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15.07.2014

14:57 Uhr

Streit um Ticket-Einnahmen

Lufthansa streicht Flüge nach Venezuela

Die Lufthansa befindet sich im Clinch mit Venezuela. Die Regierung in Caracas hält bisher Ticket-Einnahmen zurück, die der Fluglinie zustehen. Das hinterlässt sogar Spuren in der Bilanz. Nun werden Flüge gestrichen.

Die Lufthansa hatte in den vergangenen Monaten wiederholt einzelne Verbindungen in die venezolanische Hauptstadt Caracas annulliert. dpa

Die Lufthansa hatte in den vergangenen Monaten wiederholt einzelne Verbindungen in die venezolanische Hauptstadt Caracas annulliert.

Frankfurt/CaracasDie Lufthansa streicht wegen des Streits mit Venezuela um einbehaltene Ticket-Einnahmen einen Teil der Flüge in das Land. Ab Anfang August werden wöchentlich nur noch drei anstatt bisher fünf Flüge erfolgen, wie die Lufthansa in der Nacht zum Dienstag mitteilte.

Die Streichungen werden voraussichtlich zwei Monate beibehalten und dann überprüft. Die Lufthansa hatte in den vergangenen Monaten wiederholt einzelne Verbindungen in die venezolanische Hauptstadt Caracas annulliert. Der neue Flugplan soll für Fluggäste transparenter werden.

Hintergrund ist ein Clinch um die Freigabe von Einnahmen aus dem Verkauf von Tickets in Venezuela. Strittig ist zwischen den Fluglinien und der Regierung des Landes der Umtauschkurs von Bolivar in Dollar. Allein die Lufthansa wartet auf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Der Disput hinterlässt in der Lufthansa-Bilanz Spuren: Wertberichtigungen auf Bolivar-Forderungen hätten das Jahresergebnis bereits mit 60 Millionen Euro belastet, erklärte der Konzern im Juni.

Das soll sich bei der Lufthansa verändern

Umbau gegen Angriff auf zwei Fronten

Mit einem ganzen Bündel an Vorhaben will sich die Lufthansa zukunftsfähig machen und sich vor allem gegen die Konkurrenz der europäischen Billigflieger und der mit Staatsgeld gepolsterten Golf-Airlines stemmen. Nach noch nicht einmal drei Monaten im Amt stellte der neue Konzernchef Carsten Spohr am 10. Juli seine Pläne vor. Er setzt demnach auf mehr Billig-Angebote, mehr Luxus und eine effizientere Organisation. Die Pläne im Einzelnen.

Mehr Billigflieger (1)

Die Lufthansa-Tochter Germanwings hat das Konzept mit den günstigen Flügen vorgegeben, nun sollen weitere folgen: Der Konzern plant eine ganze „Wings-Familie“ mit Billig-Marken zu initiieren, wie Vorstandschef Carsten Spohr beschrieb. Für den Europa-Verkehr soll die Tochter-Gesellschaft Eurowings ab kommenden Frühjahr als zweiter konzerneigener Low-Cost-Anbieter neben Germanwings in Aktion treten. Germanwings bietet schon heute außerhalb der Drehkreuze Frankfurt am Main und München günstige europäische Direktflüge an. Die dafür genutzte Flotte soll bis Frühjahr 2015 auf 60 Flugzeuge angewachsen sein. Eurowings soll dann seine Strecken mit bis zu 27 Flugzeugen bedienen.

Mehr Billigflieger (2)

Erstmals will der Konzern außerdem auch auf der Langstrecke mit einer Billig-Marke Passagiere locken. Unklar ist Konzernangaben zufolge noch, ob die Lufthansa diese Plattform alleine oder mit einem Partner-Unternehmen aufbaut. Ab Ende 2015 könnten dann schrittweise bis zu sieben Flugzeuge zu Einsatz kommen. Sie sollen Passagiere zu günstigen Preisen in Städte fliegen, die für die Lufthansa-Marke weniger interessant sind, sowie zu beliebten Touristenorte in Übersee, sogenannten „Warmwasserzielen“, wie Spohr sich ausdrückte.

Mehr Luxus

Der Lufthansa-Marke verordnete die Konzernführung ein größeres Maß an Luxus. Lufthansa wolle die erste Fünf-Sterne-Airline der westlichen Hemisphäre werden, versprach Spohr. Vorgesehen seien dazu unter anderem ein besseres Catering in der Business-Klasse, ein verbesserter Premium-Check-In an den großen Flughäfen in Frankfurt am Main und München und ein persönlicher Service an Bord. Insgesamt plane der Konzern eine groß angelegte Qualitätsoffensive.

Mehr Innovationen

In technischen Angelegenheiten und im Bereich der Digitalisierung will die Lufthansa ganz vorne dabei sein. Deshalb kündigte Spohr an, sich auf Vorstandsebene persönlich um das Thema Innovationen zu kümmern. Bis 2020 sollen insgesamt 500 Millionen Euro in die Zukunftsarbeit fließen. In Berlin will der Konzern außerdem eine „Innovation Hub“-GmbH gründen, „um näher an die Welt der Start-ups und an die digitale Technologieszene heranzurücken“, wie Spohr erklärte. Daneben solle es seinen „Innovationsfonds“ geben, um gute Ideen schneller voranzubringen.

Mehr Effizienz

Was 2012 im Umbauprogramm „Score“ begonnen wurde, soll künftig Alltagsgeschäft bei der Lufthansa werden: Die Idee, kontinuierlich die Profitabilität des Unternehmens zu verbessern, solle über das Ende von „Score“ hinaus „in einen Dauerprozess überführt“ werden, sagte der Lufthansa-Chef. Effizienter soll das Unternehmen den Plänen zufolge auch bei der Entscheidungsfindung werden. „Ich möchte mindestens eine Hierarchieebene herausnehmen“, kündigte Spohr Veränderungen im internen Konzernaufbau an. Ziel sei eine dynamischere und schlankere Organisation der Kranich-Airline.

Nach Berechnung des Branchenverbands Iata stehen Fluglinien rund um die Welt insgesamt vier Milliarden Dollar an Erlösen zu, die die Führung in der Hauptstadt Caracas zurückhält. Neben der Lufthansa kappen deshalb auch andere Gesellschaften ihre Kapazitäten, unter anderem American Airlines, Delta, United, Aerolineas Argentinas und die spanische Air Europa.

Das rohstoffreiche Land leidet derzeit unter einer Jahresinflation von 60 Prozent. Vor dem Hintergrund hat die Regierung um den sozialistischen Präsident Nicolas Maduro eine Reihe von Kontrollsystemen eingeführt, um die Flucht in harte Währungen wie den Dollar zu drosseln.

Kritiker werfen der Staatsspitze vor, mit den Beschränkungen der Wirtschaft zu schaden, weil Firmen nicht ausreichend Rohstoffe und Maschinen einführen können. Engpässe bei Dingen des täglichen Bedarfs gehören deshalb zum Alltag in Venezuela und gelten als Symbol für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des lateinamerikanischen Landes.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Frau G. BEST

15.07.2014, 16:47 Uhr

Das ist erst der Anfang bald fliegt keiner mehr....

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