhen. Neuer Eröffnungstermin ist im Mai 2012.

April 2010

Die Stadt Hamburg verklagt den Baukonzern Hochtief. Die Stadt fordert unter anderem einen belastbaren Terminplan, der immer noch nicht vorliege.

Mai 2010

Der von der Hamburger Bürgerschaft einstimmig eingesetzte parlamentarische Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf, um die Ursachen der Kostensteigerungen herauszufinden.

Richtfest auf der Baustelle der Elbphilharmonie. Die Feierlichkeiten werden von Protesten begleitet.

Juli 2011

Der Baukonzern kündigt erneut eine Verzögerung an. Nun soll die Elbphilharmonie am 15. April 2014 übergeben werden.

November 2011

Stillstand auf der Baustelle: Hochtief stellt die Arbeiten am Dach wegen Sicherheitsbedenken ein.

Dezember 2011

Hochtief verschiebt den Übergabetermin von April 2014 auf November 2014.

Februar 2012

Ex-Bürgermeister von Beust sagt vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Er übernimmt die politische Verantwortung, würde aber wieder so entscheiden.

April 2012

Der Senat legt einen Plan zum Weiterbau der Elbphilharmonie vor. Gleichzeitig setzt die Stadt Hochtief ein Ultimatum, bis zum 31. Mai am Saaldach weiterzubauen.

Mai 2012

Das erste Ultimatum der Stadt an Hochtief läuft aus. Hochtief kündigt an, die Arbeiten an der Elbphilharmonie wieder aufzunehmen.

Juni 2012

Nachdem auf der Baustelle nichts passiert ist, setzt die Stadt Hochtief ein zweites Ultimatum bis zum 4. Juli.

Juli 2012

Das zweite Ultimatum der Stadt an Hochtief endet. Die Stadt Hamburg und Hochtief einigen sich. Der Baukonzern will die Elbphilharmonie fertigstellen.

Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) erwartet von Hochtief eine bedingungslose Zusage, das Saaldach zu Ende zu bauen. Es gebe eine genehmigte Planung und die könne umgesetzt werden. „Hochtief kann gerne das Saaldach ertüchtigen, wenn sie meinen, das sei nötig. Dazu brauchen sie unsere Hilfe nicht“, sagte die Senatorin der dpa. Auch das Schiedsgerichtsverfahren, dem Hochtief zu einem früheren Zeitpunkt bereits zugestimmt hätte, müsse endlich auf den Weg gebracht werden. Sollte Hochtief diese Forderungen nicht erfüllen, werde die Stadt das Konzerthaus eben alleine weiterbauen. „Dann bauen wir weiter. Dafür gibt es die städtische Rege.“

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Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zeigte sich weiterhin zuversichtlich, dass Hochtief die Arbeiten an der Elbphilharmonie wieder aufnehmen wird. „Meine Erwartung an Hochtief ist ganz schlicht: Vertragserfüllung“, sagte Scholz im „Hamburg Journal“ des NDR-Fernsehens. Er sei Optimist und gehe davon aus, dass auch Hochtief zu Ende bauen möchte. Weniger optimistisch zeigte sich die Linke in der Hamburger Bürgerschaft. „Solche Vereinbarungen mit Hochtief sind offensichtlich sinnlos“, sagte der kulturpolitische Sprecher Norbert Hackbusch. Er forderte die Stadt auf, sich von dem Unternehmen zu trennen.

Seit Jahren streiten sich die Stadt und Hochtief um das spektakuläre Bauwerk. Zunächst sollte das Konzerthaus der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron 77 Millionen Euro kosten und 2010 fertig sein. Mittlerweile wird die Elbphilharmonie die Stadt mindestens 323 Millionen Euro kosten. Die Opposition spricht jedoch schon von 100 Millionen Euro Mehrkosten wegen Bauzeitverlängerungen und Nachtragsforderungen. Die Eröffnung ist jetzt für 2015 geplant.

Von

dpa

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