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15.01.2017

09:13 Uhr

Streit um Unterwasserpark

Filipinos wehren sich gegen Sponge Bob

VonMathias Peer

Der Medienkonzern Viacom will in einem tropischen Inselparadies eine spektakuläre Unterwasser-Attraktion aufbauen. Doch die Idee stößt auf massiven Widerstand. Viacom versucht die Probleme herunterzuspielen.

Der geplante Park bedroht die Unterwasserwelt der Philippinen, befürchten Umweltaktivisten. dpa

Korallenriff

Der geplante Park bedroht die Unterwasserwelt der Philippinen, befürchten Umweltaktivisten.

BangkokDer Sprung aus der Zeichentrickwelt ins reale Leben ist schwer. Das bekommt jetzt der amerikanische Medienkonzern Viacom auf den Philippinen zu spüren. Gegen den Plan, eine spektakuläre Unterwasserwelt zu bauen, mehren sich die Proteste der Filipinos. Die Kritiker sehen die Artenvielfalt und die Korallenriffe der Inseln bedroht. 

Gerade diese Artenvielfalt der Meere bekommen Fans der Kult-Zeichentrickserie „Sponge Bob Schwammkopf” ganz beiläufig vermittelt: Die Hauptfigur, ein Schwamm, hat eine Schnecke als Haustier, einen Seestern zum besten Freund, einen schlecht gelaunten Tintenfisch zum Nachbarn und eine Krabbe als Chef. Doch ausgerechnet die Erfinder der heilen Unterwasserwelt stehen nun am Pranger von Umweltschützern: Aktivisten auf den Philippinen fürchten, dass die Macher des Cartoons mit einem umstrittenen Vorhaben eine Gefahr für die Biodiversität in philippinischen Meeren darstellen. 

So schummeln Hoteliers bei der Sternebewertung

Warum sind Hotelsterne überhaupt so beliebt?

Wer ein Drei-Sterne-Hotel bucht, darf einen Föhn und ein Telefon im Zimmer erwarten. Bei fünf Sternen kommen ein Safe und Hausschuhe hinzu. Seitenlang ist festgelegt, was Hotels bieten müssen, um die werbeträchtigen Sterne des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) zu bekommen. Jeder zweite Hotelgast verlässt sich nach einer Umfrage bei der Buchung darauf – doch viele Hoteliers schummeln. „Ein hohes Ausmaß illegitimer Sternewerbung“ beklagt der Branchenverband – und kündigt an, jetzt durchzugreifen. (Quelle: dpa)

Wie werden die Sterne vergeben?

Die Dehoga-Tochter Deutsche Hotelklassifizierung GmbH hat dafür 270 Kriterien festgelegt, nach Punkten gewichtet – von der Reserverolle Klopapier bis zum Blumengruß. Auch Hygiene, der Erhaltungszustand und der Gesamteindruck des Hotels spielen eine Rolle. 940 Punkte sind insgesamt möglich, ab 600 gibt es fünf Sterne. Die Punkte vergeben 16 Regionalgesellschaften des Dehoga, die zum Beispiel neutrale Hoteliers und Mitarbeiter von Tourismusverbänden in die Häuser schicken. Sehen sie die Kriterien erfüllt, gibt es für drei Jahre die Messing-Tafel mit den Sternen für den Eingang. Je nach Größe des Hotels kann die Klassifizierung bis zu 2000 Euro kosten.

Wie viele Hotels beteiligen sich?

Im Juli waren es rund 8500 – von insgesamt knapp 21.000 Hotels in Deutschland. Die Teilnahme ist freiwillig. Mehr als 5100 Hotels haben drei Sterne und gelten damit als Unterkünfte für gehobene Ansprüche. Knapp 2700 Häuser haben vier (hohe Ansprüche), an 124 Hotel-Eingängen prangen fünf Sterne für höchste Ansprüche.

Wie groß ist der Missbrauch?

Es gibt dazu zwei Untersuchungen: Das ZDF überprüfte im Sommer eine Stichprobe von 1000 Hotels. Ergebnis: Bei einem Viertel waren die Sterne entweder abgelaufen oder der Hotelier hatte sie sich selbst erteilt. Der Dehoga bestätigte das Ergebnis nun und hat inzwischen auch selbst nachgesehen: Auf acht Prozent von 3000 untersuchten Websites warben die Hotels zu Unrecht mit den Sternen.

Wie kommt es zur Schummelei?

Es scheinen sich nicht alle darum zu scheren, dass die Hotelsterne ein geschütztes Markenzeichen sind. Das können auch eingesessene Betriebe sein, die die Verlängerung der Sterne vergessen, oder blauäugige Neulinge – die Branche geht nicht in jedem Fall von betrügerischer Absicht aus.

