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07.01.2014

06:57 Uhr

Streit um Vorstandsposten

Die Lobby-Arbeit des Bahn-Chefs

ExklusivDie Kontaktpflege zur Politik ist Bahn-Chef Rüdiger Grube in seinem Arbeitsvertrag haarklein vorgeschrieben. Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla könnte die lästige Pflicht abnehmen. Doch der Aufsichtsrat sträubt sich.

Rüdiger Grube mit Kanzlerin Angela Merkel: Der Bahn-Chef will Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla zur Bahn holen. dpa

Rüdiger Grube mit Kanzlerin Angela Merkel: Der Bahn-Chef will Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla zur Bahn holen.

DüsseldorfDas Handelsblatt hat in Dokumente Einsicht erhalten, die Details über die Zielvereinbarungen von Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube enthalten. Laut den Vorgaben muss Grube insgesamt rund 50 im Detail spezifizierte Treffen mit Politikern absolvieren, darunter „mindestens vier parlamentarische Runden“ mit EU-Parlamentariern, „mindestens fünf Treffen mit Vertretern relevanter Bundestagsausschüsse“, „mindestens zehn persönliche Empfänge von Landesgruppen der im Bundestag vertretenen Parteien“, „mindestens zehn Treffen mit Spitzenvertretern der Bundesländer“ sowie weitere zahlreiche Zusammenkünfte mit Ministerien und Spitzenverbänden der Wirtschaft auf deutscher und europäischer Ebene.

Die Erfüllung dieser Vorgaben macht ein Viertel von Grubes Grundbonus von gut einer Million Euro pro Jahr aus. Insgesamt verdiente Grube im Jahr 2012 2,6 Millionen Euro, davon stammen 1,76 Millionen Euro aus einer variablen Komponente. Die internen Bonusregeln für die Vorstände der Deutschen Bahn AG sorgen für Kritik bei einigen Kontrolleuren des Konzerns. Sie seien „zu kleinteilig“ und „zu irrelevant“ monierten Kontrolleure gegenüber dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).

Fakten zur Deutschen Bahn

Umsatz

Die Deutsche Bahn verbuchte im ersten Halbjahr 2013 einen Umsatz von 19,4 Milliarden Euro (19,5 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum). Insgesamt kam die Bahn 2012 auf einen Umsatz von 39,30 Milliarden Euro.

Gewinn vor Zinsen und Steuern

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug im ersten Halbjahr 2013 eine Milliarde Euro (1,3 Milliarden Euro im Vorjahr).

Halbjahresergebnis nach Steuern

Halbjahresergebnis nach Steuern: 554 Millionen Euro (Vorjahr: 783 Millionen Euro).

Mitarbeiter

Ende Juni 2013 hatte der Staatskonzern etwa 295.700 Mitarbeiter, fast drei Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt 2012.
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Fahrgäste Bahnverkehr pro Tag

Fahrgäste Bahnverkehr im ersten Halbjahr in Deutschland: 991 Millionen (Vorjahr: 981 Millionen). Davon waren 62,5 Millionen im Fernverkehr unterwegs.

Beförderte Güter im Schienenverkehr

Die Logistiksparte der Bahn transportierte Güter mit einem Gesamtgewicht von 196,7 Millionen Tonnen (ein Minus von über fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Schienennetz

Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist weiter leicht geschrumpft. Es hat noch einen Länge von 33.492 Kilometer, 13 Kilometer weniger als Ende 2012.

Auch andere Vorstände haben laxe Vorgaben: Volker Kefer, zuständig für die Infrastruktur, ist eine „intensive Kommunikation mit den Projektpartnern, der Geschäftsführung und dem Beirat der Projektgesellschaft“ von Stuttgart 21 auferlegt. Und Heike Hanagarth, die neue Technik-Frau im Vorstand, muss zu den 300 von Siemens zu produzierenden ICX-Zügen lediglich „vier Projekt-Sitzungen“ abhalten — und obendrein „ein Top-Level-Meeting Siemens/DB“.

Doch Kritik hagelt es nicht nur intern. Auch der Düsseldorfer Arbeitsrechtler Wulf Gravenhorst kritisiert: „Das ist so wenig griffig, da hätte man es auch lassen können.“ Zudem öffneten die schwammigen Formulierungen „der Willkür Tür und Tor“. Gravenhorst sieht dabei den gesamten Aufsichtsrat in der Pflicht. Denn das Gremium entscheidet über die Regelungen — auch wenn sie der Vorsitzende vorverhandelt.

Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte sich zuletzt im Alleingang bemüht, Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla als Vorstand und Cheflobbyist für die Deutsche Bahn zu gewinnen. Das stößt im Aufsichtsrat der Bahn auf Empörung. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, der Vorstand der Bahn suche sich seine Leute selbst aus“, sagte ein Mitglied des Gremiums dem Handelsblatt. Mehrere Aufsichtsräte sind gar der Ansicht, Grube habe sie bewusst hintergangen. Statt von einer Vergrößerung des heute sechsköpfigen Vorstands „war eigentlich von einer Verschlankung die Rede“, heißt es.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte seit Ende November von einer möglichen Tätigkeit Pofallas bei der Bahn gewusst, ihm laut ihrem Sprecher aber geraten, eine Karenzzeit zu wahren. Es gilt mittlerweile als unwahrscheinlich, dass der Bahn-Aufsichtsrat bereits Ende Januar über Pofalla entscheidet.

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Kommentare (13)

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Account gelöscht!

07.01.2014, 07:34 Uhr

Vielleicht werde ich ja noch erleben, das diese Lobbyisten auussterben. Die haben sich inzwischen zu demokratisch nicht mehr kontrollierenden Dinosauriern entwickelt und eine ganze poltitische Kultur, sorry, versaut.
Seit sich das ab dem letzten Jahrtausend so aufbauschen konnte, gehts mit Bürgerrechten und Demokratie stetig bergab.

Oesterreicher

07.01.2014, 07:37 Uhr

In dem Fall ist Grube überfordert und verdient sich dazu noch dumm und dämlich dabei. Warum hat sich Grube nicht früher gemeldet? Was wäre gewesen Pofalla hätte seinen Job im Kanzleramt behalten dürfen? Hat Grube einen Plan B oder muss es unbedingt sein Busenfreund Pofalla sein? Die Sache stinkt doch zum Himmel.
Mir kommt vor das ist ein reiner Verteidigungsartikel für Merkel, Grube, Felcht und Pofalla.
Ich würde mir wünschen das Prof. Lucke zu Wort kommt wie Prof. Lucke die Sache sieht, Kubicki von der FDP durfte ja auch seinen Senf dazu geben. Sowas würde es unter der AFD nicht geben, sagt ein ÖSI.
Zumal man weiß was dieser Pofalla alles auf dem Kerbholz hat, da kommt ja immer mehr zum Vorschein.
Lange Rede, kurzer Sinn es handelt sich hier um einen reinen Versorgungsposten auf Kosten der deutschen Steuerzahler weil der in der Privat Wirtschaft sonst keine Chance hat, so schaut es aus. Mann nennt es auch Korruption, tut mir leid.

Oesterreicher

07.01.2014, 07:41 Uhr

Die Presse spielt ja mit, von wegen vierte Gewalt im Staate, man kann alles schönschreiben.
Man wird doch nur mehr von hinten und vorne verar........ und für blöde angeschaut und das regt mich am meisten auf.

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