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18.07.2014

14:24 Uhr

Streit um Routen der Airlines

Warum flog MH17 über die Ostukraine?

VonTobias Döring

Riskante Route: Weil in der Ukraine ein Bürgerkrieg tobt, mieden einige Airlines den Flugraum. Dagegen schickten Malaysian Airlines, KLM und Lufthansa ihre Flieger über das Land Richtung Asien. Um Kerosin zu sparen?

Ein dichtes Netz aus Flugrouten umspannt die Welt – doch warum wurde die Ostukraine trotz des Bürgerkriegs nicht von allen Airlines gemieden? Getty Images

Ein dichtes Netz aus Flugrouten umspannt die Welt – doch warum wurde die Ostukraine trotz des Bürgerkriegs nicht von allen Airlines gemieden?

DüsseldorfMit Bombardements der USA auf Bagdad begann in der Nacht zum 20. März 2003 der zweite Irak-Krieg. Es war ein angekündigter Militärschlag: US-Präsident George W. Bush hatte Iraks Diktator Saddam Hussein zuvor ein Ultimatum zum Verlassen des Landes gesetzt. Die Luftfahrt reagierte schnell, schon am Morgen des 20. März wurden Flüge in das Land abgesagt und Überflüge umgeleitet.

Im Osten der Ukraine herrscht ebenfalls Krieg. Ein Bürgerkrieg, der sich über Monate hochschaukelte, und am Donnerstagnachmittag seinen bisherigen schrecklichen Höhepunkt erreichte, als eine Boeing mit fast 300 Passagieren an Bord offenbar mit einer Rakete vom Himmel geholt wurde. Die Attacke zeigt: Die Luftfahrtbranche war nicht vorbereitet, sonst wäre es gar nicht erst zu dieser Katastrophe gekommen.

Denn bis zum Absturz des Flug MH17 flogen neben Malaysia Airlines zumindest auch die Lufthansa, die niederländische KLM und Thai Airways bei Flügen nach Bangkok oder Kuala Lumpur über das Krisengebiet. Das zeigen Auswertungen der „New York Times“.

Noch am frühen Mittwochmorgen hatte etwa ein Lufthansa-Flug die Region des Absturzortes überflogen.

Lufthansa-Flug Hongkong-München am 16. Juli: Der Airbus 340 kam der Stelle des Absturzes laut Daten von „Planefinder“ noch am frühen Mittwochmorgen besonders nahe. Screenshot Planefinder.net

Lufthansa-Flug Hongkong-München am 16. Juli: Der Airbus 340 kam der Stelle des Absturzes laut Daten von „Planefinder“ noch am frühen Mittwochmorgen besonders nahe.

Die Lufthansa erklärt dazu: „Uns lagen keine Warnungen der Behörden vor.“ Andere Fluggesellschaften hingegen meiden bereits seit Wochen die Ostukraine. Air France und British Airways fliegen gleich ganz um die Ukraine herum, wie aus den Aufzeichnungen des Flugzeug-Trackers „Flightradar24“ hervorgeht. Die koreanischen Airlines Korean Air und Asiana, die australische Qantas und die polnische Lot gaben an, ihre Routen schon vor Wochen verlegt zu haben.

Erst nach dem Abschuss reagierten auch die übrigen Airlines: Lufthansa und KLM veränderten noch am Donnerstagabend ihre Routen, Air India, Jet Airways, Vueling und Malaysia Airlines taten es ihnen gleich.

Abschüsse von Passagierflugzeugen

Seit dem zweiten Weltkrieg

In der Geschichte der zivilen Luftfahrt sind seit dem Zweiten Weltkrieg mehrere Abschüsse von Passagierflugzeugen bekannt geworden. Zu ihnen gehören:

21. Februar 1973

Am 21. Februar 1973 wird über dem Sinai ein libyscher Passagierjet von einem israelischen Kampfflugzeug abgeschossen. Dabei kommen 108 der 113 Insassen der Boeing 727 des Flugs 114 ums Leben.

1. September 1983

Am 1. September 1983 wird ein Jumbo-Jet der Korean Airlines wegen angeblicher Verletzung des damaligen sowjetischen Luftraums von einem Kampfflugzeug über internationalen Gewässern westlich der Insel Sachalin abgeschossen. Alle 269 Menschen an Bord von Flug KAL 007 kommen ums Leben.

