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21.03.2014

12:11 Uhr

Streit um Verträge

Piloten stimmen für Streik bei Lufthansa

Seit zwei Jahren verhandeln die Lufthansa-Piloten über neue Vertragsbedingungen und höheres Gehalt. Per Urabstimmung haben die Flugzeugführer für einen Streik gestimmt. Die Gewerkschaft verspricht eine Vorwarnzeit.

Tarifkonflikt

Lufthansa-Piloten stimmen für Streik

Tarifkonflikt: Lufthansa-Piloten stimmen für Streik

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FrankfurtKunden der Lufthansa müssen sich in den kommenden Wochen auf Streiks einrichten. In zwei getrennten Urabstimmungen sprachen sich jeweils sehr große Mehrheiten der Piloten für einen Arbeitskampf aus, wie die Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) am Freitag in Frankfurt berichtete.

Einen genauen Termin nannte die Pilotengewerkschaft zunächst nicht. Lufthansa müsse sich ab sofort auf Arbeitskampfmaßnahmen einrichten, sagte VC-Tarifexpertin Ilona Ritter. Man werde jeden Streik mindestens 48 Stunden vorher ankündigen, um den Kunden Gelegenheit zum Umplanen zu geben.

„Unser Wille ist es, die Osterferien nicht zu bestreiken“, sagte der Chef der Tarifkommission, Thomas von Sturm. Das könne sich aber im Fall einer aggressiven Reaktion der Lufthansa ändern. „Termine kann man verschieben, Ferien nicht“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg.

Das sind die neuen Flieger der Lufthansa

Spritsparende Modelle

Die Lufthansa hat im Herbst 2013 für 14 Milliarden Euro die neuesten Langstrecken-Jets von Boeing und Airbus bestellt. Die Airline deckt sich mit zweistrahligen Langstrecken-Jets ein, die wesentlich weniger Sprit verbrauchen sollen als derzeitige Modelle. Das ist wichtig, da die Tankrechnung einer der größten Kostenposten der Airline ist. Mit 300 bis gut 400 Sitzen sind die neuen Flieger eine Nummer kleiner als das Lufthansa-Flaggschiff, der Airbus A380.

A350 – Leichtbauweise und neue Triebwerke

Der A350 ist das neueste Kind des europäischen Flugzeugbauers: Erstmals hob der Jet mit zwei Triebwerken im Juni ab. Das vollkommen neu konstruierte Flugzeug besteht zur Hälfte aus Verbundwerkstoffen, die das Gewicht senken. Die Leichtbauweise und neue Triebwerke sollen dafür sorgen, dass der Spritverbrauch im Vergleich zu heutigen Maschinen um ein Viertel sinkt.

A350 – Platz für bis zu 350 Passagiere

Im A350 haben je nach Variante 270 bis 350 Passagiere Platz. Der von der Lufthansa bestellte Typ A350-900 zählt 314 Sitze. Derzeit liegen 707 Bestellungen für den laut Listenpreis bis zu gut 320 Millionen Dollar teuren Prestigeflieger vor. Das erste Exemplar soll 2014 an Qatar Airways ausgeliefert werden.

777X – Lufthansa Erstkunde?

So weit wie Airbus ist Boeing mit seinem Nachfolger des Bestsellers 777 lange nicht. Offiziell ist der Bau der zweistrahligen Maschinen noch nicht beschlossen - der US-Hersteller sammelt derzeit noch Bestellungen ein. Die Lufthansa hat gute Chancen, Erstkunde für die sogenannte 777-9X zu werden. Auch Emirates spielt eine Großorder durch. Die Auslieferung der Jets dürfte erst Ende des Jahrzehnts starten.

