Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.10.2016

16:40 Uhr

Streit um Hubschrauber-Vertrag

„An der Nase herumgeführt“ – Polen verärgert Airbus

VonThomas Hanke

Der Streit zwischen Polens Regierung und Airbus eskaliert: Die Regierung des Landes bricht den Vertrag über 50 Hubschrauber. Airbus-Chef Enders ist erbost, Frankreichs Präsident Hollande greift zu drastischen Maßnahmen.

Die polnische Regierung ist nicht mehr am Kauf der 50 Hubschrauber interessiert. AFP; Files; Francois Guillot

Militärhubschrauber Caracal

Die polnische Regierung ist nicht mehr am Kauf der 50 Hubschrauber interessiert.

ParisPolens rechtskonservative Regierung unter der PiS-Partei verliert sämtliche Sympathien im Ausland. Die französische Regierung hat am Dienstag angekündigt, die Militärhilfe für Polen herunterzufahren, nachdem die PiS-Regierung einen gültigen Vertrag mit Airbus Helicopters über die Lieferung von 50 Caracal-Hubschraubern gebrochen habe. Der Schritt ist einschneidend: Beiden Länder verbindet eine alte Freundschaft, die bereits lange vor dem Zweiten Weltkrieg begonnen hat.

Anfang der Woche haben Staatspräsident Francois Hollande und sein Verteidigungsminister Yves Le Drian Gespräche mit Warschau abgesagt, die seit langer Zeit geplant waren. Paris ist extrem verärgert, weil die neue Regierung nicht nur einen gültigen Vertrag breche, sondern auch noch die Unwahrheit über dessen Inhalt verbreite.

Airbus: Kürzungen im Hubschrauber-Geschäft angedeutet

Airbus

Kürzungen im Hubschrauber-Geschäft angedeutet

Airbus ist vor allem für seine Passagierflugzeuge bekannt. Der Flugzeughersteller ist aber gleichzeitig weltweit größter Produzent von Zivil-Hubschraubern. In diesem Bereich deutet Airbus-Chef Tom Enders Kürzungen an.

Airbus-Chef Tom Enders äußert sich zu dem Vorfall ebenfalls deutlich: „Wir haben den Eindruck, dass wir von der aktuellen polnischen Regierung seit Monaten an der Nase herumgeführt worden sind.“ Die Regierung in Warschau habe dem europäischen Flugzeug- und Rüstungskonzern buchstäblich „die Tür vor der Nase zugeschlagen“, erklärte er am Dienstag. „Wir sind noch nie von einem Regierungskunden so behandelt worden.“

Airbus Helicopters hatte noch unter der Vorgängerregierung eine Ausschreibung gewonnen – gegen die Wettbewerber Sikorsky und Leonardo. Die PiS, die Ende 2015 an die Macht kam, hatte schon damals gegen Airbus argumentiert. Nun will sie offenbar Sikorsky/Lockheed Martin den Auftrag zuschanzen. In Paris vermutet man, dass dahinter nicht nur eine europakritische Ideologie, sondern auch direkte wirtschaftliche Interessen einiger PiS-Abgeordneter stehen. Sikorsky hat Werke in Wahlkreisen von PiS-Abgeordneten. 

Polen dagegen behauptet, Airbus habe sich geweigert, eine wirtschaftliche Kompensation für die Bestellung anzubieten. Diese Behauptung hat am Dienstag Airbus-Helicopters-Chef Guillaume Faury auf den Plan gerufen. Um die Rechtspopulisten Lügen zu strafen, veröffentlichte er in einem offenen Brief an die polnische Regierung Einzelheiten des Airbus-Angebotes. Eine sehr ungewöhnliche Reaktion.

Daraus geht hervor, dass der eigentliche Auftragswert sich auf 2,7 Milliarden Euro beläuft. „Das sind die Kosten für Polen und der Umsatz für Airbus“, schreibt Faury. Im April 2015, noch unter der alten Regierung, hatte Airbus die Ausschreibung gewonnen und eine volle industrielle Kompensation angeboten. In Polen sollte eine komplette Produktionslinie für die Caracal-Mehrzweckhubschrauber aufgebaut werden. Es sollte auch einen Technologie-Transfer geben. „Erstmals in der polnischen Geschichte hätte es eine staatliche Hubschrauberfabrik gegeben“, erläutert Faury. 

Später habe die polnische Regierung neue Verhandlungen über Kompensationen anberaumt und verlangt, Airbus Helicopters solle auch noch Kompensationen für 23 Prozent Mehrwertsteuer anbieten, was bei solchen Verträgen unüblich ist. Airbus sei aber auch dazu bereit gewesen. 

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Delli

11.10.2016, 17:32 Uhr

Tja, der Riegel von der Ostsee über Polen und die Ukraine ans Schwarze Meer.
die Amis brauchen die verrückte EU nicht mehr, außer zum Zahlen.
Der Donbass und die Krim stören noch aber sonst perfekt.

Herr Eugen Schmidt

11.10.2016, 17:33 Uhr

Nicht dass mir die aktuelle polnische Regierung sehr symaptisch wäre, aber Merkel holt, ohne jemanden zu fragen, aus einem moralischen Imperativ heraus, den nur Sie persönlich empfindet, über eine Million kulturfremder Menschen nach Deutschland. Weil sie damit in Deutschland Probleme bekommt, will sie einen großen Anteil dieser ungebetenen Zuzügler dann den anderen Ländern aufs Auge drücken und scheut sich nicht, mit wirtschaftlichen Konsequenzen zu drohen, wenn das jemand aufmucken sollte. Kein Wunder, dass den Polen und Ungarn das sauer austößt.
GB ist schon ausgetreten, In Frankreich gärt es jetzt schon gewaltig, aber keiner redet darüber, dass Hollande auch praktisch niemand aufnimmt.
Die osteuropäischen Länder wehren sich wie es eben geht. Russland rüstet auf. Die von uns aufgehetzten Ukrainer haben einen Bürgerkrieg und die Krim verloren. Die Südeuropäer scheren sich einen Dreck um das Kasperleteam in Berlin und verschulden sich immer weiter.
Da brauchen wir jetzt nur von Trump als Präsidenten und Le Pen in Frankreich. Das Verhältnis mit der Türkei war auch schon mal besser.
Derweil reist Merkel in ehemaligen kolonialen Länder der Franzosen in Afrika rum, verschleudert dort unser Vermögen und lädt wahrscheinlich fleißt Flüvhtliche ein. Dabei geht es den Franzosen nur darum, dort in Ruhe Uran abbauen und ihren Abfall billig verbuddeln zu können. Schon mal was von einem Problem in Frankreich mit abgebrannten Stäben gehört. Eben!
Merken denn die CDU Abgeordneten in Berlin nicht, welcher Film hier läuft? Wenn den Deutschen endlich die Augen aufgehen werden, liegt die AfD bei 40 % und dann sind es wieder "die Abgehängten" die schuld sind. Und was machen die Eliten?

Herr Eugen Schmidt

11.10.2016, 17:50 Uhr

Das ist doch ein Erfolg. Die Polen bestellen die Hubschrauber ab und schon kauft Kuweit. Die fliegen sicher bald in Syrien. Die Franzosen haben eben gute Kontakte im Nahen Osten. Aber bald kommen sicher wieder die Bilder mit den getöteten Kindern. Was für eine Heuchleit. Wo bleiben da die Europäischen Werte von Frau Merkel und Herrn Gabriel.
Die Verträge wurden aber sicher schon von vorherigen Regierungen geschlossen. Da muss man natürlich liefern!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×