3. Juli 1988

Am 3. Juli 1988 wird eine iranische Linienmaschine auf einem Kurzstreckenflug nach Dubai über dem Persischen Golf vom US-Kriegsschiff USS Vincennes mit einer Rakete abgeschossen. Alle 290 Menschen an Bord der Maschine des Flugs 655 kommen ums Leben.

4. Oktober 2001

Am 4. Oktober 2001 wird eine Tupolew Tu-154 der russischen Fluggesellschaft Sibir auf dem Weg von Tel Aviv nach Nowosibirsk in der Nähe von Sotschi von einer Flugabwehrrakete getroffen. Untersuchungen ergeben, dass die Maschine von einer ukrainischen Flugabwehrrakete getroffen worden war, die sich bei einem Übungsschießen auf der Krim selbstständig gemacht hatte. Alle 78 Insassen des Flugzeugs sterben.

Am Donnerstag sperrte die ukrainische Regierung schließlich den Luftraum über Teilen des Ostens, über den sie die Kontrolle offensichtlich verloren hat.

Doch warum war der Luftraum nicht schon vor der Katastrophe für den zivilen Luftverkehr gesperrt? Darüber streiten am Freitag die Experten. „Ich finde es bemerkenswert, dass eine zivile Airline ihren Flug über ein solches Gebiet plant“, sagt Robert Francis, ehemaliger stellvertretender Chef der US-Behörde für Transportsicherheit.

„Die Internationale Luftverkehrsvereinigung sagt, dass es keine Einschränkungen für den Flugverkehr in dem Gebiet gab“, erklärte der malaysische Transportminister Liow Tiong Lai am Freitag auf einer Pressekonferenz. Das bestätigt auch eine Mitteilung des Verbands vom Donnerstag. Doch offenbar gab es verschiedene Empfehlungen der Luftfahrtbehörden – an die sich die Airlines hielten oder auch nicht.

Kommentare (14)

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Herr Mmnews De

18.07.2014, 12:37 Uhr

Warum fordern die westlichen US-Marionetten Politiker keine Flugverbotszone über Ostukraine wie in Libyen und Syrien?

Herr Mmnews De

18.07.2014, 12:38 Uhr

Wollen die USA einen NATO-Krieg mit Russland?

Trotz WM-Euphorie ist die Gefahr eines 3. Weltkrieges größer denn je. In Zeiten immenser Staatsverschuldung und leerer Staatskassen wurden in der Vergangenheit immer große Kriege geführt, angepasst an den Grad der Gier ihrer Initiatoren.

Die USA sind im freien Fall und dabei ihre Weltherrschaft an China & Russland abzutreten.
Unter diesem Gesichtspunkt sind unter anderen der Syrien- und der Ukrainekonflikt zu sehen.

Die USA agieren seit Jahrzehnten nach dem Motto: „Unser Dollar, aber euer Problem!“, indem sie nach dem durch die private FED inszenierten „fiat money“-System wertvolle Rohstoffe gegen „wertlose“ Dollar tauschen.

Mit ihrer privaten Weltwährung Dollar musste jedes Land der Welt im internationalen Zahlungsverkehr sich Rohstoffe bezahlen lassen und die private FED konnte dafür ohne Ende bunte Papierdollar drucken.

Gegen die Länder, die in der Vergangenheit nicht an diesem Spiel teilhaben wollten, sondern ihre Rohstoffe für andere Währungen weggaben, wurde ein Krieg inszeniert (Irak, Afghanistan, etc.)

In der Tat besteht derzeit eine Gefahr, dass ein 3. Weltkrieg sich an den aktuellen Konflikten entzünden könnte. In der Jelzin-Ära sind die Amis in Russland schon fast am Ziel gewesen, da sie über Beteiligungen an den Schlüsselindustrien wie Öl und Gas, aber auch den Medien, schon einen großen Profit aus dem Land gezogen hatten.

Das änderte sich als Putin an die Macht kam.
Er bekämpfte mit nationaler Wirtschaftspolitik und Antispekulationsmaßnahmen das alte System und re-verstaatlichte bedeutende Vorkommen an Bodenschätzen und sicherte dem russischen Staat Mehrheitsbeteiligungen an der Energiewirtschaft und anderen Schlüsselindustrien.

Aus diesem Grund ist Putin den USA ein Dorn im Auge und wird deswegen in den Medien verteufelt.
Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Sergio Puntila

18.07.2014, 12:42 Uhr

Und warum eigentlich halten Vertreter der selbst ernannten deutschen Tea-Partybewegung nicht einfach mal die Klappe, statt gebetsmühlenartig ihren Sermon in die Foren auszukübeln?

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