777X – 20 Prozent weniger Kerosinverbrauch

Die von der Lufthansa favorisierte Variante zählt 414 Sitze. Nach der Pannenserie beim Dreamliner 787 setzten die Boeing-Ingenieure aber nicht ganz so viel neue Technologie ein. Nicht das ganze Flugzeuge, sondern lediglich die Flügel und die Triebwerke werden neu konstruiert. Damit soll der Kerosinverbrauch um 20 Prozent sinken. Das Flugzeug ist eine Fortentwicklung des Bestsellers 777, der seit den 90er Jahren fliegt.

Dem Unternehmen will die Gewerkschaft eine letzte Chance auf eine Reaktion einräumen. „Die muss unverzüglich erfolgen“, warnte Sturm. Betroffen von Streiks wären die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. In dem verzwickten Tarifkonflikt geht es nicht nur um die nächste Gehaltserhöhung, sondern auch um Betriebsrenten und Übergangsregelungen, wenn Piloten vor dem Erreichen der Rentengrenze von 65 Jahren aufhören wollen. Dafür waren zwei getrennte Urabstimmungen abgehalten worden.

In der seit sechs Wochen laufenden Urabstimmung zur Vergütung hatten 97,2 Prozent der rund 5400 Piloten für den Arbeitskampf gestimmt, berichtete die Gewerkschaft. Die Tarifverhandlungen laufen bereits seit rund zwei Jahren ergebnislos. Zum Jahresende 2013 waren sie noch komplizierter geworden, weil die Lufthansa einseitig Verpflichtungen zu Betriebsrenten sowie zur Übergangsversorgung für Piloten und Flugbegleiter gekündigt hatte. In der Urabstimmung zur Übergangsversorgung stimmten sogar 99,1 Prozent der Piloten für einen Arbeitskampf.

Als Reaktion auf die Streikdrohung hat das Unternehmen seine Piloten aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dort könne man gemeinsam Lösungen erarbeiten, sagte ein Sprecher. Lufthansa sei weiterhin bereit, dem fliegenden Personal - also Piloten und Flugbegleitern - ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben zu ermöglichen. Das müsse aber für neue Mitarbeiter unter anderen Voraussetzungen als bislang organisiert werden.

Piloten-Streik wird für Lufthansa richtig teuer

Video: Piloten-Streik wird für Lufthansa richtig teuer

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Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

21.03.2014, 10:28 Uhr

Höheres Gehalt?
Die armen LH-Piloten haben sicherlich etwas Puffer auf den Mindestlohn von 8,50EUR!

Account gelöscht!

21.03.2014, 11:10 Uhr

Super, dann bin ich bald schon wieder Steikopfer der Lufthansa. Als Freiberufler, der seine Steuern im Ausland erwirtschaftet, habe ich durch die Lufthansa schon Verluste von knapp über 10.000 EUR hinnehmen müssen. Naja, das interessiert keinen. Aber dem Staat sind dadurch eben ungefähr 4.800,-EUR durch die Lappen gegangen. Und dies nur, weil die Spitzenverdiener bei der LH den Hals nicht voll bekommen.
Hier ist die Politik gefragt: Gebt endlich der ausländischen Konkurrenz die besseren Slot-Zeiten und ermöglicht Startrechte für alle die Interesse haben an sämtlichen deutschen Flughäfen zu den Tagesrandzeiten. Die Wirtschaft und auch der Staat benötigen dringend mehr Alternativen zur Lufthansa!

Account gelöscht!

21.03.2014, 12:41 Uhr

Mit solchen Maßnahmen wurde schon so manche Fluggesellschaften in die Pleite getrieben.
Darüber hinaus schädigt das erheblich das Image des Standorts Deutschland. Wenn nicht VC streikt dann ist es das Bodenpersonal, die Sicherheitsleute, die Fluglotsen oder wieder einmal VERDI mit irgendwelchen überzogenen Forderungen. In wirtschaftlich guten Zeiten stellen alle nur Forderungen. Zum Kotzen !!!! Her mit der Rezession da bewegen sich Alle wieder etwas schneller , ohne Forderungen zu stellen

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