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24.09.2014

09:18 Uhr

Streit um Tarifbindung

Amazon-Streiks auf fünften Standort ausgeweitet

Auch im nordrhein-westfälischen Werne treten Mitarbeiter von Amazon am Mittwoch in den Ausstand – damit werden derzeit fünf Versandzentren des Online-Versandhändlers in Deutschland bestreikt.

Transparente mit der Aufschrift „Gute Arbeit, gutes Geld = gute Tarifverträge“ sind vor dem Handelszentrum des Versandhändlers Amazon in Graben (Bayern) befestigt. dpa

Transparente mit der Aufschrift „Gute Arbeit, gutes Geld = gute Tarifverträge“ sind vor dem Handelszentrum des Versandhändlers Amazon in Graben (Bayern) befestigt.

BerlinDie seit Montag laufenden Streiks beim Online-Versandhändler Amazon weiten sich aus. Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte, traten am Mittwochmorgen erstmals auch die Beschäftigten am Standort Werne in Nordrhein-Westfalen in den Ausstand. Damit werden derzeit fünf Versandzentren von Amazon in Deutschland bestreikt. Im hessischen Bad Hersfeld, in Leipzig, im bayrischen Graben und in Rheinberg in Nordrhein-Westfalen streiken die Mitarbeiter seit Montagfrüh. Die Arbeitsniederlegungen sollen bis zum Ende der Spätschicht am Mittwoch andauern.

„Der Druck auf Amazon nimmt zu“, erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Immer mehr Beschäftigte forderten, dass der Online-Händler seine „Blockadehaltung“ aufgebe. Die Beschäftigten hätten ein „Recht auf einen Tarifvertrag“, der ihnen „existenzsichernde Einkommen“ garantiere.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Hintergrund der Streiks ist ein seit Monaten anhaltender Streit um eine Tarifbindung der Amazon-Mitarbeiter. Verdi will für die Beschäftigten in den Zentren Tarifverträge nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels durchsetzen. Amazon vertritt den Standpunkt, dass diese in der Logistikbranche arbeiten. Aufgrund der festgefahrenen Auseinandersetzung legten die Beschäftigten bereits mehrfach ihre Arbeit nieder, auch in der Weihnachtszeit 2013.

Amazon hat in Deutschland neun Logistikzentren an acht Standorten. Dort werden Warensendungen zusammengestellt und an Kunden verschickt. Der Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben über 9000 festangestellte Mitarbeiter. Laut Verdi kommt es an einzelnen Standorten regelmäßig zu Protesten gegen „Arbeitshetze“, unzureichende Pausenregelungen oder die hohe Anzahl an Befristungen.

Von

afp

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