Was tut der Dehoga dagegen?

Noch von diesem Jahr an soll Software Schummelei automatisiert aufdecken. Es soll auch Überprüfungen vor Ort geben und notfalls Verfahren bei der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs.

Welche Bewertungssysteme gibt es noch?

Das Internet bietet inzwischen eine Reihe von Alternativen, die meist auf Bewertungen von Hotelgästen beruhen. Das Hotelvermittlungsportal HRS vergibt seine eigenen Sterne, auch Reiseportale wie Holidaycheck und Tripadvisor liefern eigene Einstufungen. Eine Branchenumfrage ergab schon vor zwei Jahren, dass sich die Kunden etwas mehr an Online-Bewertungen orientieren als an den Sternen. Der Dehoga sieht in den Nutzer-Bewertungen aber keine Konkurrenz: „Es gibt ein Sowohl-als-auch: die objektiven, nachvollziehbaren Hotelsterne und die subjektive Bewertung im Netz“, sagt eine Dehoga-Sprecherin. „Beides hat seine Berechtigung.“ Die eigenen Sterne der Online-Portale funkeln dem Dehoga jedoch mittlerweile zu hell – hier fordert der Verband den Verzicht.

Wie sieht es im Ausland aus?

Es gibt kein weltweit einheitliches Bewertungssystem für Hotels. Drei Sterne in Spanien sind nicht das gleiche wie drei Sterne in Deutschland. Manche Länder verwenden Buchstaben, andere haben gar keine Klassifizierung. Während sich der Dehoga seit Längerem um ein einheitliches europäisches Sternesystem bemüht, haben viele Reiseveranstalter eigene Bewertungssysteme eingeführt. Beim deutschen Marktführer Tui beispielsweise sind es bis zu sechs Sonnen.

In der Auseinandersetzung geht es um ein Projekt des amerikanischen Medienkonzerns Viacom, das diese Woche mit einer spektakulär anmutenden Ankündigung vorgestellt wurde: Zusammen mit einem philippinischen Partner arbeite man an der „ersten Unterseeattraktion der Welt”, teilte das Unternehmen mit. Unter der Marke des Kindersenders Nickelodeon – dem Schöpfer der Sponge-Bob-Reihe – soll die Anlage auf einer Fläche von 30 Hektar zwischen den tropischen Trauminseln der Palawan-Provinz bis 2020 fertiggestellt werden.

Zudem sei dort ein 70 Hektar großes Nickelodeon-Hotel geplant. Gäste hätten zudem die Möglichkeit in gläsernen Unterwasserrestaurants zu speisen und dabei das Leben unter der Meeresoberfläche zu beobachten. Damit gebe man Nickelodeon-Fans ganz neue Möglichkeiten, mit der Marke und ihren Kultfiguren zu interagieren, schwärmte Viacom-Manager Gerald Raines. 

Umweltschützer der ehemaligen US-Kolonie können die Euphorie der Amerikaner nicht teilen. Es sei abscheulich, die Anlage mitten in einem tropischen Paradies zu bauen, meinte Vince Cinches, Vertreter der Umweltschutzorganisation Greenpeace auf den Philippinen. Er zeigte sich überzeugt: „Das Projekt wird das Meeres-Ökosystem zerstören.” Anna Oposa, Chefin der Öko-Nichtregierungsorganisation Save Philipine Seas (SPS), forderte die Öffentlichkeit zum Widerstand gegen das Nickelodeon-Vorhaben auf. Sie legte eine Petition vor – mit dem Ziel die Anlage zu verhindern. Innerhalb weniger Tage erhielt sie dafür rund 200.000 Unterstützer. 

Auch die Regierung des rabiaten Präsidenten Rodrigo Duterte bezog Stellung gegen das Projekt: Sie werde den Unterwasserpark nicht erlauben, teilte Dutertes Umweltministerin Gina Lopez auf Twitter mit. „Wir werden nichts zulassen, was die Natur beschädigt”, sagte sie später zu Journalisten. „Man kann nicht Korallen für einen Themen-Park töten, unmöglich”, wetterte sie. 

Kommentare (1)

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Herr Chris Adam

18.01.2017, 11:00 Uhr

Und einmal wieder regiert die Minderheit. Eine Petition mit 200k Unterschriften soll die Bevölkerung der Philipinen repräsentieren? Das Land hat nach 3 Sekunden Google-Recherche knapp unter 100 Millionen Einwohner. Also wurde die Petition von ca. 0,002% der Bevölkerung unterschrieben. Aber das ist ja mittlerweile gesellschaftsfähig. Ein paar schreien und das wird dann mit einem Großteil oder der gesamten Bevölkerung gleichgesetzt. Sehr schön!

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