Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.02.2014

18:27 Uhr

Streit um neues Album

Bushido ruft zum Boykott von Drogerie Müller auf

VonChristoph Kapalschinski

Die Drogeriemarktkette Müller will das neue Album des Rappers Bushido offenbar nicht verkaufen. Im Internet bricht deshalb ein enormer Shitstorm los – „King Bushido!!! Müller is OPFER“.

Umstrittener Rapper Bushido: „Geht lieber zu Saturn oder Media Markt oder Expert oder was auch immer“. dpa

Umstrittener Rapper Bushido: „Geht lieber zu Saturn oder Media Markt oder Expert oder was auch immer“.

DüsseldorfRapper gegen Drogerie: „Verzichtet doch bitte darauf, in Zukunft dort einzukaufen!!! Geht lieber zu Saturn oder Media Markt oder Expert oder was auch immer, aber bitte kein MÜLLER!!!“, schreibt der Rapper Bushido auf seiner Facebook-Seite. Der Grund: Die Drogeriekette habe die Platten des umstrittenen Rappers aus dem Sortiment genommen – kurz vor Erscheinen des neuen Albums. Nur drei Stunden nach der Veröffentlichung hatte der Eintrag 35.000 mal eine virtuelle Zustimmung per „Like“ geerntet, über 400 Nutzer teilten den Eintrag.

Die Fans des Musikers gingen auch dazu über, auf dem Facebook-Auftritt von Müller Sturm zu laufen – ganz wie Bushido in einem zweiten Posting angeregt hatte. „Keine Bushido Alben mehr in eurem Sortiment? Sorry, ihr habt einen treuen Kunden weniger, ich werde meine Medien wie Blu-rays und Musik in Zukunft wo anders kaufen“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer postet schlicht: „King Bushido!!! Müller is OPFER.“ Gegen das Familienunternehmen tobt ein sogenannter Shitstorm, eine Kritik-Welle im Internet.

Die Empörungswelle brechen

Monitoring betreiben

Beobachten Sie genau, was im Internet über Ihre Marke und Ihr Unternehmen geschrieben wird. Ein solches Monitoring können Sie selbst machen oder bei einer Agentur in Auftrag geben. So banal es auch klingt: Längst nicht alle Unternehmen wissen, was auf ihren eigenen Facebook-Seiten läuft. Ein Beispiel: Unlängst wurde die Facebook-Seite der Unilever-Marke Dove mit Links zu Pornoseiten überschwemmt. Da stellt sich durchaus die Frage: Schaut denn da niemand drauf?

Fangemeinde aufbauen

Bauen Sie sich systematisch eine eigene Fangemeinde auf, seien Sie im Internet aktiv, begeistern Sie Ihre Kunden. Sollten Sie dann doch einmal angegriffen werden – ob gerechtfertigt oder nicht – springt Ihnen auf jeden Fall der beste Anwalt zur Seite, den es gibt: Ihre eigene Fangemeinde. Ein Vorzeigebeispiel ist in diesem Fall die Drogeriekette DM.

Empörung nicht unterschätzen

Verschwenden Sie keine Zeit an den Gedanken, dass Sie nicht Opfer von Shitstorms werden können, wenn Sie gar nicht erst in den sozialen Netzwerken aktiv sind. Denn Kundenempörung kann sich überall entladen. Da ist es schon besser, es passiert auf Ihrer eigenen Webseite, wo Sie beschwichtigend eingreifen können.

Risiko einordnen

Wenn Sie plötzlich eine Ansammlung kritischer Kommentare entdecken, müssen Sie schnell eine Risikoeinordnung vornehmen. Ihre Social-Media-Kompetenz sollte so groß sein, dass Sie innerhalb einer Stunde einschätzen können, wer der Absender des Protests ist, wie groß seine Reichweite ist und welche Ernsthaftigkeit dahintersteht.

Eingreifen - oder es lassen

Anschließend müssen Sie die Frage klären, ob Sie eingreifen wollen. Handelt es sich beispielsweise nicht um substanzielle Kritik an Ihrem Unternehmen, dann ist die Cool-bleiben-Strategie richtig. Allerdings sollten die Provokateure darauf hingewiesen werden, dass ihre Sprache jugendfrei und nicht beleidigend sein sollte. Andernfalls drohen Sie, die Stänkerer zu sperren.

