Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.06.2011

12:17 Uhr

Strom-Anbieter

Teldafax-Insolvenzverwalter macht Kunden Versprechungen

Tausende Teldafax-Kunden fürchten nach der Pleite des Strom-Discounters um ihr Geld. Jetzt bemüht sich der Insolvenzverwalter um eine Beruhigung der Lage. Doch seine Erfolgsaussichten sind fraglich.

Teldafax hat Insolvenz angemeldet, doch das Unternehmen will seine Kunden wie gewohnt mit Strom und Gas beliefern. Quelle: dpa

Teldafax hat Insolvenz angemeldet, doch das Unternehmen will seine Kunden wie gewohnt mit Strom und Gas beliefern.

TroisdorfTeldafax-Insolvenzverwalter Biner Bähr bemüht sich um eine Stabilisierung des zahlungsunfähigen Strom-Discounters. „Die ununterbrochene Lieferung von Strom und Gas ist vorrangig“, sagte sein Sprecher Wolfgang Weber-Thedy am Mittwoch. „Selbstverständlich beliefern wir unsere Kunden weiter.“ Umgekehrt seien aber auch die Stromkunden verpflichtet, weiterhin ihre Rechnung zu bezahlen.

Bähr hat mit seiner Bestellung zum vorläufigen Insolvenzverwalter das Sagen bei dem Troisdorfer Unternehmen. Derzeit sei er damit beschäftigt, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen und Möglichkeiten für einen Erhalt des Energieversorgers zu prüfen, sagte Weber-Thedy.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte unterdessen eine verbesserte Aufsicht für den Strommarkt. Vorstand Gerd Billen sagte: „Es kann nicht sein, dass Anbieter mit Dumpingpreisen werben, Vorkasse verlangen und die Verbraucher anschließend im Regen stehen.“

Was die Pleite für die Verbraucher bedeutet

Müssen Teldafax-Kunden damit rechnen, bald im Dunkeln zu sitzen?

Nein. Die Versorgung mit Strom und mit Gas ist auf jeden Fall gesichert, wie die Bundesnetzagentur betont. Im schlimmsten Fall - wenn Teldafax tatsächlich die Versorgung einstellen müsste - fiele der Konsument in die sogenannte Grundversorgung zurück. Allerdings müsste der Verbraucher dafür etwas tiefer in die Tasche greifen als beim Troisdorfer Billiganbieter. Er könnte sich aber sofort einen neuen Anbieter suchen.

Teldafax hat Strom gegen Vorkasse verkauft. Ist das Geld jetzt weg?

Wahrscheinlich ja. Wer bei Teldafax von dem Angebot Gebrauch machte, den Strom billig gegen Vorkasse zu beziehen und dafür die Stromkosten bis zu ein Jahr im Voraus bezahlte, dürfte nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen von seinem Geld nicht mehr viel wiedersehen. „Diese Kunden haben jetzt denkbar schlechte Karten“, urteilt der Jurist der Verbraucherzentrale, Jürgen Schröder.

Gibt es Schlupflöcher, wie Kunden doch noch ihr Geld zurückbekommen können?

Nur im Ausnahmefall. Wenn Teldafax das Geld per Einzugsermächtigung erhielt und die Abbuchung weniger als sechs Wochen her ist, kann der Kunde die Abbuchung bei seiner Bank rückgängig machen, wie Schröder erklärt. Zwar muss er auch dann Teldafax für den in der Zwischenzeit verbrauchten Strom bezahlen. Doch das übrige Geld kann so gerettet werden.

Was muss der Kunde tun, wenn der Strom ausbleibt und er in die Ersatzversorgung fällt?

Der Stromkunde hat drei Monate Zeit, sich einen neuen Stromanbieter zu suchen. Doch sollte er nicht zu lange damit warten. Denn der Strom vom Grundversorger ist in der Regel recht teuer, wie die Verbraucherzentrale betont. Der schnelle Wechsel zu einem neuen Anbieter spart also Geld.

Der seit Monaten ums Überleben kämpfende Strom-Discounter hatte am Dienstag Insolvenz angemeldet. Teldafax war bislang Deutschlands größter unabhängiger Energieanbieter und belieferte in seinen besten Zeiten mehr als 700.000 Strom- und Gaskunden.

Verbrauchern, die vom Angebot des Unternehmens Gebrauch machten, Strom gegen Vorkasse zum Sonderpreis zu beziehen, droht damit nach Einschätzung der Verbraucherzentralen der Verlust ihrer Vorauszahlungen.

Die Insolvenz hatte sich seit längerem abgezeichnet. Teldafax hatte in den vergangenen drei Monaten drei Vorstandsvorsitzende, mehrfach wechselnde Eigentümer und verlor mehr als 200.000 seiner knapp 800.000 Kunden, weil immer mehr Netzbetreiber dem Unternehmen die Nutzung ihrer Leitungen schlicht untersagten. Fußballbundesligist Bayer 04 Leverkusen löste erst vor zwei Wochen den Sponsoringvertrag vorzeitig auf.

Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung. In all diesen Wochen vermeldete das Unternehmen jedoch ausnahmslos, es sei auf dem Wege der Besserung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×