Stellung nehmen

Sollte die Kritik der Internet-User substanziell sein, dann sollten Sie auch dazu Stellung nehmen. Das heißt noch lange nicht, dass Sie in den ersten Stunden nach Ausbruch des Sturms sofort mit einer fertigen Lösung aufwarten müssen. Aber Sie sollten authentisch sein und zeigen, dass Sie derzeit alles daransetzen, den Sachverhalt aufzuklären.

Gelassen bleiben

Wenn Sie erst mal mitten im Auge des Web-Orkans stehen, dann bleiben Sie gelassen. Zeigen Sie Empathie und hören den Protestlern zu. Wichtig ist: Fangen Sie nicht an, zurückzuschimpfen oder oberlehrerhaft zu wirken. Komplizierte sachliche Argumente, so richtig sie sein mögen, sind in diesem Moment fehl am Platz. Greifen Sie stattdessen die Netzsprache auf und zeigen ein wenig Humor.

Keine Beiträge löschen

Löschen oder zensieren Sie nicht die Beiträge von Ihren Kritikern. Zeigen Sie sich souverän und stellen Sie sich den Vorwürfen.

Agendasetting betreiben

Sorgen Sie dafür, dass das Thema des tobenden Shitstorms nicht Ihr Unternehmen und dessen Außenwirkung beherrscht. Betreiben Sie Agendasetting: Wählen Sie andere Themen aus, für die sich Ihre Kunden interessieren könnten und treiben Sie diese voran. Damit relativieren Sie die Bedeutung des Shitstorms.

Mit dem Unplanbaren rechnen

Rechnen Sie mit dem Unvorhersehbaren, mit dem Unplanbaren. Unternehmen, die alles kontrollieren wollen – auch ihre Kunden – werden an den Möglichkeiten der sozialen Netzwerke verzweifeln. Denn dort übernehmen nun einmal immer mehr die Konsumenten die Kommunikation.

Die Kritik überraschte die Kette, die neben Drogerieartikel auch CDs und DVDs verkauft, offenbar. Am Abend erklärte es, bereits seit Juli 2013 keine Bushido-CDs mehr zu verkaufen. „Mit seinem Lied ‚Stress ohne Grund‘ hatte der Berliner Musiker zusammen mit dem Musiker Shindy im letzten Sommer Politiker und Prominente angegriffen. Daraufhin appellierten viele Kunden im vergangenen Jahr europaweit an die Müller Unternehmensgruppe, seine Tonträger nicht mehr anzubieten“, schrieb das Unternehmen in einer Stellungnahme. Zudem stagniere das Interesse der Käufer an dem Rapper.

Viele Nutzer lobten das Unternehmen auch: „Unterstütze ich voll dass ihr die Bushido-CD nicht verkaufen werdet. [...]“, schreibt ein Nutzer. Jemand anders kommentierte die im Sekunden-Abstand auf der Müller-Facebook-Seite eintrudelnden Beschimpfungen so: „Ich habe lange nicht mehr soviel falsch geschriebene Schimpfwörter auf einem Haufen gesehen. Vielleicht sollte Müller statt der CDs mehr Duden verkaufen.“

Bushido ist wiederholt wegen gewaltverherrlichender und diskriminierender Texte in die Kritik geraten, zudem werden ihm Kontakte zur Organisierten Kriminalität unterstellt. Andererseits erhielt er 2011 einen Bambi als „Integrationspreis“. Auch dies war Anlass für Kritik.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

BushidogoHome

10.02.2014, 16:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

10.02.2014, 16:40 Uhr

na ja leicht rassistisch angehaucht ihr Kommentar. Aber im Grunde haben sie recht. Wenn interessiert der Typ, außer 14 jährigen Wannabe-rappern ist der doch nur ne Randnotiz wert! Wieso der es nun ins HB schafft? Und das die Bushidofans nun auf Facebook sturm laufen... wen wunderts? Das dürfte die Kette verkraften, die wenigsten von denen werden wohl Kosmetikartikel kaufen^^

freigeist

10.02.2014, 16:47 Uhr

der shitstorm müsste eigentlich gegen HB laufen, dass die so nen Kack über so nen Kacker publizieren

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×